Umfrage: Wie schweigsam ist Ihr Arzt?

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Datenschutz­Praxis
Beitrag vom 28.01.2012
16:21 Uhr

Umfrage: Wie schweigsam ist Ihr Arzt?


Hallo liebe Freunde der Gesundheit,


trotz der vielen Möglichkeiten, sich heutzutage im Internet mit Erfahrungsberichten und teils mehr, teils weniger fachkundlichen Ratschlägen zu den eigenen kleinen oder größeren Wehwehchen zu versorgen, geht sicherlich jede/r von Ihnen immer noch oft genug zum Haus- oder Facharzt des Vertrauens in die Praxis. Und mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit haben auch Sie schon einmal mehr als nur fünf Minuten in einem Wartezimmer gesessen, am Anmeldetresen auf Rezepte oder das Kassenkärtchen gewartet und sind von einem Untersuchungszimmer ins nächste gewandert.


Gerade bei Allgemeinärzten kann sich zu Stoßzeiten und in akuten Fällen eine lange Schlange bilden, dann brauchen Sie Geduld, etwas zu lesen oder einen Bekannten, der Sie unterhält. Manchmal reicht es allerdings auch schon aus, einen günstigen Sitzplatz zu ergattern, zum Beispiel genau zwischen Anmeldung und Sprechzimmer, wobei sich beide im besten Fall in Sicht- und Hörweite befinden.


Sie werden es aus eigener Erfahrung bestätigen können: Wer erst einmal solch eine Position eingenommen hat, der kann die zwei Monate alte Ausgabe des "Spiegel" und die Info-Broschüre über Karies trotz ihrer mitreißenden Bebilderung getrost beiseite legen. Denn wenn die Praxis brummt, dann mangelt es nicht an Unterhaltung. Patient A, gerade schnaufend das Treppenhaus überwunden, berichtet seiner Begleitung und dem gesamten Wartezimmer mit der Feinfühligkeit einer Kreissäge - und in etwa ebenso laut - über sein kaputtes Knie. Währenddessen versucht die Arzthelferin B verzweifelt, drei Versicherten-Kärtchen, sieben Rezepte und den Telefonhörer in einer Hand zu halten, während sie mit ihrer Kollegin C bespricht, wer von den Wartenden gleich welche Untersuchung bekommen soll. Arzt D, der seine beiden Helferinnen gerade dringend zur Ausstellung einiger Überweisungen für die Patienten E-G bräuchte, allerdings niemanden entdecken kann, verkündet seine Anliegen kurzerhand lautstark vom hintersten Sprechzimmer aus bis vor zur Rezeption. Die hellhörigen Herren H und I, die nun seit gut 20 Minuten in den beiden anderen Sprechzimmern auf ihren Termin warten, werden es ihm danken. Endlich bekommen sie auch mal etwas mit und Gott sei Dank stehen hier alle Türen so weit offen.

Aber zurück zur völlig überlasteten "Empfangsdame" B. Inzwischen ist die Schlange vor dem Tresen so lang, dass sie bis vor das Gebäude reicht. Wer also nicht sowieso schon seit vielen Wochen einen Termin ausgemacht hat, sondern mit der absurden Hoffnung auftritt, er oder sie könne doch bestimmt noch irgendwo "dazwischen geschoben" werden, der wird von B auf mindestens eine (also: eher zwei oder drei) Stunden Wartezeit hingewiesen, und das auch nur, wenn er oder sie vorher (also: hier und jetzt) ordentlich begründen kann, warum der Herr Doktor unbedingt heute Zeit haben muss und worum es überhaupt geht. Gleichzeitig versucht B, Herrn K, der mittlerweile seit über 7 Minuten in der Leitung an ihrem linken Ohr auf eine Reaktion wartet, telefonisch über seine Medikamentendosis und weitere Behandlung zu informieren. Weil K aber einerseits überverhältnismäßig undeutlich spricht und es in der Praxis inzwischen sowieso beinahe so laut ist wie in einem Bierzelt, muss B entsprechend zurückbrüllen und einige Aussagen des K mit der Bitte um Bestätigung laut wiederholen.


Diese Geschichte liese sich noch einige Zeit lang fortführen, aber die haben weder Sie noch ich. Wofür ich mit dieser streckenweise überspitzten, aber im Kern doch wahren Situationsbeschreibung sensibilisieren möchte, ist folgendes: Es kommt im Alltag vor, dass die Sache mit dem Datenschutz beim Arzt und dessen Schweigepflicht gleich mit ins Wanken geraten. Weder sollten Sie an der Anmeldung dazu aufgefordert werden, Ihre konkreten Symptome oder persönlichen Daten laut zu nennen, noch Telefongespräche der Arzthelferinnen mit anderen Patienten mithören dürfen. Auch die Kommunikation zwischen Arzt und Personal sollte weitestgehend abseits des Wartebereiches stattfinden, von dem aus man seinerseits die Anmeldung weder sehen, noch die dort stattfindenden Gespräche mitbekommen sollte.


Leider Gottes wird dem in deutschen Arztpraxen nur sehr selten in aller Konsequenz Rechnung getragen, aus verschiedenen Gründen. Mal ist die Praxis zu klein, mal der Ansturm zu groß, die Logistik zu kompliziert oder man vertraut auf das Verständnis des Patienten. Gespräche mit Patienten, Anwälten und Ärzten haben jedenfalls ergeben, dass diese Situationen bekannt, aus datenschutzrechtlicher Perspektive nicht begrüßenswert, aber oft nicht zu vermeiden sind. Außerdem beschwert sich im Prinzip auch niemand öffentlich darüber.


In Vorbereitung eines universitären Vortrags, der das Thema "Datenschutz in der Arztpraxis" als solches umreißen, seine Dimensionen erörtern und die Zuhörer (mehrheitlich Studenten) für rechtliche und gesellschaftliche Hintergründe sensibilisieren soll, führe ich eine Online-Umfrage durch. Sie werden gefragt, ob Sie selbst auch schon Erlebnisse hatten, die meine Geschichte über die fiktive Praxis des Arztes D belegen, und wie Sie dazu stehen.


Als ebenfalls erfahrener Arztgänger, der die Gefahren und Komplexität dieser als mitunter höchst privat bzw. intim einzustufenden Situationen erkannt und mehrfach miterlebt hat, freue ich mich über jede/n, der sich zwei Minuten (versprochen) Zeit nimmt, an der Befragung teilzunehmen.


Und hier gehts zur Umfrage:

www.surveymonkey.com/s/BC8Z92S


Beste Grüße an Sie alle,

Fabian W.


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