Autoimmunhepatitis

Es sind nicht Viren wie bei den Hepatitis- Formen A, B oder C, die diese seltene Leberentzündung verursachen, sondern es handelt sich, wie bei anderen Autoimmunkrankheiten auch, um eine Fehlregulation des körpereigenen Abwehrsystems. Die Autoimmunhepatitis (AIH) betrifft in etwa 80 % der Fälle vorzugsweise Frauen und tritt gehäuft im mittleren Lebensalter auf, kann aber grundsätzlich in jedem Alter, auch schon im Kindesalter beginnen.

Wie entsteht eine Autoimmunhepatitis?

Wie die Autoimmunhepatitis entsteht, konnte bis heute noch nicht eindeutig geklärt werden. Man geht davon aus, dass Umweltfaktoren, Toxine oder Medikamente als Auslöser wirken können, vor allem aber vorausgegangene Virus- oder bakterielle Infektionen. Zudem spielt wohl auch eine genetische Disposition bei der Entstehung eine Rolle. Im Verlauf der Krankheitsentstehung kommt es zum Toleranzverlust des Immunsystems gegenüber dem eigenen Lebergewebe und zum Untergang der Leberzellen durch körpereigene T- Lymphozyten.

Autoimmunhepatitis: Symptome wenig charakteristisch

Die Symptome sind meist uncharakteristisch und können sich auf eine unbestimmte Müdigkeit, Leistungsminderung, Übelkeit und leichte Gelbfärbung der Haut beschränken. Auch Schmerzen im rechten Oberbauch und unklare Temperaturerhöhung sind mögliche Symptome, die aber häufig nicht richtig gewertet werden.

Etwa 30 bis 50 % der Betroffenen leiden unter anderen Begleiterkrankungen, bei denen das Immunsystem ebenfalls die eigenen Organe angreift, wie z.B. rheumatoide Arthritis, Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), Autoimmunthreoiditis (Schilddrüsenentzündung) oder Dickdarmentzündung (Colitis ulcerosa).

Die Krankheitszeichen können insgesamt sehr diskret sein und kaum wahrgenommen werden, es kann sich aber auch eine schnell fortschreitende Leberentzündung bis hin zum Leberversagen entwickeln. Die Autoimmunhepatitis ist in 10 bis 20 % der Fälle die Ursache einer chronischen Leberentzündung.

Autoimmunhepatitis: Diagnostik und Therapie

Es ist wichtig, die Diagnose möglichst frühzeitig zu stellen, da ein schneller Therapiebeginn ausschlaggebend für den weiteren Verlauf ist. Für die Diagnosestellung werden zunächst laborchemische Untersuchungen angestellt, bei denen eine Infektion durch Viren ausgeschlossen wird. Neben einer Erhöhung der Transaminasen und der Immunglobuline vom Typ IgG finden sich (in 75%) als wichtigster Hinweis die gegen das eigene Lebergewebe gerichteten Autoantikörper. Um die Diagnose zu sichern, wird für die feingewebliche Untersuchung unter örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe aus der Leber entnommen.

Bei rechtzeitiger Diagnose spricht die Erkrankung fast immer sehr gut auf eine immunsuppressive Therapie an, durch die die Aktivität des Immunsystems gedämpft wird. Die Aussichten auf Heilung sind dann sehr gut. Unbehandelt entwickelt sich jedoch schon in wenigen Jahren eine Leberzirrhose und die Lebenserwartung ist dann sehr reduziert.

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Autoimmunhepatitis: Behandlung langfristig nötig

Für die Therapie stehen zwei Optionen offen: entweder wird nur mit dem Cortisonpräparat Prednisolon behandelt, oder es wird eine Kombinationsbehandlung aus Prednisolon und Azathioprin durchgeführt. Bei Patientinnen mit bestehendem Kinderwunsch wird in der Regel die alleinige Cortisonbehandlung gewählt, sonst wird der Kombination der Vorzug gegeben. Bei der Kombination kann die Cortisondosis geringer gehalten und die Nebenwirkungen können dadurch deutlich reduziert werden.

Aufgrund der notwendigen langfristigen Behandlungsdauer sollten die durch Cortison verursachten Nebenwirkungen wie Osteoporose, Magengeschwüre, Bluthochdruck, Steroiddiabetes, Vollmondgesicht und Akne möglichst gering gehalten werden. Es wird zunächst mit einer höheren Dosis begonnen und dann auf eine möglichst geringe Erhaltungsdosis reduziert. Der in jüngster Zeit eingesetzte Cortisonwirkstoff Budesonid verursacht allem Anschein nach weniger Nebenwirkungen als Prednisolon.

Es wird eine Behandlung von mindestens 2 Jahren empfohlen, bevor versucht werden kann, die Medikamente wegzulassen. Steigen die laborchemischen Werte wieder an, müssen die Medikamente erneut über mehrere Jahre eingenommen werden. Etwa 13 % der Betroffenen sprechen nicht auf die Therapie an. Bei ihnen muss eventuell eine Lebertransplantation angestrebt werden.