Daten und Zahlen zu Diabetes mellitus

Die Zuckerkrankheit ist seit Beginn des neuen Jahrtausends auf dem Vormarsch. 80% der an Diabetes erkrankten Menschen stammen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Experten gehen davon aus, dass es allein in Deutschland knapp 8 Millionen Zuckerkranke gibt. Hochrechnungen zufolge, wird die Anzahl der Diabetiker weltweit (ausgehend von 2011) bis zum Jahre 2030 von 366 Millionen auf 552 Millionen angestiegen sein. Mit etwa 90 Prozent haben die meisten Betroffenen einen Typ-2-Diabetes. Er tritt im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes häufig ab dem 40., vor allem aber nach dem 60. Lebensjahr auf und wurde deshalb früher als "Altersdiabetes" bezeichnet. Infolge von Bewegungsmangel und unausgewogener Ernährung nimmt aber heute auch unter Kindern diese Form des Diabetes immer mehr zu. Insgesamt sind mehr Frauen (7,36 Prozent) als Männer (6,45 Prozent) von der Erkrankung betroffen.

Top 10 der "Diabetes-Länder"

Menschen mit Diabetes von 20 bis 79 Jahre im Jahr 2011 weltweit:

Land Menschen
1. China 90,0 Millionen
2. India 61,3 Millionen
3. USA 23,7 Millionen
4. Russland 12,6 Millionen
5. Brasilien 12,4 Millionen
6. Japan 10,7 Millionen
7. Mexiko 10,3 Millionen
8. Bangladesh 8,4 Millionen
9. Ägypten 7,3 Millionen
10. Indonesien 7,3 Millionen

Quelle: "Diabetes Atlas Second Edition Executive Summary", IDF 2012 (Weltdiabetesverband)

Folgeschäden des Diabetes mellitus

Ein schlecht eingestellter Blutzuckerwert kann zu folgenden Schädigungen an großen und kleinen Blutgefäßen, den so genannten makro- und mikroangiopathischen Folgeerkrankungen führen:

  • Diabetische Retinopathie: Dabei handelt es sich um eine Beschädigung der Netzhaut (Retina) am Hintergrund des Augapfels. Betroffen sind dabei die kleinen Blutgefäße der Netzhaut, da sich Traubenzucker (Glukose) und andere Zuckerstoffe an den Gefäßwänden ablagern. Dadurch wird eine ausreichende Durchblutung der Netzhaut vermindert. In Europa und den USA ist die diabetische Retinopathie die häufigste Erblindungsursache bei Menschen zwischen dem 20. und 65. Lebensjahr. In Deutschland erblindet alle 90 Minuten ein Diabetiker.
  • Neuropathie: Der Diabetes kann die Nerven auf zwei Arten angreifen: indirekt über die verminderte Blutversorgung und direkt als Folge eines zu hohen Blutzuckerspiegels. Infolge des erhöhten Blutzuckerspiegels verkleben die Blutgefäße, welche die Nerven in Armen und Beinen mit Blut versorgen, sodass es zu Durchblutungsstörungen der Nervenfasern kommt. Dies hat zur Folge, dass der Nerv nicht mit einer ausreichenden Menge an Sauerstoff versorgt wird. Dabei kommt es zu Kurzschlussreaktionen, welche die Nerven schädigen.
  • Nierenversagen: Die Nieren werden durch die diabetische Mikroangiopathie und den damit verbundenen Durchblutungsstörungen geschädigt. Diese Nierenschädigung kann zu einem chronischen Nierenversagen führen. In diesem Fall wird eine regelmäßige künstliche Blutwäsche (=Dialyse) notwendig. Zudem bewirkt die Schädigung der Nieren einen hohen Blutdruck, der in der Regel medikamentös behandelt werden muss.
  • Diabetischer Fuß: Die verminderte Durchblutung und die Schädigung der Nerven, verbunden mit Gefühlsstörungen in den Füßen, führen zu offenen, schlecht heilenden Wunden und Geschwüren, die auch heute noch Amputationen notwendig machen können. Vorbeugende Maßnahmen und eine entsprechende Aufklärung der Patienten über die richtige Fußpflege (regelmäßiges Waschen der Füße mit lauwarmem Seifenwasser und gründliches Abtrocknen, Vermeidung von Verletzungen bei der Pediküre) und das geeignete Schuhwerk sind absolut unumgänglich.
  • Weitere Folgeschäden: Beim Diabetes mellitus treten auch Veränderungen an den großen Blutgefäßen auf (=diabetische Makroangiopathie). Hierbei handelt es sich um Arteriosklerose. Vor allem in Verbindung mit erhöhten Blutfettwerten, hohem Blutdruck, Übergewicht und Nikotingenuss sind chronisch erhöhte Blutzuckerwerte ein wesentlicher Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Weitere schwerwiegende Folgen eines Diabetes mellitus können Störungen der Libido und Erektionsprobleme sein.

