Vom richtigen Umgang mit dem Chef

Sie gelten als rational, distanziert und formell, wirken oft schroff und sind wenig harmoniebedürftig: Deutsche Manager haben international nicht den besten Ruf. Doch nicht jeder Chef ist im Umgang mit seinen Mitarbeitern ein herzloser Antreiber. Zum Glück, denn das berufliche Umfeld bestimmt auch die Gesundheit am Arbeitsplatz. Eine kleine Typologie der unterschiedlichen Chef-Typen hilft, um am Arbeitsplatz entspannt und fit zu bleiben.

Gestresster Chef

Kennen Sie das: Ihr Chef hat nie Zeit und herzlich gelacht hat er das letzte Mal vor zwei Jahren bei seinem Einstand. Seine cholerischen Anfälle sind berüchtigt und sein Lieblingssatz lautet: "Bin ich denn nur von Idioten umgeben?" Ganz sicher, Ihr Vorgesetzter gehört in die Kategorie "gestresster Chef". "Die größte Schwierigkeit im Umgang mit einer solchen Führungskraft ist, dass Probleme nicht besprochen werden, weil der Chef ein solches Gespräch nur als Störung des Arbeitsablaufes empfindet", erklärt Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK. "Im Umgang mit einer solchen Führungskraft hilft nur, selbst Ruhe zu bewahren und möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten." Wer Nervosität und Unruhe zeigt oder gar selbst aufbraust, bringt den Vorgesetzten noch mehr in Rage.

Aufsteiger

Kaum einfacher ist der Umgang mit dem Typ "Aufsteiger". Diese Chefs möchten Karriere um jeden Preis machen und gehen dafür zur Not auch über (Kollegen-)Leichen. Dabei kommen diese Machtmenschen durchaus auch als "Freundin" oder "Kumpel" daher. Sie schätzen den internen Wettbewerb unter Mitarbeitern, um die richtige Karrierestimmung aufzubauen, sägen dann aber an den Stühlen von Mitstreitern, die selbst Ehrgeiz entwickeln und dem Aufsteiger zur Konkurrenz werden könnten. "Halten Sie in solchen Fällen lieber Abstand, arbeiten Sie korrekt und suchen Sie die Solidarität von Kollegen", rät DAK-Experte Meiners.

Kontroll-Freaks

Zuverlässig arbeiten, saubere Ergebnisse liefern und Abmachungen unbedingt einhalten hilft auch im Umgang mit so genannten "Kontroll-Freaks". Führungskräfte, die stets einen penibel aufgeräumten Schreibtisch haben und am liebsten alles selbst machen würden, sind zwar keine einfachen Zeitgenossen. Aber sie sind berechenbarer als etwa der Aufsteiger. "Ihnen geht es gut, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Mitarbeiter ihnen die wichtigen Entscheidungen überlassen. Halten Sie sich an die strukturierten Arbeitsabläufe und schließen Sie klare Zielvereinbarungen", erläutert Meiners. Probleme bekommen allerdings Beschäftigte, die neu anfangen, weil sie dem Kontrolleur als potenzieller Unsicherheitsfaktor gelten könnten, sowie Leute, die kreative Ideen haben und gern eigenverantwortlich arbeiten.

Antreiber

Manche Mitarbeiter haben mit Chefs vom Typ "Antreiber" zu tun. Wer bereitwillig Überstunden leistet und positive Statistiken, Umsätze- und Renditezahlen liefert, ist bald das beste Pferd im Stall. Aber aufgepasst: „Antreiber" erhöhen permanent das Arbeitstempo, weil sie unter enormen Erfolgsdruck stehen. Sätze wie: "Können Sie noch mal eben..." oder „Heute kann es spät werden" gehören bei ihnen zum Standard. Vor allem für Mitarbeiter, denen eine gewisse Routine fehlt, wird es so schnell schwierig, sich gegen die hohen Ansprüche abzugrenzen. "Wenn Sie spüren, dass Ihre Überforderung wächst, bitten Sie um ein sachliches Gespräch", rät Diplom-Psychologe Meiners. "Sie können sicher eine weniger wichtige Aufgabe abgeben, um die neue, anspruchsvollere erledigen zu können."

Kompetente

Stets ein offenes Ohr für Probleme jeder Art hat nur ein Chef-Typ: der "Kompetente". Er ist immer bemüht, zusammen mit den Mitarbeitern Lösungen zu finden. Kompetente Führungskräfte zeichnen sich durch hohes Fachwissen, soziales "Fingerspitzengefühl" sowie durch Offenheit aus.
Sie haben nicht nur die Arbeit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter im Blick, sondern sprechen auch häufig ein Lob aus. Von Ideen, die in einer kreativen Atmosphäre entstanden sind, lassen sie sich gern begeistern.