Studieren: Krise zwischen Hörsaal und Mensa

Lockeres Studentenleben, Party machen ohne Ende? Von wegen! Wer einen guten Job will, muss heute schnell durchs Studium kommen, sollte mindestens ein Jahr im Ausland gelebt haben, super Noten und mehrere Praktika vorweisen können. Folgen des Leistungsdrucks: Selbstzweifel, Stress und Zukunftsängste sind an der Tagesordnung – und Depressionen sind mittlerweile genauso häufig wie fades Mensaessen.
Laut der 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks* hat nahezu jeder sechste Studierende psychische Probleme. Professionelle Hilfe holen sich in dieser Situation vor allem Frauen: Jede Fünfte nahm laut Studie eine Beratung in Anspruch. Auch eine Befragung der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster belegt diese Tendenz. Von 3.800 befragten Studenten gaben 22 Prozent an, dass psychische Probleme ihr Studium beeinträchtigen.
Grundsätzlich gibt es überproportional viele junge Menschen mit psychischen Erkrankungen. Das belegt der DAK-Gesundheitsreport**: Bei den Frauen ist die Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen besonders stark betroffen. Bei den Männern sind es vor allem die 15- bis 34-Jährigen. Von 1997 bis 2004 hat sich die Zahl hier teilweise sogar mehr als verdoppelt.
* Quelle: Deutsches Studentenwerk: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2003
** Quelle: DAK-Gesundheitsreport 2005.
Viel Stress für Kohle und Kontakte
Studenten weht derzeit ein rauer Wind ins Gesicht: Durch die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge können sie zwar schneller in den Beruf starten, müssen aber auch mehr Prüfungen in kürzerer Zeit bewältigen. In Kombination mit einem Nebenjob, der nicht nur Kohle sondern im Idealfall auch noch Kontakte bringt, ist der Stress häufig vorprogrammiert. "Studierende verfügen im Gegensatz zu jungen Berufstätigen in der Regel nicht über ein geregeltes Einkommen. Der Eintritt ins Erwachsenenleben verzögert sich", erklärt Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK. "Gleichzeitig müssen sie sich selbstständig in fremder Umgebung zurechtfinden. Der zunehmende Druck und die ungeklärte Situation erhöhen die Gefahr psychischer Probleme."
Alle Studenten auf die Couch?
"In den meisten Fällen ist Angst eine ganz normale Reaktion", betont DAK-Diplom-Psychologe Frank Meiners. "Lampenfieber gehört bei Prüfungen oder vor neuen Situationen häufig dazu. Wer aber besonders heftig auf die Situation reagiert, unter Atemnot, Schwindel oder dauerhafter Schlaflosigkeit leidet, sollte eine psychologische Beratungsstelle der Uni aufsuchen."
Tipps für ein entspannteres Studium
Raus aus dem Hamsterrad!
"Arbeiten Sie nicht einfach immer weiter – auch wenn das Pensum noch so groß erscheint", warnt DAK-Diplom-Psychologe Frank Meiners. "Achten Sie auf Signale Ihres Körpers. Nehmen Sie sich regelmäßig eine Auszeit und analysieren Sie Ihre Stressfallen. Habe ich mich rechtzeitig auf die Prüfung vorbereitet? Stimmt die Balance von Anspannung und Entspannung? Ist mein Zeitmanagement effektiv? Umso weniger fühlen Sie sich den Umständen hilflos ausgeliefert."
Lieblingsband statt Leistungsdruck
"Sorgen Sie für Abwechslung und eine positive Grundstimmung beim Lernen", rät der Experte. Hilfreicher, als mit dem sprichwörtlichen "P" in den Augen an die nächste Prüfung zu denken, ist es, sich zwischendurch bewusst zu entspannen und auf schöne Erlebnisse zu konzentrieren - wie etwa das Konzert der Lieblingsband am Wochenende oder die Feierabend-Verabredung mit der besten Freundin. So wird die Situation entschärft und der Stress kann ausgeglichen werden.