Therapie des Diabetes mellitus

Da Typ-1-Diabetikern die Insulinproduktion fehlt, müssen diese sich von Anfang an Insulin zuführen. Typ-2-Diabetes wird gemäß den Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zuerst mit einer Änderung des Lebensstils behandelt. Dies sieht vor allem eine Diät und mehr Bewegung vor. Eine diabetesgerechte Ernährung beinhaltet die Zufuhr aller essenziellen Nahrungsbestandteile, fettarmes, kohlenhydrat- und ballaststoffreiches Essen, sowie die Erhaltung bzw. Erzielung des Idealgewichts bzw. den Abbau von Übergewicht bei Typ 2-Diabetes.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, beginnt die Therapie mit unterschiedlichen Wirkstoffen, die in Tablettenform eingenommen werden. Dabei handelt es sich um sogenannte oralen Antidiabetika, die zum Teil einen günstigen Einfluss auf die Gewichtsreduzierung haben und eine flexible Ernährung ermöglichen.

Wenn diese Medikamente nicht mehr in der Lage sind eine möglichst normale Blutzuckereinsteilung zu gewährleisten, sollte schnellst möglich die Therapie mit Insulin begonnen werden. Aktuell spritzen etwa 1,4 Millionen Diabetiker in Deutschland Insulin.

Kosten des Diabetes mellitus

Bis zur Diagnose des Diabetes vergehen oft viele Jahre in denen der Blutzucker meist zu hoch ist und dadurch bereits die ersten feinen Gefäße und Nerven geschädigt sind. Gerade vor dem Hintergrund des angeschlagenen Gesundheitssystems gewinnt die Prävention zunehmend an Bedeutung. Denn wie die CODE-2-Studie ergab, liegen die Gesamtkosten für Typ-2-Diabetiker in Deutschland höher als bislang angenommen.

Im Jahr 1998 betrugen sie 16,1 Milliarden Euro. Allein die gesetzlichen Krankenversicherungen gaben 9,5 Milliarden Euro für die Behandlung dieser Patienten aus. Die Hälfte der Krankenversicherungskosten entfielen auf die stationäre, 13 Prozent auf die ambulante Therapie. Die Kosten für die direkte Diabetes-Medikation (Insulin, orale Antidiabetika) machen gerademal sieben Prozent der Gesamtkosten aus. Sobald ein Patient an den Spätfolgen des Diabetes erkrankt, vervierfachen sich die Ausgaben im Vergleich zu einem durchschnittlichen gesetzlich Krankenversicherten.

Allein sieben Prozent der Krankenversicherungskosten kommen durch Arbeitsunfähigkeit zustande. Zudem ist jeder zehnte Typ-2-Diabetiker Frührentner, wodurch nach Angaben der CODE-2 Studie pro Patient indirekte, zusätzliche Kosten von 688 Euro im Monat entstehen. Die Kosten und nicht zuletzt das Leid der Patienten könnten deutlich verringert werden, wenn die Kontrolle des diagnostizierten Diabetes erheblich intensiviert wird.

Mit der hohen Begleit- und Folgemorbidität von Diabetes gehen hohe Kosten einher. Aktuell betragen diese etwa zehn Prozent der derzeitigen Ausgaben des deutschen Gesundheitssystems. Dies entspricht einem Betrag von ca. 30 Mrd. Euro.

Literaturangaben

  • Ambulante Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus im Jahre 2001, H. Hauner et a/., Deutsche Medizinische Wochenschrift 128,2638-2643,2003
  • Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2004. Hrsg: Deutsche Diabetes-Union, Verlag Kirchheim + Co GmbH
  • Diabetologie in Klinik und Praxis, Hellmut Mehnert, Eberhard Standl, Klaus-Henning Usadei, Hans-U!rich Häring, Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, 2004
  • Global burden of diabetes, 1995-2025, H. King et a/., Diabetes Care, 21, 1414-1431, 1998, Kosten des Typ-2-Diabetes in Deutschland -Ergebnisse der CODE-2-Studie, A. Lieb! et a/" Deutsche Medizinische Wochenschrift, 126,585-589,2001
  • "Diabetes Atlas Second Edition Executive Summary", IDF 2012 (Weltdiabetesverband)