Vasculitis Allergica

Die Vasculitis allergica, auch als Purpura Schoenlein-Henoch bekannt, ist eine Entzündung kleiner und mittlerer Gefäße in verschiedenen Organsystemen, die durch eine Immunreaktion hervorgerufen wird. Bevorzugt in der kalten Jahreszeit beginnt die Erkrankung meist ein bis drei Wochen nach einem vorausgegangenen Infekt der oberen Luftwege und betrifft vor allem Kinder im Vorschul- und Schulalter oder Jugendliche. Auch nach Medikamenteneinnahme wird die Erkrankung gelegentlich beobachtet, die bei Jungen etwas häufiger als bei Mädchen auftritt.

Allergische Überreaktion des Immunssystems als Ursache

Der Vasculitis allergica liegt vermutlich eine allergische Überreaktion des Immunsystems zu Grunde, die durch verschiedene Fremdeiweißstoffe (Antigene) hervorgerufen werden kann. Meist gelangen diese Antigene als Bestandteile von Krankheitserregern in den Körper, aber auch als Teil von Medikamenten oder Insektengiften ist ein Kontakt möglich.

Das Immunsystem reagiert mit der Bildung von IgA – Antikörpern, die sich mit den Antigenen zu Immunkomplexen zusammenballen. Ihre Ablagerung in Gefäßwänden löst die besagte Entzündungsreaktion aus, die eine erhöhte Durchlässigkeit der Gefäße in verschiedenen Organen zur Folge hat. Sichtbar wird das Geschehen an punkt- bis münzgroßen Hautblutungen.

Symptome an verschiedenen Organen

Das Krankheitsgeschehen an den Gefäßen kann bei Vasculitis allergica Symptome an mehreren Organsystemen verursachen:

  • Haut: Augenfällig finden sich regelmäßig vor allem an den Streckseiten der Beine und am Gesäß, meist symmetrisch angeordnet, rötlich-braune, tastbare Hautblutungen (Purpura). Die juckenden Flecken und Papeln fließen häufig ineinander und können von Stecknadelkopf- bis Münzgröße reichen.
  • Gelenke: Viele Kinder leiden vorübergehend unter schmerzhaften Schwellungen der Sprunggelenke und Kniegelenke und wollen plötzlich nicht mehr laufen.
  • Darm: Bedingt durch entzündete Dünndarmgefäße klagen über die Hälfte der Kinder über kolikartige Bauchschmerzen, begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Zu diesen Beschwerden kommen häufig auch blutig- schleimige Stühle.
  • Nieren: Bei etwa 30 Prozent der Erkrankten sind die Nierengefäße mitbetroffen, was sich häufig erst nach zwei bis drei Wochen durch Nachweis von Blut und evtl. Eiweiß im Urin bemerkbar macht (so genannte Schoenlein-Henoch- Nephritis).

Den Symptomen von Vasculitis allergica geht meist allgemeines Krankheitsgefühl und leichtes Fieber voraus.

Krankheitsbild führt zur Diagnose

Einen spezifischen Labortest als Beweis der Vasculitis allergica gibt es nicht. Der Arzt kann die Diagnose aber meist anhand der charakteristischen Hautsymptome in Verbindung mit vorheriger Infektion oder Medikamenteneinnahme stellen. Manchmal gelingt der Nachweis der im Blut zirkulierenden Immunkomplexe.

Nicht selten gehen die Symptome des Darmtrakts den Hautsymptomen voraus, was die Diagnose erschwert. Weiterführen kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums und Untersuchungen des Stuhls zum Nachweis von Blut. Um eine Nierenbeteiligung zu erkennen sind außerdem wiederholte Urinuntersuchungen erforderlich.

Therapie von Vasculitis allergica

In der akuten Krankheitsphase wird Bettruhe verordnet. Bei einem Grossteil der Erkrankten bessern sich die Beschwerden ohne weitere Behandlung. Bei starken Gelenkbeschwerden werden zur Linderung nicht steroidale Antirheumatika verabreicht, im Falle einer Darmbeteiligung wird mit Kortison- Präparaten behandelt.

Besteht eine Nierenbeteiligung über einen längeren Zeitraum kann eine Gewebeprobe Auskunft über das Ausmaß der Schädigung geben. Eventuell ist dann eine Therapie mit Medikamenten zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressiva) und Kortison angezeigt.

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Schubweiser Verlauf ist charakteristisch

Typisch für die Purpura Schoenlein-Henoch ist der schubweise Verlauf mit wieder-kehrenden Bauchschmerzen und Hautblutungen. Meist ist die Erkrankung gutartig und schon nach einigen Tagen, spätestens nach 4 bis 6 Wochen ausgeheilt, gelegentlich können die Beschwerden aber über Monate oder Jahre hinweg wiederholt einsetzen.

Bei Darmbeteiligung kann es in seltenen Fällen zu einer Einstülpung eines Darmabschnitts in einen anderen (Invagination) kommen. Besonders gefürchtet ist das Entstehen einer chronischen Nierenentzündung mit Verschlechterung der Nierenfunktion.