Was ist eine Ketoazidose?

Ketoazidose

Eine Ketoazidose ist eine Stoffwechselstörung, die vor allem bei Menschen mit Diabetes mellitus auftritt (diabetische Ketoazidose). Eine Ketoazidose kann sich durch unterschiedliche Symptome äußern, die von der sogenannten Kussmaul-Atmung bis hin zu einem Koma reichen können. Erfahren Sie hier, was eine Ketoazidose genau ist, wie sie entsteht und welche Möglichkeiten der Therapie zur Verfügung stehen.

Was bedeutet Ketoazidose?

Das Wort Ketoazidose setzt sich zusammen aus den Begriffen Azidose und Ketose.

Eine Azidose bezeichnet eine saure Stoffwechsellage des Körpers, der pH-Wert des Blutes liegt im sauren Bereich (<7,35). Ursächlich ist das Überwiegen von sauren Substanzen im Blut wie zum Beispiel von Kohlenstoffdioxid (CO2)  und Wasserstoffionen (H+).

Eine Ketose ist ein Überschuss von sogenannten Ketonkörpern im Blut. Dabei handelt es sich um Zuckerersatzstoffe, die der Körper selbst herstellen kann und die saure Eigenschaften haben.

Zusammengenommen besagt eine Ketoazidose also, dass im Blut so viele saure Ketonkörper vorliegen, dass der pH-Wert des Blutes in den sauren Bereich abgesunken ist. Die Ketoazidose gehört im Gegensatz zu den respiratorischen Azidosen, die durch Atemprobleme verursacht werden, zu den metabolischen Azidosen (Stoffwechsel-Azidosen).

Warum entsteht eine Ketoazidose?

Die Ketonkörper bildet der Körper in der Leber als Ersatzstoffe für Zuckerteilchen (Kohlenhydrate), welche der Körper als Energiequelle für alle seine Funktionen braucht. Normalerweise entstehen Ketonkörper als Zwischenprodukt des Fettstoffwechsels und finden sich immer in geringen Mengen im Blut.

Ist jedoch nicht genug Zucker vorhanden, werden vermehrt Fettsäuren zu Ketonkörpern abgebaut und ins Blut freigesetzt. Ein Zuckermangel besteht zum Beispiel typischerweise bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), bei Hungerzuständen und beim Alkoholismus.

Eigentlich ist die Herstellung einer Zuckeralternative eine sinnvolle Maßnahme des Körpers, um uns die benötigte Energie trotz Zuckermangels bereitzustellen. Doch durch die sauren Eigenschaften der Ketonkörper kommt es zu Problemen.

Symptome einer Ketoazidose

Beschwerden aufgrund einer Ketoazidose entwickeln sich in der Regel langsam und über Tage hinweg. Als Symptome können Bauchschmerzen, Erbrechen und Fieber auftreten.

Im Fall einer diabetischen Ketoazidose geht oft ein fieberhafter Infekt voraus. Die Betroffenen verspüren starken Durst bei gleichzeitig häufigem Wasserlassen. 

Typisch für eine Ketoazidose ist eine tiefe Atmung, die sogenannte "Kussmaul-Atmung", da der Körper bei einer sauren Stoffwechsellage versucht, die sauren Substanzen abzuatmen. Außerdem kann der Atem azetonhaltig und somit süßlich und ein wenig wie fauliges Obst riechen.

Weiterhin kommt es zu Ausgleichsströmen von Blutsalzen (Elektrolyten). Geraten die Elektrolytverhältnisse aus dem Gleichgewicht, kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen, ebenso wie zu Nierenfunktionsstörungen und Wassereinlagerungen, welche besonders gefährlich für das Gehirn sind (Hirnödeme). Im Endstadium einer Ketoazidose drohen Schock und Koma.

Koma bei einer Ketoazidose

Ein Koma im Rahmen einer Ketoazidose wird "ketoazidotisches Koma" genannt und entsteht typischerweise bei Menschen mit einem Diabetes mellitus Typ 1 ("Coma diabeticum" genannt). Im Fall des Typ 1 besteht ein vollständiger Insulinmangel, im Gegensatz zum Diabetes mellitus Typ 2, welcher noch ein wenig Insulin produzieren kann.

Das Hormon Insulin transportiert die Zuckermoleküle in die Zellen, wo sie als Energielieferanten benötigt werden. Steht kein Insulin zur Verfügung, verbleiben die Zuckermoleküle im Blut (Hyperglykämie) und fehlen in den Zellen.
Kompensatorisch werden die Ketonkörper gebildet. Durch die darauf folgende Übersäuerung des Blutes kann es zu Bewusstseinsstörungen von Ohnmacht bis hin zu einem Koma kommen.

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Therapie einer Ketoazidose

Die Behandlung einer Ketoazidose ist abhängig davon, wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist. Liegt der Betroffene im Koma, besteht ein Notfall und es müssen sofort intensivmedizinische Maßnahmen im Krankenhaus ergriffen werden. Atmung und Kreislauf müssen gesichert sowie die inneren Organe vor einem Versagen geschützt werden.

Wichtig ist stets eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, welche über einen intravenösen Zugang erfolgt. Liegt eine ausgeprägte Azidose vor und ein sehr niedriger pH-Wert des Blutes, können Ausgleichsstoffe gegeben werden, welche die saure Stoffwechsellage im Blut abpuffern. Um den Elektrolythaushalt wieder auszubalancieren, ist oftmals eine Natrium- oder Kaliumsubstitution nötig.

Im Fall einer diabetischen Ketoazidose wird Insulin gegeben, um die Zuckermoleküle in die Zellen transportieren zu können. Diabetiker sollten von ihrem Arzt über die Gefahr der Ketoazidose aufgeklärt werden und Empfehlungen für das richtige Verhalten bei ersten Anzeichen der Stoffwechselentgleisung erhalten.