Augenlaser und andere moderne Methoden

Bereits um das Jahr 1000 kam ein arabischer Gelehrter auf den Gedanken, das Auge mittels optischer Linsen zu unterstützen. Um 1240 setzten Mönche diese Idee in die Tat um – die Geburtsstunde der Brille. Über Jahrhunderte war sie die einzige Möglichkeit, Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Doch in den letzten Jahren hat sie Konkurrenz bekommen.

Mit Brillen und Kunststoffkontaktlinsen lassen sich Anomalien der Brechkraft der Augen ausgleichen – Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Stabsichtigkeit (Astigmatismus) infolge einer Hornhautverkrümmung.


Ähnlich wie bei einer Prothese an Arm oder Bein ermöglichen diese Hilfsmittel eine mehr oder weniger normale Funktion – aber nur für die Tragedauer. Seit einigen Jahren gibt es auch die Möglichkeit, Fehlsichtigkeit mittels verschiedener operativer Eingriffe dauerhaft zu korrigieren. Dieses Teilgebiet der Augenheilkunde wird als "Refraktive Chirurgie" bezeichnet.

Dem Vorteil, nach dem Eingriff keine lästigen Hilfsmittel mehr zu benötigen, stehen auch Nachteile und Risiken gegenüber. Eine gründliche Untersuchung, gute Beratung und das sorgfältige Abwägen aller Punkte sind deshalb vor der Entscheidung zu einer Operation unabdingbar. Allerdings haben in den letzten Jahren Eingriffe der refraktiven Chirurgie massiv zugenommen – weltweit wurden Laserbehandlungen am Auge mittlerweile rund 50 Millionen Mal durchgeführt und gehören damit zu den häufigsten Operationen überhaupt. Das bedeutet, dass auch die Erfahrungen zahlreicher und Methoden & Instrumente ausgereifter sind, was die individuelle Risikoabschätzung erleichtert und Eingriffe insgesamt sicherer macht.

Operative Verfahren im Überblick

Prinzipiell lassen sich zur Wiederherstellung der Normalsichtigkeit Laserverfahren an der Hornhaut und Implantationen an der Linse vornehmen. Welches Verfahren angewendet wird, hängt von Art und Stärke der Fehlsichtigkeit ab. Bei geringeren Beeinträchtigungen werden Lasertherapien an der Hornhaut durchgeführt, bei stärkerer Fehlsichtigkeit bieten sich Operationen an der Linse an, evtl. in Kombination mit einer Lasertherapie der Hornhaut.

Laserchirurgie an der Hornhaut. Im Folgenden eine Auflistung der Laserverfahren der Hornhaut, die am häufigsten zum Einsatz kommen.

  • LASIK (Laser in situ Keratimileusis): Dieses Verfahren ist seit 1994 im Einsatz und wird am häufigsten angewendet Dabei wird eine dünne Hornhautlamelle (Flap) abgehoben – per Mikrokeratom oder mittlerweile häufig per Femto-Sekundenlaser. Auf der darunter liegenden Hornhautoberfläche werden zur Korrektur der Kurzsichtigkeit mittels Excimer-Lasers einzelne Bereiche verdampft. Im Anschluss wird die Hornhautlamelle wieder auf ihren ursprünglichen Platz zurückgelegt. Sie wächst von selbst wieder an.
  • PRK (photoablative refraktive Keratektomie): Dies ist das älteste Verfahren, bei dem die Hornhaut mit einem Excimer-Laser abgeschliffen wird. Da hierbei die oberste Schicht der Hornhaut mechanisch entfernt wird, ist die Oberflächenwunde größer als bei der LASIK. Deshalb ist der Eingriff meist schmerzhafter und die Heilung dauert etwas länger. Vorteil: Falls Komplikationen auftretenind sie weniger schwer als bei der LASIK.
  • LASEK und Epi-LASIK sind Sonderformen der PRK, bei denen die obere Hornhautschicht anders abgehoben wird. Sie vereinigen die Vorteile der PRK (leichtere Komplikationen) und LASEK (schnelle Heilung).

Derzeit gibt es vier Möglichkeiten, wie die Hornhaut vermessen und behandelt wird, um die Fehlsichtigkeit maßgeschneidert zu beseitigen (wellenfront-optimiert, wellenfront-geführt, topografie-geführt, Q-Wert-optimiert).

Linsenchirurgie. Auch die refraktive Linsenchirurgie wird bereits seit Jahren eingesetzt. Diese Form des Vorgehens wird dann genutzt, wenn es Gründe gegen das Laserverfahren der Hornhaut gibt. Dies gilt insbesondere bei höhergradiger Fehlsichtigkeit (ab –10 Dioptrien = dpt bei Kurzsichtigkeit und +4 dpt bei Weitsichtigkeit).

  • Phake Linse: Dies ist eine Art Kontaktlinse, die zusätzlich zur eigenen Linse ins Auge eingepflanzt wird. Dieses Verfahren wird vor allem bei jungen Menschen eingesetzt: in die vordere Augenkammer, also zwischen Hornhaut und Iris (Artisan-Linse) oder in die hintere Augenkammer, also zwischen Iris und körpereigene Linse (implantierbare Kontaktlinse = ICL)
  • Clear Lens Exchange: Bei älteren Menschen (ab 45) oder bei sehr starker Kurzsichtigkeit (> –20 dpt), wird die eigene Linse durch die Kunstlinse ersetzt. Das hat den Nachteil, dass das Auge dadurch seine Fähigkeit des Einstellens auf verschiedene Entfernungen (Akkomodation) verliert.

