Diabetiker auf Reisen Teil 1

Reisen in fremde Länder heißt auch, sich auf andere Umweltbedingungen einzustellen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, viele Verhaltensweisen, die im Alltag selbstverständlich sind, laufen im Urlaub anders ab.
So wird man sich im Urlaub anders körperlich betätigen, man hat einen anderen Lebensrhythmus und man wird sich auch anders ernähren. Deshalb sollte sich jeder Diabetiker schon zu Hause über landesübliche Gebräuche und Nahrungsmittel informieren.

Tipp:
Da aber nicht alle Fremdeinflüsse schon im Vorfeld abzusehen sind, sollte im Urlaub der Blutzucker öfters als sonst kontrolliert werden. Insgesamt gilt jedoch, den Urlaub einfach genießen und gelassen bleiben, auch wenn der Stoffwechsel mal nicht perfekt läuft.

Vor der Reise den Arzt aufsuchen

Wer in den Urlaub fährt und weiß, dass er anderen Einflüssen ausgesetzt ist, sollte sich vor seiner Reise mit seinem Arzt besprechen. Dieser kann für bestimmte Situationen eine Therapieanpassung vorschlagen, ausreichend Medikamente - auch für den Notfall - verschreiben und notwendige Impfungen durchführen.

Reiseimpfungen - Rechtzeitig impfen lassen!

Diabetiker können sich problemlos genauso impfen lassen, wie alle Nicht-Diabetiker auch. Welche Impfungen empfehlenswert sind, hängt vom Reiseziel ab. Allgemein empfohlen wird die Auffrischung der Standardimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Poliomyelitis. In Ländern mit einem geringen Hygienestandard sind Impfungen gegen Hepatitis A und Typhus sinnvoll. Die Erreger werden durch Schmierinfektion, verunreinigtes Trinkwasser und Lebensmittel übertragen. Auch gegen Hepatitis B kann eine Impfung sinnvoll sein. Die Ansteckung erfolgt über Blut- und Schleimhautkontakt.

Sonnenschutz - Gerade ungebräunte Haut ist gefährdet

Ungebräunte, winterweiße Haut muss sich erst langsam an die Sonne gewöhnen - deshalb muss immer ein Sonnenschutzmittel mitgenommen werden. Der richtige Lichtschutzfaktor richtet sich sowohl nach der Strahlungsintensität als auch nach dem Hauttyp.

Unbedingt mitnehmen

b>Diabetiker, die Insulin spritzen brauchen ein Attest
Diabetiker, die Insulin spritzen und deshalb ein Injektionsbesteck mitführen benötigen ein ärztliches Attest, in dem die Injektionsbehandlung und das Insulinbesteck bescheinigt werden. Da auf den Flughäfen inzwischen hohe Sicherheitsstandards gelten (z. B. keine spitzen Gegenstände mitführen) sollten die benötigten Gegenstände einzeln aufgeführt werden. Informationen über die Zollbestimmungen des jeweiligen Landes gibt es beim Auswärtigen Amt.

Internationaler Diabetikerausweis (bei Auslandsreisen in Landessprache)
Für Typ-1-Diabetiker ist der internationale Ausweis obligatorisch. Aber auch Typ-2-Diabetiker sollten einen internationalen Diabetikerausweis mitführen, denn auch sie können bei einer Unterzuckerung auf Fremdhilfe angewiesen sein. Es gilt: Jeder Diabetiker sollte gerade auf Reisen als Diabetiker identifiziert werden können.

Medikamente und Messgerät ins Handgepäck
Wichtige Utensilien - Medikamente, Insulin, Zwischenmahlzeiten, Messgerät etc. - sollten bei Flügen stets im Handgepäck mitgeführt werden. Insulin nicht im Koffer transportieren, da es im Gepäckraum des Flugzeuges kalt ist und Insulin Temperaturen unter 2 Grad nicht verträgt.
Jeder insulinspritzende Diabetiker sollte U-100 Spritzen in den Urlaub mitnehmen. Achtung: in einigen Ländern werden keine U-40 Insuline verkauft - auch für konventionelle Spritzen. Für den Fall, dass das Messgerät einmal ausfallen sollte, empfiehlt es sich zusätzlich visuell ablesbare Teststreifen mitzunehmen.

