Skabies (Krätze)

Der Volksmund bezeichnet die Infektion nicht umsonst als "Krätze" - typisches Symptom ist ein quälender Juckreiz vor allem in der Bettwärme, der beim Betroffenen das Bedürfnis weckt, sich ununterbrochen zu kratzen.Die Krätze, auch als Räude, Schäbe oder Grind bezeichnet, war schon im Altertum bekannt. Und bereits vor 1000 Jahren beschrieb der Araber At-Tabari minutiös den Erreger und dessen Auffinden in der Haut sowie die Möglichkeiten, der Erkrankung Herr zu werden.
Leider wurde dieses Wissen über die Jahrhunderte von den meisten Ärzten ignoriert, wenngleich das Volk sich oft selbst zu helfen wusste: Die Tierchen wurden mit einer Nadelspitze aus den Krätzebläschen gepult und mit den Fingernägeln zerquetscht. Auch Salben mit Schwefel und Quecksilber waren in Umlauf.

Von Mikroben und Menschen

Heute sind die Ärzte schlauer und die Therapiemöglichkeiten effektiver. Trotzdem kommt die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) noch immer weltweit vor. Dieser Parasit ist hoch ansteckend und wird durch engen Köperkontakt übertragen. Das braucht nicht zwingend Geschlechtsverkehr zu sein - bereits ungünstige Wohnverhältnisse mit vielen Personen auf engem Raum reichen. Deshalb sind häufig Gemeinschaftseinrichtungen betroffen. Hygienemängel, gemeinsame Schlafplätze und wechselnde sexuelle Kontakte begünstigen die Infektion.
Die Krätzmilben sind zähe 0,2-0,5 mm große Tierchen, die es sich bei Zimmertemperatur auch in Kleidung, Bettwäsche, auf Polstermöbeln oder Teppichen gemütlich machen und so bis zu drei Tage (bei Kälte bis zu 2 Wochen!) ohne einen menschlichen Wirt überleben können. Ist ein geeignetes Opfer in Reichweite, bohren sich die befruchteten Weibchen innerhalb weniger Minuten unter dessen Haut und graben genickte 1 cm lange und 0,5-2 mm breite Gänge.
An deren Ende bleiben sie für den Rest ihres Lebens, also etwa einen Monat lang sitzen und legen täglich Kot und 1-2 Eier ab. Die geschlüpften Larven bohren sich nach außen und nach etwa zwei Wochen beginnt ein neuer Zyklus. Meist finden sich bei einer infizierten Person etwa 10 bis 50 lebende Milbenweibchen. Es gibt allerdings auch eine besonders ansteckende Form (Scabies norvegica), bei der sich auf einem Quadratzentimeter Haut bis zu 200 Milben tummeln!

Harte Fakten und dunkle Ziffern

Laut Weltgesundheitsorganisation sind weltweit etwa 300 Millionen Menschen mit Skabies infiziert. Alle Klimazonen und sozioökonomische Klassen sind betroffen; Epidemien treten eher in sozial schwachen, stark bevölkerten Gegenden mit schlechten hygienischen Verhältnissen und beeinträchtigter Wasserversorgung auf. Besonders wohl scheinen sich die Milben in städtischen Gebieten der Tropen zu fühlen, in der nördlichen Hemisphäre steigt ihre Häufigkeit im Winterhalbjahr an.

Symptome und Verlauf

Bei einer Erstinfektion sind Beschwerden nach 3-6 Wochen zu spüren, bei einer erneuten Infektion schon nach 24 Stunden (infolge des bereits aktivierten Immunsystems). Hautirritationen und Rötungen sind bedingt durch das Bohren; Milbe, Kotballen und Eier sind verantwortlich für den starken Juckreiz.
Die kommaartigen, meist rötlichen Gänge können an allen Körperstellen mit Ausnahme des Gesichts und behaarten Kopfes vorhanden sein, besonders gern halten sich die Tierchen

  • zwischen den Fingern, in den Achselfalten,
  • an den Ellenbeugen, Brustwarzen,
  • am Nabel, Penis,
  • inneren Fußrand und Knöchel auf.

Durch das ausgeprägte Kratzen kann sich an den entsprechenden Hautstellen auch zusätzlich eine bakterielle Infektion entwickeln. Ohne Behandlung kann es nach etwa einem Vierteljahr zur Selbstheilung kommen.

Nachweis und Therapie

Die Diagnose wird oft aufgrund der typischen Symptome gestellt. Nicht immer gelingt der mikroskopische Nachweis der Milben auf einem Hautgeschabsel oder nach dem Freipräparieren mit einer Nadel. Trotzdem wird bei ausreichendem Verdacht eine Therapie empfohlen. Meist reichen auf die Haut aufgetragene Salben aus, bei ausgeprägtem Befall muss ein spezielles Mittel geschluckt werden. Alle Personen, die in engem Kontakt stehen, müssen mitbehandelt werden. Die Therapie wird nach einer Woche wiederholt.
Wichtig sind allgemeine Maßnahmen, um den Milben sicher den Garaus zu machen. Dazu gehören das häufige Wechseln und Auskochen von Handtüchern, Bett- und Leibwäsche, das gründliche Staubsaugen von Polstermöbeln, Teppichen und Kissen und das 7-tägige Auslüften, besser chemische Reinigen von Oberbekleidung und Decken.

Auf den Punkt gebracht

  • Die Skabies ist hoch ansteckend und kommt weltweit vor.
  • Die Übertragung der Krätzmilbe erfolgt v.a. durch direkten Körperkontakt, kann aber auch indirekt von Wäsche und Polstern stattfinden.
  • Typisches Zeichen ist ein starker Juckreiz, v.a. nachts.
  • Familien- und Sexualpartner müssen mitbehandelt werden.
  • Neben der spezifischen Therapie mit einem Antimilbenmittel müssen auch allgemeine hygienische Maßnahmen getroffen werden.