Den Diabetes selber managen

Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland sind zuckerkrank. Ihre Anzahl wächst jährlich um drei Prozent. Leider nehmen viele Diabetiker die erforderlichen Umstellungen von Ernährung und Lebensführung auf die leichte Schulter. Doch diese Nachlässigkeit kann bereits nach wenigen Jahren tödliche Folgen haben. Leicht bis mäßig erhöhte Werte von Blutzucker, Blutdruck oder Blutfetten sind eben nicht schmerzhaft.
Nachlässigkeit bei der Blutzuckerkontrolle kann fatale Folgen haben, denn unser Körper "merkt" sich alle Schwankungen des Blutzuckerspiegels. Je länger und je ausgeprägter die Blutzuckerspiegel über die Jahre hinweg über dem Normbereich liegen, umso höher steigt das Risiko für Erblindung, Nierenversagen, Herzinfarkt und Gliedmaßen-Amputationen. In Deutschland werden jährlich etwa 25.000 Amputationen aufgrund von Diabetes vorgenommen, pro Jahr wächst dieser Anteil um vier Prozent. Jedes Jahr beginnt für ca. 4.000 Diabetiker die Dialysepflicht aufgrund eines Diabetes-bedingten Nierenversagens und etwa 7.000 Zuckerkranke erblinden jährlich aufgrund diabetischer Augenschäden, der so genannten diabetischen Retinopathie.
Die richtige Einstellung
Verhindern lassen sich diese Spätschäden nur durch eine möglichst normale Einstellung des Blutzuckerspiegels. Dies kann aber nur dann gelingen, wenn der Diabetiker seinen Blutzuckerspiegel mehrmals täglich kontrolliert und die Insulindosis entsprechend anpasst. Man bezeichnet dieses Blutzucker-Selbstmanagement im Vergleich zur herkömmlichen Kontrolle, bei der zu festgelegten Zeiten zwei- bis viermal täglich eine vom Arzt vorbestimmte Insulinmenge gespritzt wird, als "optimierte Diabeteskontrolle". Große Studien mit Tausenden von Diabetikern zeigten, dass die optimierte Diabeteskontrolle im Rahmen des Blutzucker-Selbstmanagements das Risiko für Nierenschäden halbiert. Die Gefahr zu erblinden, sinkt sogar um nahezu zwei Drittel. Die Blutzucker-Selbstkontrolle und die eigenständige Anpassung der Insulindosis stehen daher heute im Zentrum des optimierten Diabetes-Managements. Hinzu kommen gesunde Ernährung und Bewegung.
Diabetesmanagement
Zuvor müssen die Betroffenen jedoch lernen, ihren Stoffwechsel zu "managen". Die Teilnahme an einem strukturierten Schulungsprogramm ist daher Voraussetzung, um das Therapieziel zu erreichen: den Erhalt der Lebensqualität. Durch regelmäßige Selbstkontrollen und eine aktive Mitwirkung bei der Diabetestherapie können die Folgeschäden des Diabetes verhindert oder hinausgezögert werden. Die über einen längeren Zeitraum dokumentierten Werte erleichtern die Kooperation zwischen Arzt und Patient. Akute Stoffwechselentgleisungen können so frühzeitig erkannt und vermieden werden.
Hier ist der Patient gefordert
Folgende Kontrollen können selbst durchgeführt werden.
- Messung des Blutzuckers (Der Teststreifen gibt eine Aussage über den aktuellen Blutzuckerwert.)
- Untersuchung des Harns auf Zucker (Erst ab einem Blutzucker über 180 mg/dl (10 mmol/l) ist Zucker auch im Urin zu finden.)
- Untersuchung des Harns auf Ketonkörper (Aceton)
- Ermitteln des Körpergewichts
- Blutdruckmessung
- Inspektion der Füße
Denken Sie daran: Selbstkontrolle bei Diabetes schafft Sicherheit, Freiheit und Selbstvertrauen. Diabetes ohne Selbstkontrolle ist wie eine Seefahrt ohne Kompass. Arzt, Diabetesberater oder Apotheker erklären, wie Kontrollen mit Teststreifen oder Messgerät richtig durchgeführt werden.
