Schilddrüse

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Solange die Schilddrüse ihren Dienst tut, nehmen wir sie kaum wahr. Doch sobald die Schilddrüse aus dem Takt gerät, kann das Probleme verursachen. Denn die Schilddrüse reguliert als Organ wichtige Stoffwechselvorgänge im Körper. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Schilddrüse lesen Sie hier.

Warum ist die Schilddrüse so wichtig?

Auch wenn das zierliche Organ in unserem Hals nicht mehr als federleichte 25 Gramm auf die Waage bringt, übernimmt die Schilddrüse eine ganze Reihe von Funktionen in unserem Körper. So produziert sie verschiedene Hormone, die wie „Antreiber“ auf den Stoffwechsel wirken. Sie sorgen etwa dafür, dass unser Organismus Nahrung schnell und gut verwertet, dass Herz und Kreislauf reibungslos arbeiten und unser Gehirn auf Trab kommt, weil die Nervenzellen schneller reagieren. Die Schilddrüsenhormone beeinflussen sogar unsere Psyche und unser Liebesleben und sorgen für ein gesundes Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln. Kurz: Gerät das kleine Multitalent aus dem Gleichgewicht, kann das zu sehr unterschiedlichen Beschwerden im Körper führen.

Welche Schilddrüsenkrankheiten gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Vergrößerungen der Schilddrüse wie dem Kropf bzw. dem Struma, Autoimmunkrankheiten wie Morbus Basedow oder die Hashimoto-Thyreoiditis, gut- und bösartigen Tumoren sowie Störungen der Organentwicklung. Alle diese Schilddrüsenerkrankungen können verschiedene Ursachen haben und zu Störungen der Hormonproduktion führen. Stellen die Zellen der Schilddrüse infolge dieser Krankheiten zu viele Hormone her, spricht man von einer Schild- drüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Produzieren sie zu wenige, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor (Hypothyreose).

Wie bemerkt man eine Schilddrüseüberfunktion?

Steigt der Spiegel der Schilddrüsenhormone im Blut dauerhaft stark an, läuft der Stoffwechsel ständig auf Hochtouren. Folge: Der Körper verbraucht mehr Energie als gewöhnlich. Das führt zu einer Gewichtsabnahme, die Betroffenen klagen zudem oft über Schlafstörungen, übermäßiges Schwitzen und zitternde Hände, sie fühlen sich überdreht und leicht reizbar. Weitere Anzeichen können Durchfall, Haarausfall, ein erhöhter Blutdruck, Zyklusstörungen und Muskelschwäche sein. Eine Überfunktion kann zudem für das Herz gefährlich werden, da es ständig zu Höchstleistungen getrieben wird. Überfunktionen der Schilddrüse nehmen mit dem Alter zu, besonders Frauen über 45 verwechseln die Symptome dann leicht mit einsetzenden Wechseljahrsbeschwerden. Die häufigsten Formen einer Überfunktion sind die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow, bei der das eigene Immunsystem die Schilddrüse angreift, sowie die „autonome Hyperthyreose“, die vor allem bei älteren Menschen auftritt und mit einer knotig veränderten Schilddrüse (Knotenstruma) einhergeht. Wichtig: Da Symptome einer Überfunktion auch bei anderen Schilddrüsenerkrankungen auftreten können, sollte eine sichere Diagnose nur durch einen Arzt erfolgen.

Woran erkenne ich eine Schilddrüseunterfunktion?

