Bakterien auf der Tastatur

Auf manchen Computer-Tastaturen tummeln sich mehr Keime als auf der heimischen Toilettenbrille. Dabei geht es nicht nur um harmlose Erreger. Eine regelmäßige Reinigung der Computertastatur und der Maus ist daher dringend anzuraten. Das britische Verbrauchermagazin "Which?" machte Anfang 2008 die Probe aufs Exempel und kam zu zum Teil erschreckenden Ergebnissen.

Tastatur gesundheitsgefährdend?

Manche Computertastatur zeigte sich bei der Untersuchung stärker mit Bakterien verseucht als eine ebenfalls untersuchte Klobrille und war damit potenziell ernsthaft gesundheitsgefährdend. Essen am PC, Staubpartikel und das Verzichten aufs Händewaschen nach dem Toilettenbesuch gelten als die wichtigsten Verursacher eines Bakterien-Biotops auf dem Keyboard.

Die britischen Verbraucherschützer nahmen gemeinsam mit einem Mikrobiologen mehr als 30 Tastaturen aus ihrem eigenen Büro unter die Lupe. Der Großteil bestand den Hygienetest, einzelne Tastaturen waren jedoch so stark mit Bakterien belastet, dass deren Benutzer von einer ernsten Magenverstimmung bedroht waren, sofern die Erreger über die Finger in den Organismus gelangten.

Ungereinigte Tastaturen

Vier Tastaturen fielen wegen Gesundheitsgefährdung glatt durch. Zwei davon hatten die Staphylokokken-Warnstufe weit überschritten, eine weitere Tastatur wies 150-mal so viele Keime auf wie zulässig. Diese Tastatur war fünfmal so bakterienverseucht wie ein ebenfalls untersuchter Toilettensitz und mit einem erhöhten Risiko für eine Lebensmittelvergiftung, Magenverstimmungen oder Durchfall behaftet.

Als größte Schmutz- und Bakterienquelle bei Tastaturen gelten Mahlzeiten, die direkt am Schreibtisch über der Tastatur eingenommen werden. Die zurückbleibenden Essensreste begünstigen das Wachstum der Keime, so das Magazin.

Potenzielle Gesundheitsgefährdung

Auch eine Stichprobe des Fernseh-Verbrauchermagazins "Markt" des WDR (Sendung vom 31.3.2008) hatte zuvor bereits einen Test gemacht und herausgefunden, dass PC-Tastaturen wahre Brutstätten für Bakterien sein können. Vor allem dort, wo viele Menschen eine Tastatur benutzen, zum Beispiel in Schulen, Büros oder Internetcafés, könnten sich über sie Krankheitserreger verbreiten, so die Verbraucherschützer. Gemeinsam mit Professor Hans-Jürgen Tietz vom Institut für Pilzkrankheiten (Berlin) untersuchte man 20 Tastaturproben aus Internetcafés und Büros. Ergebnis: 18 davon waren belastet.

Gefunden wurden Pfützenkeime, die resistent gegen viele Desinfektionsmittel sind und Infektionen auslösen können; Fäkalbakterien, von denen viele als Krankheitserreger bei Menschen bekannt sind (z. B. Escherichia coli); Eiterbakterien (z. B. Staphylococcus aureus), die beim Menschen zu Hautinfektionen (Furunkel) führen können sowie in einem Fall auch ein Nagelpilz.

Das TV-Magazin "Markt" und Professor Tietz gaben allerdings trotz ihrer Befunde grundsätzliche Entwarnung: Solange ausschließlich gesunde Menschen an den PCs arbeiten, werden sie durch diese Keime in der Regel nicht krank werden. Aber sie seien Keimträger und potenzielle Keimüberträger. Für Kranke, Geschwächte oder anfällige Personen könnte das dann zum Problem werden. Die sollten mit den Keimen besser nicht in Kontakt kommen.

Gefahr durch Tastaturen in Krankenhäusern

Seit Jahren haben in den Kliniken Computer z. B. zur Dokumentation Einzug gehalten – und damit potenzielle Gefahren vor allem für Kranke. In den Ritzen der Tastatur tummeln sich oft Keime, die wiederum von den Händen des Personals übertragen werden können.

Besonders fatal kann das auf den Intensivstationen sein, auf denen die Patienten oft schwer krank und damit auch abwehrgeschwächt sind. Außerdem bieten diverse Kanülen, Sonden und Katheter den Keimen einfache Zugangswege in den Körper. So zeigten amerikanische Wissenschaftler, dass auf der Tastatur zum Teil mehr Mikroorganismen hausen als auf anderen Gegenständen im Patientenzimmer und dass multiresistente Keime dort mehr als 24 Stunden überleben können.

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Tastatur reinigen – so gehts!

Zur Grundreinigung einer Tastatur (und Maus) eignet sich ein in Alkohol (oder Glasreiniger!) getränktes feuchtes Tuch, gegen Pilze hilft nur ein gutes Desinfektionsmittel. Im Fachhandel sind verschiedene Reinigungsutensilien zu erwerben, auch gibt es mittlerweile spezielle Hygiene-Tastaturen mit einer keimabtötenden, antibakteriellen Oberflächenbeschichtung.

Quellen:

  • Bures S, Fishbain JT, Uyehara CF, Parker JM, Berg BW. Computer keyboards and faucet handles as reservoirs of nosocomial pathogens in the intensive care unit. Am.J.Infect.Control 2000; 28: 465-71
  • Devine J, Cooke RP, Wright EP. Is methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) contamination of ward-based computer terminals a surrogate marker for nosocomial MRSA transmission and handwashing compliance? J.Hosp.Infect. 2001; 48: 72-5
  • Neely AN, Maley MP. Dealing with contaminated computer keyboards and microbial survival. Am.J.Infect.Control 2001; 29: 131-2
  • Noskin, G. A. Hospital computer keyboards and keyboard covers harbor potentially harmful bacteria. Hosp.Health Netw. 2005; 79[5], 81-82