Doping im Sport - Auch Freizeitsportler helfen nach

Pralle Muskeln, breite Schultern, ein stahlharter Waschbrettbauch – davon träumen alle Männer, die ein Fitnessstudio besuchen. Leider entsteht eine Figur wie Arnold Schwarzeneggers Mister-Universum-Body nicht ohne hartes tägliches Training. Daher entscheiden sich häufig Männer dafür, mit Hilfe von Anabolika ihr Leistungsvermögen und ihr Aussehen zu verbessern.
Doping im Leistungssport ist ein Thema, das die Medien pünktlich zu allen großen Sportveranstaltungen wieder aufgreifen (müssen). Die Olympischen Spiele in Athen waren von Dopingskandalen reichlich getrübt. Insgesamt 23 Athleten sind vor oder während der Spiele des Dopings überführt worden. 13 von ihnen wurden nachträglich aus den Ergebnislisten gestrichen, auch sechs Medaillengewinner waren darunter. Doch längst hat Doping den Freizeitsport erreicht, die Zahlen lassen aufhorchen: Nach einer Studie der Universität Tübingen haben 13,5 Prozent der Besucher von Fitnessstudios mindestens einmal Leistung steigernde Anabolika genommen.
Anabolika
Der Ruhm, der schnellste Mann der Welt zu sein, dauerte nur zwei Tage: Der amerikanische 100-Meter-Sprinter Ben Johnson galt für kurze Zeit als schnellster Mann der Welt auf 100 Metern: bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 wurde bei ihm das Leistung steigernde Stanozolol nachgewiesen - ein Hormon der Anabolen Steroide, kurz Anabolika. Zu ihnen gehören Testosteron, das männliche Geschlechtshormon, aber auch künstlich hergestellte Anabolika wie Johnsons Stanozolol und Nandrolon, die dem Testosteron sehr ähnlich sind.
Obwohl bereits 1976 verboten sind Anabolika seitdem die Gruppe der am häufigsten verwendeten Dopingsubstanzen. Anabolika wirken "anabol" und "androgen". Anabol bedeutet allgemein aufbauend (also Muskelmasse, Kraft), androgen bedeutet eine geschlechtsspezifische, vermännlichende Wirkung.
Gefährliche Nebenwirkungen
Schon in den 1950er Jahren wurde die Muskel bildende Wirkung des männlichen Sexualhormons Testosteron von Hochleistungssportlern für die Verbesserung ihrer Wettkampfchancen entdeckt. Testosteron baut Eiweiß auf, so wachsen die Muskeln. Es bewirkt, dass die roten Blutkörperchen sich vermehren, so verbessert sich der Sauerstofftransport, die Leistungsfähigkeit erhöht sich.
Anabolika haben reichlich Nebenwirkungen: Männer bekommen Haarausfall, sie entwickeln Brüste, die Hoden schrumpfen, die Anzahl der Spermien verringert sich, nicht wenige Anabolika-Konsumenten sind zeugungsunfähig. Außerdem können Tumore in der Leber entstehen.
Ein weiteres markantes äußeres Zeichen des "Freizeitsport-Dopings" ist die Akne, die sich bei fast jedem zweiten Konsumenten entwickelt. Frauen hingegen bekommen eine tiefere Stimme oder einen kräftigen Bart- und Körperhaarwuchs. Das Herz vergrößert sich – die Arterien hingegen nicht. Das kann zum Herzinfarkt führen durch Unterversorgung des Herzmuskels, und zur Arteriosklerose durch Ablagerungen in den Blutgefäßen. Mike Mentzer, Mister Olympia 1979, und sein Bruder Ray, ebenfalls Bodybuilder, starben an den Spätfolgen ihres Dopings mit anabolen Steroiden – die offizielle Todesursache hieß: Verkalkung der Herzgefäße.
Weitere Dopingsubstanzen
Im August 2005 warnte der Heidelberger Doping-Analytiker und Molekularbiologe Werner Franke in der Ärztezeitung vor einem zunehmenden Missbrauch von Anabolika und Medikamenten auch im Freizeitsport. Vor allem aus China gelangten zunehmend Dopingpräparate auf den deutschen und europäischen Markt, sagte Franke. Ein anderes Beispiel für den Missbrauch sei der florierende Handel mit meist aus den Niederlanden importierten Präparaten. Auch Wachstumshormone seien auf dem Markt, die häufig aus den Baltikumstaaten kämen. Eine so genannte "Kur" mit Wachstumshormonen koste bis zu 7.000 Euro.