Bei einer Unterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenig oder keine Hormone, wodurch sich der Stoffwechsel verlangsamt. Die Symptome sind deshalb meist genau umgekehrt zu einer Überfunktion: Man nimmt an Gewicht zu, fühlt sich schlapp, müde und depressiv und friert ständig. Auch häufiges Hüsteln und trockene Haut sowie dünne und brüchige Haare können auf eine Unterfunktion hindeuten. Weitere Warnzeichen: Wassereinlagerungen im Gewebe, Verstopfungen, eine verminderte Libido und das Gefühl, ständig einen Kloß im Hals zu haben. Oft vergrößert sich die Schilddrüse, und es bildet sich ein Knoten oder Kropf. Eine Ursache für eine Unterfunktion ist ein Mangel an Jod im Körper – ohne das Spurenelement kann die Schilddrüse keine Hormone bilden. Auch eine vorausgegangene Schilddrüsenoperation oder eine chronische Entzündung der Drüse (Hashimoto-Thyreoiditis) können eine Rolle spielen. Bei dieser entzündlichen Erkrankung bildet der Körper Abwehrstoffe gegen das eigene Schilddrüsengewebe.

Wie stellt der Arzt eine Schilddrüsenerkrankung fest?

Zunächst wird sich der Arzt ausführlich mit Ihnen über die Beschwerden unterhalten, um sich ein erstes Bild machen zu können. Anschließend wird er Sie untersuchen und Ihnen Blut abnehmen. Neben dem normalen Blutbild lässt er im Labor auch den Thyreotropin-Wert (TSH) bestimmen. Dieses Hormon wird von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet und stimuliert unter anderem die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Ist der TSH-Wert nicht im Normbereich, müssen auch die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) gemessen werden. Eine weitere Diagnosemöglichkeit ist die Sonografie, im Volksmund auch als Ultraschall bezeichnet. Mit Hilfe eines Ultraschallgerätes untersucht ein Allgemeinmediziner oder Radiologe die Größe und die Beschaffenheit des Schilddrüsengewebes. Auf diese Weise lassen sich auch Knoten, Zysten und Verkalkungen erkennen.

Muss die kranke Schilddrüse operiert werden?

In den meisten Fällen muss man nicht unters Messer. Eine Unterfunktion kann gut mit Medikamenten behandelt werden. Dabei wird das fehlende Hormon durch Tabletten ersetzt. Die richtige Dosis ist jedoch individuell verschieden und muss durch Herantasten gefunden werden. Die Medikamente müssen dann in der Regel lebenslang eingenommen werden. Bei einer Überfunktion können die Symptome je nach Ursache der Erkrankung ebenfalls mit Medikamenten gelindert werden. Dabei bremsen zunächst sogenannte Schilddrüsenblocker (Thyreostatika) die überschüssige Hormonproduktion. Die Medikamente werden in Regel eingenommen, bis sich die Schilddrüsenwerte normalisiert haben. Nach dieser Zeit entscheidet der Arzt über das weitere Vorgehen. Zu einer Operation raten Ärzte meist nur bei einer stark vergrößerten Schilddrüse oder sogenannten „kalten Knoten“. Das ist funktionsloses Schilddrüsengewebe, das sich in seltenen Fällen krebsartig verändern kann. Bei der Operation wird versucht, genau so viel des Schilddrüsengewebes zu entfernen, dass der verbleibende Rest der Schilddrüse den Körper mit nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Hormonen versorgt. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Gabe von radioaktivem Jod, das in der Schilddrüse gespeichert wird und aktives Gewebe zerstört. Dadurch normalisiert sich der Stoffwechsel nach und nach. Mit der Radiojod-Therapie können etwa die Basedow-Krankheit oder sogenannte „heiße Knoten“, die unkontrolliert Hormone produzieren, gut behandelt werden.

Ist Schilddrüsenkrebs häufig?

Nein, ein bösartiger Tumor, der von den Zellen der Schilddrüse ausgeht, ist selten. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 5000 Menschen daran. Schilddrüsenkrebs gehört damit zu den seltenen Krebsarten.

Wie beugt man am besten Schilddrüsenkrankheiten vor?

Gut für die Schilddrüse ist eine jodreiche Ernährung. Gute Quellen sind Seefisch und jodiertes Speisesalz. Wer bereits an der Schilddrüse erkrankt ist, sollte mit seinem Arzt sprechen, um Überdosierungen zu vermeiden. Erkrankungen wie Morbus Basedow kann man jedoch nicht vorbeugen.