Richtig eingestellter Blutzucker hilft Folgeerkrankungen vermeiden

Viele Patienten mit Typ-2-Diabetes reagieren mit Vorbehalten, Zweifeln und Ängsten auf den Vorschlag ihres Arztes, eine Insulintherapie zu beginnen. Die "Furcht vor der Nadel" stellt immer noch eine nicht unerhebliche Barriere für die Behandlung mit Insulin dar. Können die individuellen Therapieziele durch Gewichtsabnahme, körperliche Aktivität und orale Antidiabetika nicht erreicht werden, sollte mit Insulin behandelt werden. Je früher dies geschieht, desto geringer ist das Risiko des Patienten für Folgeerkrankungen an den Augen, Nieren und dem Nervensystem

Zivilisationskrankheit Nr. 1

In Deutschland gibt es rund sechs Millionen Diabetiker, etwa eine Million davon wird mit Insulin behandelt. Die Zuckerkrankheit gehört damit zu den häufigsten Stoffwechselstörungen des Menschen. Während bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ-1 aufgrund der fehlenden Insulin-Bildung in der Bauchspeicheldrüse das Hormon von Anfang an zugeführt werden muss, wird bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ-2 zunächst versucht, durch eine Ernährungsumstellung, verstärkte körperliche Aktivität und Tabletten die Blutzuckerwerte zu senken. Ist eine optimale Blutzuckereinstellung so nicht zu erreichen, können in einer Kombinationstherapie verschiedene orale Antidiabetika oder Insulin gegeben werden. Gut geschulte und motivierte Patienten mit Typ-2-Diabetes nehmen einen Teil der Behandlung selbst in die Hand und sind auch im fortgeschrittenen Alter in der Lage, unter Anleitung ihres Arztes eine Insulinbehandlung durchzuführen

Woran liegt's ?

Bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes gilt es zwei Probleme in den Griff zu bekommen: einerseits die Insulinresistenz (verminderte Insulinwirkung an den Zellen) der Zielorgane und den dadurch bedingten relativen Insulinmangel. Andererseits die verzögerte Insulinausschüttung aus den B-Zellen der Bauchspeicheldrüse nach der Nahrungsaufnahme. Insulin hat drei Zielorgane: das Fettgewebe, die Muskeln sowie die Leber. Das Hormon ermöglicht dort die Aufnahme und Speicherung von Zucker aus dem Blut in die Zellen und reguliert die Abgabe aus der Leber. Steht zu wenig Insulin zur Verfügung oder ist die Wirkung des Insulins an den Zielorganen beeinträchtigt, steigt der Zuckerspiegel im Blut. Der Körper ist zunächst in der Lage, die verminderte Insulinwirkung durch eine verstärkte Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse auszugleichen. Ein entsprechender Ernährungsplan, körperliche Aktivität sowie die Insulinproduktion steigernde Medikamente unterstützen die Blutzuckersenkung. Im Laufe der Zeit reagieren die Zielzellen aber weniger empfindlich auf das Hormon und die Produktionskapazität der Bauchspeicheldrüse erschöpft sich allmählich. Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt für eine Insulintherapie gekommen, um das Therapieziel zu erreichen

Regelmäßig kontrollieren

Mit einem von Anfang an gut eingestellten Blutzucker haben Patienten viel eher die Chance, gefürchtete Diabetes-Folgen zu vermeiden und ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden zu erhalten. Hierfür ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckers notwendig. Weiterhin ist es wichtig, in regelmäßigen Abständen den Wert des glykierten Hämoglobins (HbA 1c ) festzustellen. Bei einem stoffwechselgesunden Menschen mit einem mittleren Blutzuckerspiegel von 90 mg/dl (5 mmol/l) beträgt der HbA 1c -Wert etwa 5 %. Die Kontrolle des HbA 1c -Wertes sollte einmal im Quartal durchgeführt werden. Diese ersetzt jedoch nicht die regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle. Die Ergebnisse sollte der Patient in seinen Diabetes-Gesundheits-Pass und in sein Blutzucker-Tagebuch eintragen. Die im Herbst 1998 vorgestellten Ergebnisse der UKPDS-Studie (U United K Kingdom P Prospective D Diabetes S Study) zeigen, dass eine dauerhafte Verringerung des HbA 1c -Wertes diabetische Folgeschäden deutlich verringert. Wenn durch Tabletten allein keine gute Blutzucker-Einstellung erzielt werden kann, lässt sich dieses Ziel in der Regel mit einer zusätzlichen Insulingabe erreichen. Ebenso sind bei Nieren-, Leber- und Herzinsuffizienz bestimmte orale Antidiabetika kontraindiziert und eine Insulintherapie notwendig. Durch eine Vielzahl moderner Hilfsmittel ist die Insulintherapie heutzutage für den Patienten mit keinen großen Belastungen mehr verbunden. Nach einer gewissen Zeit der Übung wird der Umgang mit der Spritze oder dem Insulinpen zur Routine und die optimierte Stoffwechseleinstellung erhöht das Wohlbefinden und damit die Lebensqualität