Futter fürs Gehirn
Brainfood - der Begriff ist neuerdings in aller Munde. So sollen Blaubeeren beispielsweise die Informationsübertragung zwischen den Neuronen anregen und Fettsäuren aus Hering, Lachs und Thunfisch die Bildung von wichtigen Botenstoffen im Gehirn fördern. Tatsache ist: Obst und frisches Gemüse sind in Stresssituationen besser als fettreiche Mahlzeiten, weil sie wichtige Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Ganz wichtig: Ausreichend trinken - am besten Wasser, Fruchtschorlen oder Kräutertee. Zwei Liter am Tag halten das Oberstübchen im Fluss.
Wecke den Yogi-Meister in dir!
Wer unter Druck steht, hält oft unbewusst den Atem an. Eine einfache Yoga-Übung sorgt für innere Ruhe und beruhigt den Atem: im Schneidersitz auf den Boden setzen, Rücken gerade aufrichten, das Kinn leicht zur Brust und die Schultern auseinander ziehen. Die Unterarme liegen locker auf den Oberschenkeln, die Handflächen zeigen nach oben. Atmen! Daumen-, Mittel- und Ringfingerspitzen unter ganz leichtem Druck zusammenlegen. Der kleine und der Zeigefinger bleiben gestreckt.
Goodbye Schweinehund! - Tipps zur Motivation
Wer viel sitzt – an der Uni und vor dem PC, braucht körperlichen Ausgleich. Regelmäßiges Ausdauertraining hilft beim Stressabbau. Was tun aber, wenn die abendliche Joggingrunde trotz aller guten Vorsätze immer wieder auf dem Sofa endet? – Keine Sorge, den inneren Schweinehund kann jeder überwinden!Zusammen mit der Universität Hamburg hat die DAK eine neue Motivationstechnik getestet. Über 300 Personen haben mitgemacht und ihr Ziel, sich mehr zu bewegen und gesünder zu ernähren erfolgreich umgesetzt. Im Herbst startet die DAK dazu ein bundesweites Kursprogramm. Die wichtigsten Grundsätze finden Sie hier:
1. Ziele festlegen
Finden Sie heraus, was für Sie wirklich zählt: Wollen Sie die Mädels im Seminar mit einem straffen Bizeps beeindrucken oder beim Hochschulsport keinen hochroten Kopf riskieren? Legen Sie mit dem Training erst los, wenn Sie genau wissen, was für Sie persönlich dahinter steckt. Dazu gehört auch, sich das Ziel in den schönsten Farben auszumalen.
Mein persönliches Ziel ……………………………………………………………
2. Hindernisse überwinden
Positives Denken allein genügt nicht. Räumen Sie frühzeitig mögliche Stolpersteine aus dem Weg: Nach einem Tag voller Vorlesungen ist Schokolade vor dem Fernseher verlockender als ein Gemüseteller? Alleine kochen ist langweilig? Verabreden Sie sich schon am Morgen mit Ihren WG-Mitgliedern zum Kochen. Mit einer solchen ganz persönlichen Strategie können Sie kleine Hindernisse einfach umschiffen.
Mein Hindernis …………………………………………………………………………
Meine Strategie ………………………………………………………………………
3. Dranbleiben
Wenn die nächste Klausur ansteht und die Zeit knapp wird, gehen die guten Vorsätze häufig flöten. Werfen Sie die neu gewonnene Routine nicht gleich über den Haufen, sondern planen Sie im Voraus: Verabreden Sie sich mit Kommilitonen zu einer Laufrunde, die Sie vom Schreibtisch loseist. Machen Sie anstelle des Besuchs im Fitness-Studio zuhause ein paar Gymnastikübungen. Hauptsache, Sie halten an Ihren guten Vorsätzen fest.
Was hält mich vom Training ab? ……………………………………………
Wie halte ich trotzdem durch? ……………………………………………………
Autor/Quelle: DAK