Welches Verfahren wann?

Hier ein Überblick, wann welches Verfahren meist eingesetzt wird – dies sind allerdings nur Richtwerte, die im Einzelfall überprüft und ggf. modifiziert werden.

Kurzsichtigkeit (Myopie)
  • Geringer, stabile Kurzsichtigkeit (bis –3 dpt) und fehlende Hornhautverkrümmung: Hornhautimplantat (Intrastromaler Cornealer Ring = ICR), ein sehr dünnes bogenförmiges Kunststoffteil, das am Rand der Hornhaut eingesetzt wird (und gewechselt werden kann).
  • Mittlere Kurzsichtigkeit: LASIK bis –10 dpt, PRK bis –6 dpt
  • Stärkere Kurzsichtigkeit (–10 bis –20 dpt): Phake Linse
  • Starke Kurzsichtigkeit (ab –20 dpt): kompletter Linsenersatz (Clear Lens Exchange)
Weitsichtigkeit (Hyperopie)
  • Geringe Weitsichtigkeit (bis +4 dpt): LASIK
  • Mittlere Hyperopie: Phake Linse
  • tärkere Hyperopie (ab +8 dpt): kompletter Linsenersatz
Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)
  • Geringe Hornhautverkrümmung (bis 3 (5) dpt): LASIK, PRK
  • Stärkere Form (ab 3 dpt): astigmatische Keratotomie (AK), bei der die Verkrümmung durch kleine bogenförmige Schnitte vermindert wird; auch kompletter Linsenersatz möglich

Wer ist geeignet?

Prinzipiell müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit der Betroffene überhaupt für eine dieser Operationen infrage kommt: Die Sehkraft darf sich in den Monaten vorher nicht mehr verändert haben, der Patient sollte 18 Jahre alt sein. Andere Augenkrankheiten, bestimmte Allgemeinerkrankungen z. B. des Immunsystems, Medikamente oder Allergien können gegen eine Operation sprechen.

Die Operationsergebnisse hängen von Ausmaß und Art der Fehlsichtigkeit ab. Sie sind besser je geringer die Fehlsichtigkeit ist, bei Kurzsichtigkeit besser als bei Weitsichtigkeit und eine Hornhautverkrümmung beeinträchtigt den Erfolg.

Wie ist der Ablauf?

Viele Fachkliniken bieten Informationsabende an, danach kann man einen individuellen Termin mit ausführlicher Beratung und ersten Untersuchungen vereinbaren. Dabei wird festgestellt, ob überhaupt eines und welches der Verfahren geeignet ist. Es schließen sich genaue Vorunteruntersuchungen der Augen an. In der Regel wird erst ein Auge operiert und gewartet, bis sich dessen Sehkraft wieder normalisiert hat. Erst dann folgt das andere Auge. in manchen Fällen (v.a. sog. Monovision bei Alterssichtigkeit) wird das Operationsergebnis vorher mit Kontaktlinsen simuliert, um zu prüfen, ob es individuell verträglich ist.

Mehrere Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um den Heilungsverlauf zu beurteilen. Bedeutsam ist auch, dass der Betroffene sich streng an die verordneten Therapierichtlinien hält. Die Kosten werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Für die eigentliche Operation kann man pro Auge 1200 bis 2500 Euro veranschlagen; darin enthalten sind die Kosten für Vor- und Nachuntersuchungen und die evtl. nötige Feinkorrektur innerhalb von 12 Monaten nach dem Eingriff.

Welche Risiken birgt die refraktive Chirurgie?

Wie jeder operative Eingriff bergen auch diese Verfahren Risiken – über deren Wahrscheinlichkeit streitet sich die Fachwelt allerdings. Es kann zu Infektionen, Bildverzerrungen und erhöhter Blendungsempfindlichkeit kommen. Auch Über-, Unter- und Fehlkorrekturen treten auf, und nicht alle können durch einen zweiten Eingriff behoben werden. Insbesondere das Sehvermögen bei Dämmerung und Nacht wird häufig beeinträchtigt.

Als sehr gering wird die Gefahr der Erblindung eingeschätzt. Es ist sehr wichtig, sich die eigene Motivation zu überlegen, sich kritisch mit den Methoden auseinanderzusetzen und Rat von unabhängigen Fachärzten einzuholen – wenn nötig auch von mehreren. Übrigens: Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch bei einer erfolgreichen Operation aufgrund der Alterssichtigkeit ab ca. 45–50 Jahren eine Brille getragen werden muss.

Ob man sich auf das Wagnis einer Augenoperation im Ausland einlassen will, muss man ebenfalls selbst entscheiden. Diese Eingriffe sind in der Regel um einiges günstiger, allerdings mit Reisekosten und möglichen Unwägbarkeiten und Risiken behaftet. Im Internet findet sich einige Foren, in denen das Thema des „LASIK-Tourismus“ diskutiert wird.






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