Diabetiker auf Reisen Teil 2

Stichwort: Insulin

Insuline sollten zwischen 2 und 8 Grad im Kühlschrank aufbewahrt werden und im Winter vor Frost, im Sommer vor Sonne und großer Hitze geschützt werden. Im Urlaub sind diese Bedingungen - vor allem in sehr heißen Ländern - nicht immer einzuhalten. Deshalb hier einige Tipps:
Insulin

  • Insulin darf nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, bzw. Temperaturen von über 40°C sind zu vermeiden. Solche Temperaturen sind aber zum Beispiel im Auto sehr schnell erreicht. Insulinampullen, die an den Strand mitgenommen werden, können in einer geeigneten Kühlbox gelagert werden.
  • Im Hotel nachfragen, ob eine Aufbewahrung des Insulins im Gemüsefach des Kühlschranks möglich ist. Die Temperatur des Kühlschrankes überprüfen! Es muss darauf geachtet werden, dass das Insulin nicht gefriert. Gefrorenes oder wieder aufgetautes Insulin darf keinesfalls verwendet werden.
  • Das Insulin vor der Injektion auf Zimmertemperatur erwärmen, da es schmerzhaft ist, kaltes Insulin zu spritzen.
  • Erbrechen, Durchfälle und Fieber verändern häufig auch den Insulinbedarf.
  • Insulin, das ausflockt oder seine Farbe verändert hat, darf nicht mehr angewendet werden. Ebenfalls vernichtet werden muss Insulin, wenn das Verfallsdatum überschritten ist.

Sonnenbaden

  • Bei großer Hitze ist die Durchblutung der Haut erhöht, so dass das gespritzte Insulin schneller in das Blut gelangt. Folge: der Insulinbedarf kann sich, selbst bei keinerlei Bewegung, verringern. Beim Sonnenbaden oder in großer Hitze deshalb auf Anzeichen von Unterzuckerungen achten!
  • Die Durchblutung der Haut verringert sich dagegen beim Schwimmen durch das kalte Wasser. Entsprechend wird auch das Insulin langsamer ins Blut abgegeben. Diese Tatsachen sind aber von Person zu Person unterschiedlich und es muß nicht immer so sein. Deshalb sollte man als Diabetiker am Strand und beim Sonnenbaden öfter den Blutzucker messen!

Blutzuckerteststreifen

  • Teststreifen sollten normalerweise nicht kälter als 4° C oder wärmer als 30° C werden, damit sie nicht altern oder zerstört werden und dadurch falsche Messwerte verursachen. Die Teststreifen müssen daher vor zu hohen Temperaturen geschützt und dürfen keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Den zulässigen Temperaturbereich der unterschiedlichen Teststreifen kann dem Beipackzettel entnommen werden.

Stichwort Bewegung

Wer in den Urlaub fährt, hat oft das Bedürfnis sich körperlich zu betätigen, z. B. Bergwandern oder Schwimmen. Körperliche Aktivität und Sport sind grundsätzlich gut für die Gesundheit - gerade auch für Diabetiker. Dennoch müssen Diabetiker einige Dinge beachten, denn Art, Dauer und Intensität der körperlichen Aktivität haben großen Einfluss auf den Kohlenhydratverbrauch.
Diabetiker, die Insulin spritzen, sollten sich schon vor der Reise mit ihrem Arzt besprechen, wie sie sich vor, während und nach einer körperlichen Belastung verhalten sollen.
Grundsätzlich gilt:

  • Je anstrengender ein Sport ist, desto stärker wird der Blutzucker abfallen. Achtung: Die typischen Anzeichen einer Unterzuckerung wie Schwitzen, Zittern, Schwäche, Hunger können als "normale" Begleiterscheinungen der körperlichen Belastung fehlgedeutet werden! Bei Anzeichen von Unterzuckerung: sofort den Sport unterbrechen, Traubenzucker zuführen und eine ausreichend lange Pause machen. Anschließend: Ursachenforschung. Die Gefahr der Unterzuckerung besteht außer bei Diabetikern, die Insulin spritzen auch bei Diabetikern, die Sulfonylharnstoffe oder Glinide einnehmen.
  • Genügend Flüssigkeit zu sich nehmen! Wer sich körperlich betätigt, muss ausreichend trinken.
  • Kohlenhydrate mitführen! Dabei gilt es zu beachten, dass schnell oder langsam resorbierbare Kohlenhydrate einen unterschiedlichen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben. So halten z.B. faserreiche Kohlenhydrate den Blutzucker länger konstant, während Direktfruchtsäfte den Blutzucker schnell und kurzfristiger ansteigen lassen.
  • Bei einer kurzzeitigen Belastung hilft es, ein bis zwei schnelle BEs zu essen. Vor länger andauernden anstrengenden Aktivitäten sollten insulinspritzende Diabetiker den Blutzucker testen! Teststreifen und Testgerät sollten deshalb mit dabei sein. Nach Beendigung der Aktivität den Blutzucker noch weiter regelmäßig kontrollieren. Der Grund: je länger und je intensiver eine körperliche Aktivität war, desto länger braucht die Muskulatur, um die Energiereserven (Glykogenspeicher) wieder aufzufüllen. Dies kann von einigen Stunden bis zu einem Tag dauern. Das heißt: zu hohe Blutzuckerwerte mit weiteren Messungen erst einmal kontrollieren.
  • Typ 1-Diabetiker müssen bei Werten von über 250 mg/dl auf Ketonkörper testen. Ist der Test positiv - belastende körperliche Aktivitäten und Sport vermeiden.
  • Wer Probleme mit den Füßen hat, muss auf sein Schuhwerk achten.

Stichwort Ernährung

Es empfiehlt sich schon vor der Reise Informationen über die landestypische Ernährung einzuholen:

  • Welche Haupt- und Grundnahrungsmittel gibt es im Reiseland? Wie hoch ist deren (geschätzter) Kohlenhydratgehalt?
  • Welche Ernährungsgewohnheiten im Urlaubsland sind zu berücksichtigen? Welche Zwischenmahlzeiten sind geeignet und wo sind sie zu bekommen?
  • Gut geschulte Diabetiker können landesübliche Gerichte durchaus essen. Voraussetzung ist allerdings ein gutes Abschätzungsvermögen und Blutzuckertests vor und zwei Stunden nach der Mahlzeit.
  • Bei Reisen in exotische Länder gilt der Grundsatz: Cook it, peel it, boil it or forget it. Zum Trinken und Zähneputzen nur abgekochtes Wasser benutzen. Keine Eiswürfel in die Getränke.
  • Informationen zu der landesüblichen Nahrung finden sich fast immer in entsprechenden Reiseführern. Grundsätzlich gilt jedoch: Andere Länder, andere Eßgewohnheiten! Deshalb: häufiger Blutzucker messen.