Zwischenmahlzeiten mitnehmen
Genügend Kohlenhydratreserven mitnehmen! Knäckebrot, Kekse und Trockenobst sind gut geeignet. Wichtig ist dabei, daß die KHE der mitgenommenen Lebensmittel auch bekannt sind. Bei Auslandsreisen sind die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes zu berücksichtigen (z. B. USA). Traubenzucker sollte für Notfälle immer dabei sein!

Reisen mit dem Auto

  • Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte nach Möglichkeit die gewohnten Insulinmengen zur üblichen Zeit spritzen bzw. seine Tabletten zur üblichen Zeit einnehmen. Es empfiehlt sich einfach den gewohnten Rhythmus beizubehalten.
  • Bei längeren Fahrten: vor Fahrtantritt immer den Blutzucker testen! Der Blutzucker sollte mindestens 120mg/dl (6,6mmol/l) betragen. Nachtfahrten mit dem Auto möglichst vermeiden.
  • Genügend kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel wie Brot, Obst, Kekse für Zwischenmahlzeiten mitnehmen.
  • Pausen: Bei längeren Fahrten etwa alle 2 Stunden 15 Minuten Pause machen, sich bewegen und evtl. eine Zwischenmahlzeit zu sich nehmen. Ausreichend trinken!
  • Achtung: Unterzuckerung - deshalb immer Traubenzucker mitführen. Falls eine Hypoglykämie droht: sofort anhalten und ausreichend Traubenzucker essen. Erst nach 30 Minuten ist die volle Konzentrationsfähigkeit wieder hergestellt.
  • Alkohol darf beim Autofahren sowieso nicht getrunken werden. Aber: Auch Alkohol am Vorabend kann sich noch in einer Hypoglykämiegefahr am nächsten Vormittag äußern!

Reisen mit der Bahn

Bahnreisen sind für Diabetiker als Reisetransportmittel gut geeignet: Zwischenmahlzeiten können wie gewohnt eingenommen werden, Bewegung durch Auf- und Abgehen ist ebenfalls möglich.
Aber: man sollte sich auch auf verspätete Abfahrt und Ankunft, eventuell dadurch verpasste Anschlusszüge oder überfüllte Züge zur Hauptreisezeit einstellen. Deshalb gilt bei Bahnfahrten:

  • Rechtzeitig planen, damit immer genügend Spielraum zwischen den einzelnen Anschlusszügen ist.
  • Bei längeren Bahnfahrten auch Verspätungen mit einkalkulieren.
  • Für diese Fälle genügend kohlenhydrathaltige Zwischenmahlzeiten bzw. ausreichend Diabetikerbedarf (Insulin, Tabletten, Spritzen, Kanülen und Teststreifen) mitnehmen.

Reisen mit dem Flugzeug

Flugreisen innerhalb der USA
Für Flughäfen und Flüge innerhalb der USA gelten seit dem 11. September 2001 verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Diese betreffen auch insulinpflichtige Diabetiker: Mitgeführte Spritzen oder Lanzetten zur Blutzuckerkontrolle werden als ein potenzielles Risiko für andere Passagiere eingeschätzt. Diese müssen deshalb original verpackt sein.

Tipp:
Vor dem Abflug bei In- und Auslandsflügen Informationen über die aktuellen Maßnahmen bei der Fluggesellschaft einholen.

Allgemeine Flug-Tipps

Viele Fluggesellschaften bieten für Diabetiker Spezialmenüs an. Erkundigen Sie sich am besten frühzeitig bei Reisebüro bzw. Fluggesellschaft.
Langstreckenflüge mit Zeitverschiebung verändern den Rhythmus der Insulin-Injektionen und Medikamenten-Einnahme. Diabetiker sollten bei Fernreisen deshalb mit ihrem Arzt schon vor der Reise eine Strategie zur Dosisanpassung entwickeln.
Durch die niedrige Luftfeuchtigkeit an Bord braucht der Körper dreimal soviel Flüssigkeit. Es gilt: Weniger essen - viel trinken, damit die Schleimhäute immer feucht bleiben. Am besten jede Stunde ein Glas Mineralwasser oder Fruchtsaft trinken.

Tipp:
Physiologische Kochsalzlösung alle 30 Minuten in die Nase getropft vermindert die unangenehme Austrocknung der Nasenschleimhaut.
Es empfiehlt sich für den Flug warme Kleidung mitzunehmen, da es im Flugzeug oft kalt ist.
Um Wadenkrämpfen oder Venenbeschwerden vorzubeugen - im Flugzeug öfters bewegen.
Alkohol und Kaffee sollten im Flugzeug nicht getrunken werden.