Allergien bei Säuglingen und Kleinkindern

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Allergien noch eine Seltenheit, heutzutage sind sie jedoch zu einer echten Volkskrankheit geworden und – Allergien sind weiter auf dem Vormarsch. Inzwischen erkranken auch immer mehr Kinder an Allergien. Bereits bei der Einschulung leiden 10 - 15% der Kinder heute an Neurodermitis und 25 - 30% an einer Pollenallergie. 40% der kleinen Allergiker entwickeln bei fehlender oder mangelnder ärztlicher Betreuung in späteren Lebensjahren ein allergisches Asthma.

Allergien im Kindesalter bleiben oft zu lange unerkannt. Mit einer frühen Diagnose und entsprechend gezielter Behandlung lassen sich viele Allergien gut kontrollieren und den weiteren Erkrankungsverlauf günstig beeinflussen. Der frühe Arztbesuch bei entsprechenden Symptomen ist deshalb besonders bei kleinen Kindern wichtig. Werden Allergien nicht erkannt oder ungenügend behandelt, sind die Kinder in ihrer Entwicklung und in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt.

Wer ist gefährdet?

Ein großer Risikofaktor ist zweifellos die genetische Veranlagung. Haben beide Eltern Allergien, liegt das Allergierisiko der Kinder bei über 30%; ist nur ein Elternteil betroffen, liegt das Risiko immerhin noch bei 20%. Aber: Nicht jeder der genetisch vorbelastet ist, muss auch zwangsläufig zum Allergiker werden.

Umgekehrt entwickeln etwa 15% aller Kinder, die nicht genetisch vorbelastet sind, trotzdem Allergien. Der Grund: Bei der Entstehung von allergischen Erkrankungen spielen neben der Vererbung auch der Lebensstil und die Umwelt eine große Rolle.

Warum nehmen Allergien zu?

Die Gründe sind noch nicht definitiv geklärt. Offensichtlich ist aber, dass in Industrieländern mit hohem Lebensstandard auch die Allergien auf dem Vormarsch sind. Dazu tragen insbesondere ein Übermaß an Hygienemaßnahmen rund ums Kind bzw. der häufige Einsatz von Desinfektionsmitteln bei.

Allergiekarriere

Im Säuglingsalter ist es die Neurodermitis, die von Nahrungsmitteln beeinflusst werden kann, namentlich von Kuhmilch und Hühnereiweiß. Ab zwei Jahren - bei Abklingen der Neurodermitis - können sich bei etwa der Hälfte der Betroffenen erste Asthma-Symptome bemerkbar machen. Auslöser sind nun - neben viralen Infekten – die so genannten Inhalationsallergene, typischerweise Milben oder Tierhaare. Im Schulalter kommt sehr oft noch eine Pollenallergie hinzu.

Dieser typische zeitliche Ablauf ist unter dem Namen Allergiekarriere oder allergischer Marsch, in der englischsprachigen Literatur als "allergic march" oder "atopic march", bekannt. Im Umkehrschluss heißt dies jedoch nicht, dass alle Kinder mit Neurodermitis später an Asthma oder Heuschnupfen erkranken.

Empfehlungen zur Vorbeugung

Risikokinder sind Kinder, deren Eltern und Geschwister Allergien haben und die somit eine erbliche Veranlagung haben. Wenn Personen, die eine erbliche Veranlagung haben, häufig mit Allergenen in Berührung kommen, so kann die allergische Erkrankung viel einfacher und früher ausbrechen als bei Menschen ohne diese Veranlagung. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Allergie kommt, steigt bei Risikokindern umso stärker, je weniger vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.

Rauchen: Während und nach der Schwangerschaft für eine rauchfreie Umgebung sorgen und auf das Rauchen verzichten. Zigarettenrauch verstärkt allergische Reaktionen und erhöht das Risiko für Allergien sowohl bei Erwachsenen wie auch bei Kindern erheblich. Eine Frau, die während ihrer Schwangerschaft raucht, erhöht das Allergierisiko des Kindes auf das Achtfache.

Stillen: In den ersten Lebensmonaten (4 – 6 Monate) sollten Kinder ausschließlich gestillt werden. Für die Stillende wird eine ausgewogene Ernährung empfohlen, spezielle Diäten sind nicht notwendig.

Beikost: Wenn vollständiges Stillen nicht möglich ist, so sollte nur allergenarme, so genannte hypoallergene Säuglingsnahrung gegeben werden. Die Einführung von Beikost empfiehlt sich erst nach dem 6. Monat. Dabei ist zu beachten, dass immer nur ein neues Lebensmittel pro Woche eingeführt wird.

Diäten sind ohne den Nachweis einer Allergie abzulehnen, da sie für Kinder und Eltern nur unnötig Stress bedeuten. Nahrungsmittel mit hohem Allergierisiko wie frische Kuhmilch, Eier, Fisch, Nüsse, Tomaten, Zitrusfrüchte, Soja, Schokolade, Sellerie und Weizenmehl sollten dagegen im ganzen 1. Lebensjahr generell nicht gegeben werden.

Haustiere: Die frühere, generelle Empfehlung amerikanischer Allergologen, Katzen komplett aus dem Haushalt zu verbannen, ist inzwischen relativiert worden. Allerdings empfiehlt es sich den frühen Kontakt zu Tierhaaren zu vermeiden. Dies betrifft insbesondere Haustiere wie Katzen, Hunde oder Meerschweinchen.

Hausstaubmilbe: Die Hausstaubmilbe stellt nach wie vor das häufigste Allergen in Innenräumen dar. Deshalb sollten Maßnahmen getroffen werden, die Hausstaubmilbe weitgehend aus Räumen zu verbannen, dies gilt in besonderem Maße für den Schlafbereich.

Impfungen: Impfungen gegen Keuchhusten, Tetanus, Diphtherie und Masern reduzieren das Risiko für Allergien. Experten fordern deshalb, Risikokinder konsequent gemäß der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO zu impfen.

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Fazit

Um einer Allergikerkarriere rechtzeitig vorzubeugen, ist es sinnvoll, schon in den ersten Lebensmonaten auf Faktoren zu achten, die Allergien begünstigen können. Vorsorgliche Maßnahmen können dazu beitragen die Risiken für die Entwicklung von Allergien im späteren Leben zu verringern.