Neben den Anabolika gibt es eine hohe Zahl an Dopingmittel mit unterschiedlichen Wirkungen und gefährlichen Begleiterscheinungen. Viele von ihnen werden bei Krankheiten eingesetzt und sind ganz "normale" Medikamente. Stimulanzien wie Amphetamin zum Beispiel (es wurde ursprünglich bei Asthma bronchiale eingesetzt) wirken der Müdigkeit entgegen - mit dem Effekt, dass es zum völligen Kreislaufversagen kommen kann, da der Sportler "bis zum Umfallen" weitermacht. Eine weitere Substanz ist Epehdrin, eine Substanz, die sich auch in vielen Grippemitteln findet. Ephedrin stimuliert den Kreislauf und hemmt den Appetit - und führt zu Herzklopfen, Unruhe und Schlafproblemen. Weitere gefährliche Nebenwirkungen sind Schwindel oder Herzrhythmusstörungen bis hin zu Herzinfarkten; bei Überdosierung gar Verwirrungen und Verfolgungswahn.
Wachstumshormone ("Human Growth Hormone" – HGH) werden vom Körper gebildet – Jugendliche produzieren es vermehrt. Therapeutisch setzt man es gegen Zwergenwuchs ein. Es setzt vor allem Energie frei. Leider führt es auch zu anomalem Wachstum von Knochen und inneren Organen, zu einer Vergrößerung der Herzmuskelfaser bei Verringerung der Kapillardichte und fördert so das Herzinfarktrisiko.
Narkotika wie Opium oder Morphium werden gegen Schmerz verschrieben – aber diese Stoffe machen abhängig. Diuretika sorgen dafür, dass Wasser aus dem Körper geschwemmt wird - Bluthochdruckpatienten bekommen sie häufig verschrieben. Man verliert so Einiges an Gewicht. Dies nutzen gerne Sportler, um z.B. in einer niedrigeren Gewichtsklasse zu starten. Neben einem Blutdruckabfall werden mit dem Wasser aber auch wichtige Elektrolyte wie Magnesium ausgeschieden. Es kann deshalb zu schweren Störungen des Elektrolyt-Haushaltes kommen bis hin zu Herzrhythmusstörungen.
Blutdoping durch Transfusion von Eigen- oder Fremdblut ist eine Methode zur künstlichen Erhöhung der roten Blutzellen. An das Hämoglobin der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) binden in der Lunge Sauerstoffmoleküle, sodass ein Mehr an Hämoglobin zu einer verbesserten Sauerstoffaufnahme führt. Damit nimmt die Ausdauerfähigkeit zu. Bei der Transfusion besteht Infektionsgefahr von Fremdblut. Seit 1988 gibt es das gentechnisch hergestellte Blutdopingmittel Erythropoietin (EPO), ähnlich wie bei der Bluttransfusion wird die Zahl der roten Blutkörperchen vermehrt wird. EPO-Missbrauch kann zum Tod führen, denn es kommt zu einer Verdickung des Blutes und damit zu einer erhöhten Gefahr für Thrombosen, Kollaps und Infarkt.
Auch Nahrungsergänzungsmittel in Verruf
Manchmal ist Doping ungewollt: wenn nämlich Sportler die so beliebten Nahrungsergänzungsmittel (NEM) zu sich nehmen. Diese Produkte versprechen pralle Muskeln, und sind seit einigen Jahren ein großes Problem. Sie enthalten Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme, Fettsäuren, Aminosäuren, Antioxidantien - und Hormone. Wie der Landessportverband Baden-Württemberg berichtet konnten Studien zeigen, dass auch in Deutschland vertriebene Nahrungsergänzungsmittel zu mehr als zehn Prozent Verunreinigungen mit anabolen Steroiden bzw. deren Vorläufersubstanzen, so genannten Prohormonen aufweisen. Athleten wie Freizeitsportlern wird geraten, nicht wahllos NEM zu verzehren. Im Übrigen sollten nur Produkte verwendet werden, bei denen der Hersteller garantiert, dass keine im Sport verbotenen Substanzen enthalten sind. Allerdings: eine einhundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.
Deutlicher noch warnt die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) vor Nahrungsergänzungsmitteln. Nach Untersuchungen des Institutes für Biochemie, Deutsche Sporthochschule Köln, wiesen von 634 NEM 94 (14,8 Prozent) positive Befunde für verbotene anabol-androgene Steroide (Prohormone) auf, die nicht auf der Packung deklariert waren. Die positiven NEM stammten von Firmen aus den USA, Niederlande, Großbritannien, Italien und Deutschland. Ausländische Präparate z. B. unter den Namen Chrysin, Guarana, Tribulus Terrestis können dem Dopingverbot unterliegende Wirkstoffe enthalten. Bei asiatischen Tees muss auf Beimengungen von Ephedrin geachtet werden.
Autor/Quelle: bo
