Augentrockenheit (Sicca-Syndrom)

Juckreiz, Brennen, verschwommene Sicht – Augentrockenheit ist eine Erkrankung mit Symptomen, die den Alltag für viele Betroffene zur Qual werden lassen. Das muss nicht sein, denn richtig behandelt lassen sich die Symptome einer Augentrockenheit gut lindern. Wer einmal ein Sandkorn oder Rauch in die Augen bekommen hat, kann in etwa nachempfinden, wie unangenehm es sich anfühlt, wenn man unter dem so genannten Sicca-Syndrom leidet: Die Augen brennen und jucken und sind oft stark gerötet. Häufig ermüden sie zudem schnell, sind verklebt und reagieren überempfindlich auf Licht. Und obwohl die Erkrankung umgangssprachlich „Trockenes Auge“ genannt wird, ist das Gegenteil der Fall: Die Augen tränen verstärkt.

Trockene Augen: Augentrockenheit weit verbreitet

Etwa jeder fünfte Patient, der heutzutage eine Augenarztpraxis aufsucht, leidet unter einer Augentrockenheit. Die meisten von ihnen sind Frauen im mittleren Lebensalter. Das Sicca-Syndrom zählt damit zu den häufigsten Erkrankungen unserer Sehorgane. Die Beschwerden entstehen, wenn Hornhaut und Bindehaut der Augen nicht mehr ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt sind. Die Gründe dafür können etwa eine zu geringe Produktion von Tränenflüssigkeit, aber auch eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms sein. Dieser dünne Flüssigkeitsfilm, der mit jedem Lidschlag gleichmäßig auf dem Auge verteilt wird, schützt unser Sehorgan normalerweise vor Fremdkörpern wie beispielsweise Staub und sorgt dafür, dass keine Viren und Bakterien in das Auge eindringen können. Außerdem ernährt er die Hornhaut und versorgt sie mit Sauerstoff. Ist die Befeuchtung nicht mehr gewährleistet, kann das zu Infektionen, Allergien, Entzündungen und vor allem zu den Symptomen von Augentrockenheit führen.

Ursachen einer Augentrockenheit

Warum es zu Störungen des empfindlichen Schutzfilms kommt, kann verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten Auslösern zählen Umwelteinflüsse wie trockene Heizungsluft oder Zugluft durch Klimaanlagen, hohe Ozonwerte, Staub, Lösungsmitteldämpfe, aber auch das Tragen von Kontaktlinsen oder zu lange Bildschirmtätigkeit. Denn durch das Arbeiten am Computer verringert sich die Häufigkeit des Lidschlags, und das kann zu einer unregelmäßigen Befeuchtung der Horn- und Bindehaut führen. Aber auch Hormonumstellungen in den Wechseljahren oder andere Grunderkrankungen wie etwa Diabetes, Rheuma oder Störungen der Schilddrüsenfunktion kommen als Ursache infrage. Und schließlich können auch Medikamente wie die Anti-Baby-Pille, Betablocker oder Schlafmittel sowie die verminderte Produktion von Tränenflüssigkeit im Alter eine Rolle spielen.

Augentrockenheit von Arzt abklären lassen

Gerade weil Augentrockenheit so unterschiedliche Ursachen haben kann, sollte man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern durch einen Arzt abklären lassen. Hinzu kommt, dass die Erkrankung nicht nur lästig und schmerzhaft ist, sondern unbehandelt auch zu dauerhaften Schäden an Horn- und Bindehaut führen kann – in schweren Fällen bis hin zur kompletten Hornhauttrübung und somit zur Erblindung. Ob eine Benetzungsstörung der Augen vorliegt, kann der Augenarzt mithilfe verschiedener, für den Patienten schmerzfreier Tests feststellen. Zunächst wird er mit einer so genannten Spaltlampe, also unter Vergrößerung, die Horn- und Bindehaut sowie einzelne Schichten des vorderen Auges bis hin zur Linse untersuchen. Rötungen der Bindehaut sowie Trübungen der Hornhaut lassen sich hierbei bereits erkennen. Kleine Schäden werden durch farbige Tropfen sichtbar. In weiteren Untersuchungen können schließlich die Menge und die Zusammensetzung des Tränenfilms beurteilt werden. Die Untersuchung des Tränenfilms (BUT-Bestimmung) erfolgt mithilfe eines Farbstoffs, der im Auge verteilt wird. Anschließend wird ermittelt, nach wie vielen Sekunden der schützende Tränenfilm bei geöffnetem Auge aufreißt. Die Menge der Tränenflüssigkeit wird anhand des „Schirmer-Tests“ ermittelt. Hierfür wird ein kleiner Papierstreifen für etwa fünf Minuten in das Unterlid des Auges gelegt, der sich entsprechend vollsaugt.

Augentrockenheit mit Augentropfen behandeln

Wie eine Augentrockenheit behandelt wird, richtet sich schließlich nach dem ärztlichen Untersuchungsergebnis. Sind bestimmte Medikamente oder eine andere Erkrankung die Ursache, kann bereits der Umstieg auf ein anderes Mittel beziehungsweise die Behandlung der Grunderkrankung Abhilfe schaffen. Ist keine ursächliche Behandlung möglich, weil etwa keine Grunderkrankung gefunden wird, kommen in erster Linie Tränenersatzmittel in Form von dünnflüssigen Augentropfen oder zäheren Augengels zum Einsatz. Sie bestehen überwiegend aus Wasser und Verdickungsmitteln, werden meist mehrmals täglich aufgetragen oder eingeträufelt und ersetzen so die fehlende Tränenflüssigkeit. Da Wirksamkeit und Verträglichkeit der Mittel von vielen Patienten oft unterschiedlich empfunden werden, sollte man am besten verschiedene Präparate ausprobieren. Wichtig: Einige Mittel enthalten Konservierungsstoffe, die bei Patienten mit empfindlichen Augen Allergien hervorrufen können. Auch Träger von Kontaktlinsen sollten unbedingt ein Präparat ohne Konservierungsmittel wählen – denn die Stoffe reichern sich besonders in weichen Kontaktlinsen an und können dadurch Schäden auf der Hornhaut verursachen. In besonders schweren Fällen von Augentrockenheit besteht schließlich noch die Möglichkeit, das so genannte Tränenpünktchen im Auge zu verschließen, so dass die Tränenflüssigkeit im Auge verbleibt und nicht durch den Tränen-Nasenkanal ablaufen kann. Doch welche Therapie der Arzt letztlich auch verordnet: In den meisten Fällen lässt sich Augentrockenheit gut und schnell behandeln.

Was tun gegen Augentrockenheit?

Neben lindernden Augentropfen helfen einfache Verhaltensregeln, um die Augen zu schützen: Wer viel am Computer sitzt, sollte regelmäßig Pausen einlegen und öfter mal bewusst blinzeln. Meiden Sie auch Zugluft, etwa durch Klimaanlagen im Auto, und achten Sie auf eine gute Luftfeuchtigkeit in Räumen. Trinken Sie zudem zwei Liter Wasser täglich. Auch genügend Schlaf wirkt sich günstig auf trockene Augen aus. Wer Wimperntusche & Co. benutzt, sollte sich abends immer abschminken.