Sexualität der Frau - Schmerz statt Lust

Schmerz statt Lust
Laut Statistik bereitet der Geschlechtsverkehr bis zu 25% der Frauen mehr oder minder ausgeprägte Schmerzen. Sexuelle Schmerzstörungen sind von einem dumpfen Ziehen und Brennen während und nach dem Koitus gekennzeichnet. Es wird vermutet, dass neben einer Erregungsstörung der Frau der Koitus abgelehnt wird oder dass sie sich nicht traut, Nein zu sagen, um den Partner nicht zu verletzen. Verwachsungen nach Operationen und Geburten, eine Endometriose, Zysten, Myome oder Entzündungen der Unterleibsorgane sowie Scheideninfektionen kommen als Ursachen in Betracht. Frauenärztinnen und –ärzte setzen Blut- und Tastuntersuchungen, Abstrich und Ultraschall ein und arbeiten je nach Bedarf mit Sexualtherapeuten zusammen, um den Frauen zu helfen.
Übrigens ist bekannt, dass ein Scheidenkrampf (Vaginismus) während des Koitus in den Bereich der Märchen gehört. In diesem Fall hält die Scheide den Penis gefangen. Allerdings gibt es zahlreiche, vor allem junge Frauen, die unter einer Anspannung im vorderen Scheidendrittel leiden. Die Muskeln ziehen sich reflexartig zusammen, sobald etwas die Vagina penetrieren will. Dadurch ist die an sich dehnungsfähige Vagina derart verengt, dass sie nicht einmal das schmerzfreie Einführen eines Tampons erlaubt. Der Gynäkologe muss feststellen, ob es sich um ein Angstphänomen handelt.
Sind Medikamente hilfreich?
Um die weibliche Libido und den Orgasmus anzuregen, stehen immer wieder Medikamente in der Diskussion. Dem Mann helfen die so genannten PDE-5-Hemmer auf die Sprünge. "Für Frauen gibt es jedoch keinen entsprechend erfolgreichen Wirkstoff", erklärt die Gynäkologin Elisabeth Merkle. Östrogene, insbesondere in Kombination mit Androgenen, verbessern allerdings die Durchblutung der Vagina und die Sensibilität der Klitoris. „Die sexuelle Erregbarkeit der Frau steigert auch das Testosteron-Pflaster", führt Elisabeth Merkle aus. Es ist bis jetzt jedoch nur für Frauen zugelassen, deren Eierstöcke und Gebärmutter entfernt wurden. Als eine Lusthilfe für Frauen gilt ein Testosteron-Gel, das auf die Klitoris verteilt wird. Hiervon halten jedoch die Experten wenig. Wirksam sei vermutlich in erster Linie eine manuelle Manipulation der Klitoris.
Schmerzpunkt an der Vagina
Als sexuelle Schmerzstörung wird die so genannte Vulvavestibulitis (VVS) betrachtet. Es gibt allerdings keine exakten Zahlen für diese Erkrankung. Es handelt sich um einen Schmerzpunkt, den die betroffenen Frauen im Genitalbereich zwar lokalisieren können, der aber optisch nicht erkennbar ist. Es wird angenommen, dass früher erlebte Schmerzen zu einer körperlichen Veränderung im Sinne eines Schmerzgedächtnisses führten. Die Behandlung ist zeitaufwendig und – da sich viele Frauen entmutigt zurückziehen – gilt es, Ihnen Mut zu machen, dass eine Hilfe möglich ist.
Autor/Quelle: Berufsverband der Frauenärzte e. V.

