Warum der HbA 1 c-Wert so wichtig ist

Viele Diabetiker kennen dieses Dilemma: Der nächste Termin zur Blutzuckermessung steht an und die Radikal-Diät soll die kleinen Ernährungspatzer ausgleichen, damit die Werte wieder normal erscheinen. Ein großer Irrtum, denn entscheidend für eine gute Blutzuckereinstellung ist der Langzeitblutzuckerwert, der so genannte HbA 1c-Wert. Aus vielen großen Studien konnte der Beweis erbracht werden, dass eine Verbesserung des HbA 1 c-Wertes mit einer verminderten Zahl diabetesbedingter Komplikationen verbunden ist.
Gefäßschäden durch Diabetes
Doch wenige Diabetiker kennen die genaue Bedeutung dieses Wertes. Viele Menschen mit Diabetes wissen sogar noch nicht einmal von ihrer Erkrankung. Daraus ergibt sich ein großes Problem: Bis zur Diagnose des Diabetes vergehen meist viele Jahre, in denen der Blutzucker oft zu hoch ist und dadurch bereits die ersten feinen Gefäße und Nerven geschädigt sind.
Diese Schädigungen schreiten schleichend voran und werden von den Diabetikern aufgrund des verminderten Schmerzempfindens kaum wahrgenommen. Nicht selten enden diese "kleinen", schlecht spürbaren Veränderungen in den gefürchteten diabetesbedingten Folgeerkrankungen. Aber dies muss nicht sein! Denn Studien belegen, dass durch eine gute Blutzuckereinstellung das Risiko für diabetesbedingte Folgeerkrankungen vermindert werden kann.
HbA1c - die wichtige Hieroglyphe in der Diabetestherapie
Der HbA 1c-Wert gibt den Anteil des "gezuckerten" roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) am Gesamthämoglobin wieder. Dieses stabile "Zucker-Hämoglobin", in der Fachsprache "glykosiliertes Hämoglobin" bzw. "HbA1c" genannt, entsteht bei jedem Menschen, nicht nur bei Diabetikern, und ist abhängig von der durchschnittlichen Blutzuckerkonzentration. Vereinfacht ausgedrückt: Je höher der Blutzuckerspiegel über einen gewissen Zeitraum, desto höher auch der HbA 1c-Wert.
Mit dem HbA 1c-Wert kann der Arzt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 8 bis 10 Wochen ermitteln, unabhängig davon, ob die Werte in der Zwischenzeit stark angestiegen oder gesunken sind. Deswegen wird der HbA1c-Wert häufig auch als Langzeitblutzuckerwert bezeichnet. Bereits 1999 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den HbA 1c-Wert, neben der Blutzuckermessung und dem Glukosetoleranztest als wichtigen Parameter zur Beurteilung der Güte der Diabetikereinstellung empfohlen. Der HbA 1c-Wert wird daher häufig auch als "Goldstandard" in der Diabetestherapie bezeichnet.
HbA1c - Gesünder unter 7
Ob der Blutzucker gut eingestellt ist, kann man anhand des HbA 1c-Wertes ablesen. Denn je besser der Blutzucker eingestellt ist, desto niedriger ist auch der HbA 1c-Wert. Bei gesunden Menschen liegt der HbA 1c-Wert zwischen 4,5 und 6,5 Prozent, bei Patienten mit gut eingestelltem Diabetes zwischen 6,5 und 7,0 Prozent und bei schlecht eingestellten Diabetikern über 7,5 Prozent.
Generell gilt: Je niedriger der HbA 1c-Wert, desto geringer ist auch das Risiko für Folgeerkrankungen. So zeigten die Ergebnisse der UKPD-Studie, einer der größten Studien zur Therapie des Typ-2-Diabetes, dass bereits eine 1-prozentige Senkung des HbA 1c-Wertes verknüpft war mit einer:
- 21 % igen Verminderung des Risikos für diabetesbezogene Komplikationen
- 25% igen Verminderung der diabetesbezogenen Todesfälle
- 17% igen Verminderung der Gesamtsterblichkeit
- 18% igen Verminderung des Risikos, einen Herzinfarkt zu erleiden
- 15 % igen Risiko Verminderung für Schlaganfälle
- 35% igen Verminderung des Risikos von Folgekrankheiten an Auge und Niere
Die aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften empfehlen zur Vorbeugung von diabetesbedingten Folgeerkrankungen einen HbA 1c-Wert < 6,5 Prozent sowie eine Therapieanpassung ab einem HbA 1c-Wert über 7. Tatsache ist jedoch, dass fast jeder zweite Typ-2-Diabetiker einen HbA 1c-Wert von über 7,5 Prozent hat und damit schlecht eingestellt ist.
Folgen eines schlecht eingestellten Diabetes
Dauerhaft hohe Blutzuckerwerte, die sich in einem hohen HbA1c-Wert widerspiegeln, führen zu Schäden an den großen und kleinen Blutgefäßen und an den Nerven. Bedingt durch verengte oder sogar verschlossene Gefäße (Arteriosklerose) wird das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Zu den häufigsten Folgeerkrankungen zählen der diabetische Fuß, Nervenschäden, Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems, Augenschäden und Schäden an den Nieren.
Die Bilanz ist erschreckend: Laut CODE-2-Studie kommt es jährlich in Deutschland zu folgenden diabetischen Neuerkrankungen: 58.000 Fußgeschwüre, 44.000 Schlaganfälle, 27.000 Herzinfarkte, 6.000 Dialysefälle durch Nierenversagen sowie 6.000 Erblindungen. Vor diesem Hintergrund gilt es, Ärzte und Patienten noch verstärkter über den HbA 1c-Wert aufzuklären und für seine Bedeutung in der Diabetestherapie zu sensibilisieren.
Die Entdeckungsgeschichte von HbA1c
Die Einführung der Bestimmung des HbA 1 c-Wertes als Standardmethode war für die Kontrolle einer effektiven Diabetes-Therapie ein entscheidender Fortschritt. Die verschiedenen Varianten des Hämoglobins (HbA1, HbA2 und HbF) konnten 1955 bestimmt werden, 1958 folgte dann die Auftrennung und Identifizierung der Subtypen des HbA 1 (HbA 1a, HbA 1b und HbA 1c). Dass beim HbA 1c Glukose fest an das Hämoglobin gebunden hat, konnte erst in den siebziger Jahren belegt werden. Aber schon 1968 beobachtete der Teheraner Kinderarzt Dr. Samuel Rahbar, dass eine erhöhte Konzentration des HbA 1c mit Diabetes einhergeht.
Der quantitative Nachweis für HbA1c gewann an Bedeutung, als belegt werden konnte, dass verminderte Blutglukosespiegel eine Verminderung des HbA 1 c-Wertes zur Folge hatten. Die Entwicklung neuer Bestimmungsmethoden und Analyseverfahren wurde in den folgenden Jahren und insbesondere seit Beginn der Achtziger enorm vorangetrieben. Heute lässt sich mit modernen Labormethoden der HbA 1c-Wert innerhalb von Minuten ermitteln. Damit ist eine engmaschige Kontrolle der Stoffwechseleinstellung des Diabetes-Patienten einfach zu gewährleisten.
Autor/Quelle: Quelle: Gesünder unter 7
