Ringelröteln in der Schwangerschaft

Ringelröteln, oftmals mit den Röteln verwechselt, treten überwiegend im Kindesalter auf und fallen dann häufig dadurch auf, dass die Kinder intensiv rote Wangen haben. Der Erreger, Parvovirus B19, ist nicht dem Rötelnvirus verwandt. Wie die Röteln sind Ringelröteln aber besonders gefährlich, wenn eine Schwangere sich infiziert, dann kann das ungeborene Kind aufgrund einer infektiös bedingten Blutarmut (Anämie) an Wasseransammlungen zum Beispiel im Bauchraum leiden oder es kann zu einem Herzversagen kommen (sogenannter Hydrops fetalis): Das Kind kann im Mutterleib an den Folgen der Infektion sterben.

Wie häufig dieses Ereignis ist und was man über Ringelröteln wissen sollte, wenn man ein Kind erwartet, darüber gibt Frau Professor Susanne Modrow, Leiterin des Konsilarlabors Parvoviren, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg, Auskunft.

Wie häufig ist die Erkrankung bei Erwachsenen bzw. bei Schwangeren?

Prof. Modrow: Laut einer repräsentativen Studie haben rund 65 Prozent der 18- bis 19-Jährigen die Ringelröteln bereits durchgemacht, bei den über 70-Jährigen steigt diese Zahl auf 80 Prozent. Man kann davon ausgehen, dass etwa 70 Prozent der Schwangeren vor einer Infektion mit Parvovirus B19 geschützt sind, da sie die Infektion bereits früher hatten.

Durch welche Symptome merkt man, dass man infiziert ist?

Prof. Modrow: Der Krankheitsverlauf bei Kindern und bei Erwachsenen ist etwas unterschiedlich. Bei Kindern sind die roten Backen auffallende Symptome. Dies ist oft das erste Zeichen, ein bis zwei Tage später tritt ein girlandenförmiger Ausschlag an Armen, Beinen und Rumpf auf, es kommt zu leichtem Fieber, Schlappheit, Müdigkeit und Unwohlsein.

Schon Kinder können unter Gelenkentzündungen leiden. Diese sind jedoch schwerwiegender, wenn Erwachsene die Krankheit durchmachen, die Gelenkschmerzen und -schwellungen können wochen- bis monatelang anhalten und in seltenen Fällen sogar eine Rheumaerkrankung auslösen. Der klassische Ausschlag fehlt allerdings oftmals.

Welche Auswirkungen haben Ringelröteln in der Schwangerschaft?

Prof. Modrow: Das hängt entscheidend von dem Zeitpunkt der Erkrankung ab. Bei einer Infektion bis etwa zur achten Schwangerschaftswoche kommt es meist zu einer spontanen Fehlgeburt. Besonders problematisch sind Infektionen der Schwangeren zwischen der 8. und 20. Schwangerschaftswoche. Dann kann es etwa vier bis zehn Wochen nach der Infektion der Mutter zum Hydrops fetalis beim Kind kommen. Etwa drei bis neun Prozent der Kinder von Müttern, die in dieser Zeit eine akute Parvovirus-Infektion durchmachen, sind davon betroffen.

Anders als bei den Röteln kommt es bei den Kindern nicht zu angeborenen Schädigungen: Sie sterben entweder im Mutterleib oder sie kommen gesund zur Welt. Frauen, die nach der 20. Schwangerschaftswoche erkranken, brauchen kein Risiko mehr für ihr Kind zu fürchten.

Gibt es eine Therapie, wenn ein Ungeborenes infiziert ist und wie wird dies diagnostiziert?

Prof. Modrow: Manchmal stellen die Frauen selbst fest, dass etwas nicht stimmt, weil sich das Kind weniger bewegt. Meistens jedoch wird durch eine Dopplersonographie bei der Schwangerenvorsorge festgestellt, dass beim Kind eine Anämie vorliegt. In diesen Fällen wird sofort bei der Frau ein Bluttest durchgeführt (IgM-Antikörper + virale DNA im Serum), um abzuklären, ob eine akute Infektion vorliegt.

Beim Kind wird der Hämoglobin-Wert untersucht. Die Behandlung besteht in einer sofortigen Bluttransfusion über die Nabelschnurvene. Damit kann das Kind gerettet werden, es kommt gesund zur Welt.

Welchen Rat können Sie einer Schwangeren geben?

Prof. Modrow: Zunächst einmal den Rat, keine Panik zu bekommen, wenn ein Kontakt zu einem an Ringelröteln Erkrankten bestand – oftmals sind das übrigens die eigenen Kinder, die die Krankheit z. B. aus dem Kindergarten mit nach Hause bringen. Dies sollte allerdings sofort Anlass für einen Bluttest sein, vor allem wenn der Kontakt in der 8. bis 20. Schwangerschaftswoche bestand.

Wenn man bereits vor oder zu Beginn der Schwangerschaft einen Test machen lässt, kann man in diesen Situationen meistens ganz entspannt sein, denn mehr als zwei Drittel der Schwangeren haben die Krankheit bereits durchgemacht und damit eine lebenslange Immunität. Der Test wird allerdings nicht von den Kassen bezahlt.

Doch auch, wenn man nicht weiß, ob man die Ringelröteln hatte, besteht kein Grund zur Panik, denn weit über 90 Prozent der akuten Infektionen in der Schwangerschaft verläuft unproblematisch. Und bei den übrigen Fällen gibt es die Möglichkeit einer Therapie beim ungeborenen Kind.