Kein Sex vor der Ehe = bessere Beziehung?
In den letzten Jahren wurde die Abstinenz amerikanischer Jugendlicher großzügig staatlich gefördert, ohne dass diese Kampagnen den erhofften Einfluss auf die Anzahl der ungewollten Schwangerschaften oder HIV-Infektionen hatten. Das Hauptproblem: mangelnde Beteiligung. Eine aktuelle Studie macht nun darauf aufmerksam, dass die wenigen, die doch auf Sex vor der Ehe verzichten, später durchaus Vorteile in ihrer Partnerschaft haben könnten.
Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell eine Presseerklärung der Universität zu der Studie vor, in der die Rolle der Kommunikation betont wird: „Obwohl es immer noch Paare gibt, die mit dem Sex warten, bis sie sich auf eine tiefe Beziehung eingelassen haben, probieren heutzutage die allermeisten Menschen erst aus, wie gut sie sexuell zueinander passen, bevor sie Pläne für ein langfristiges Zusammensein schmieden.“
Kein Sex vor der Ehe
Damit stellt sich die Frage, welche der Methoden zu einer besseren Ehe führt. Die neue Studie im Journal of Family Psychology, das von der American Psychological Association herausgegeben wird, sieht die abwartende Herangehensweise im Vorteil. Die Forscher führten ihre Studie an 2035 Verheirateten durch, die an „RELATE“ teilgenommen hatten, einem beliebten Online-Test für die Qualität einer Ehe. Aus der Datenbank dieser Testergebnisse wählten sie eine Gruppe von Teilnehmern so aus, dass sie für die Struktur der verheirateten amerikanischen Bevölkerung repräsentativ war. Der sehr umfangreiche Online-Test beinhaltete unter anderem die Frage „Wann hatten Sie in Ihrer Beziehung zum ersten Mal Sex?“
Vorteile des Wartens
Eine statistische Auswertung zeigte folgende Vorteile für Paare, die bis zur Ehe gewartet hatten, verglichen mit denen, die bereits zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Beziehung Sex hatten:
- Die Stabilität der Beziehung war 22 Prozent höher
- Die Zufriedenheit mit der Beziehung war 20 Prozent höher
- Die sexuelle Qualität der Beziehung war 15 Prozent besser
- Die Kommunikation war 12 Prozent besser
Die Vorteile für Paare, die dazwischen lagen, also die erst später in der Beziehung Sex hatten, aber noch vor der Hochzeit, waren etwa halb so stark. „Die Forschung auf diesem Gebiet hat sich vorwiegend auf die persönlichen Erfahrungen von Menschen konzentriert und weniger auf den Zeitpunkt in einer Beziehung“, erklärt der erste Autor der Studie Dean Busby, der Professor an der School of Family Life der Brigham Young University ist. „In einer Beziehung geht es um mehr als Sex, allerdings stellten wir fest, dass diejenigen, die länger gewartet hatten, auch mit den sexuellen Aspekten ihrer Beziehung zufriedener waren“, fügt Busby hinzu. „Ich glaube, das liegt daran, dass sie gelernt haben miteinander zu reden und dass sie fähig sind, an ihren Problemen zu arbeiten, die sich ihnen stellen.“
Bessere Kommunikation dank Abstinenz
Mark Regnerus, ein Soziologe von der University of Texas at Austin stimmt den Ergebnissen der Studie zu: „Paare, die zu früh in die Flitterwochen gehen – das heißt, die Sex gleich am Anfang einer Beziehung zur Priorität machen – müssen oft feststellen, dass ihre Beziehungen unterentwickelt sind, wenn es um die Qualitäten geht, die einer Beziehung Stabilität verleihen, und die Ehepartner zuverlässig und vertrauenswürdig machen“. Regnerus ist Autor des Buches „Sex vor der Ehe in Amerika“, das demnächst bei Oxford University Press erscheinen wird. Da bei Paaren, die sich zum Warten entschließen, oft religiöse Vorstellungen eine Rolle spielen, machten Busby und seine Mitarbeiter bei ihrer Analyse entsprechende Kontrollen bezüglich des Einflusses religiöser Überzeugungen. „Unabhängig von der Religiosität hilft Warten der Beziehung, ein besseres Kommunikationsverhalten zu entwickeln, das langfristig der Stabilität und der Zufriedenheit mit der Beziehung zugute kommt“, so Busby abschließend.
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw
