Gefäße - Straßen unseres Körpers

In wenigen großen und unendlich vielen kleinen Arterien und Venen fließt das Blut durch unseren Körper – insgesamt sechs Liter Blut werden so ständig vom Herzen bewegt. Doch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache – denn Arterienverkalkung und Bluthochdruck setzen den Gefäßen zu.

Aufbau und Funktion

Das Herz pumpt das mit Sauerstoff angereicherte Blut mit kräftigem Druck in die entferntesten Körperregionen. Dabei fließt das Blut durch dieAorta in andere große Arterien, die sich in kleinere und kleinste Arterien aufteilen. Diese kleinsten Arterien enden schließlich in den Organen, wo die Blutbestandteile ihre Aufgabe erfüllen: Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen oder Abwehr von Krankheitserregern.

Der Rücktransport des Blutes in Richtung Herz geschieht in anderen Gefäßen, den Venen. Während Arterien wegen des starken Blutdrucks eine relativ dicke, elastische Wand haben, sind Venen nur von einer dünnen Wand umhüllt und haben türähnliche Klappen. Das Blut wird durch die Bewegung der Muskeln, die sich in der Nähe befinden, in den Venen Richtung Herz gedrückt – der Rückfluss wird durch die Klappen verhindert. Bei Menschen, die sich wenig bewegen, fließt das Blut nur langsam von den Beinen ins Herz zurück – so entstehen leicht Krampfadern.

Blut stellt die wichtigste Körperflüssigkeit dar, doch daneben gibt es noch die Lymphflüssigkeit, die in feinsten Lymphbahnen durch das Gewebe fließt und Abbauprodukte des Stoffwechsels und Abwehrzellen transportiert. Die Bedeutung dieses weniger bekannten Flüssigkeitstranports wird meist erst im Erkrankungsfall bemerkt – wie beim Lymphödem oder der Elephantiasis.

Beschwerden an den Gefäßen

In den Arterien kann eine Verengung bis hin zum kompletten Verschluss oder eine Blutung auftreten. Verengte Gefäße bedeuten Durchblutungsstörung (Ischämie) mit weniger Sauerstoff und Nährstoffen für die Organe – Schmerzen, Blässe und Schwäche sind die Folgen. Am Herzen entsteht so die KHK, im Gehirn der Schlaganfall und an den Beinen die arterielle Verschlusskrankheit.

Typische Venenbeschwerden sind dicke Beine nach langem Stehen oder Besenreiser und Krampfadern. Wenn der Blutfluss zu langsam wird, können sich Gerinnsel bilden – so entsteht eine Thrombose. Auch Thrombosen sind Venenerkrankungen, eher selten treten sie auch in einer verkalkten und verengten Arterie auf.

Darüber hinaus führen Abweichungen des Blutdrucks vom Normbereich zu Beschwerden: zu niedriger Blutdruck kann Schwindelgefühl oder einen Kreislaufkollaps verursachen, zu hoher Blutdruck hingegen Herzklopfen, Schweißausbrüche oder auch Nasenbluten – und ist langfristig Nährboden für Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Nierenversagen.

Ärztliches Vorgehen

Anamnese (Krankheitsgeschichte erfragen): Alle Beschwerden können durch gezieltes Fragen weiter eingegrenzt werden. So können Schmerzen in den Beinen nach kurzer Wegstrecke oder erst nach langem Gehen auftreten. Beginn und Lokalisation der Schmerzen (ob in Unter- oder Oberschenkel) zeigen dabei an, in welcher Höhe die Arterien verstopft sind.

Inspektion (Betrachten) und Auskultation (Abhören): Sichtbares Zeichen für eine Ischämie in den Beinen ist Blässe. Verengte Halsarterien machen manchmal ein schwirrendes Geräusch – und eine Aussackung (Aneurysma) der Bauchaorta kann man vorsichtig ertasten.

Blutdruckmessung: Die Methode gehört zum Standard jeder Untersuchung – doch richtig Blutdruckmessen ist gar nicht so leicht!

Blut- und Urinuntersuchungen: Risikofaktoren wie zu hoher Blutzucker, zu hohe Blutfette oder Cholesterinwerte werden bestimmt und dann nach Medikamenteneinnahme kontrolliert. Eiweiß im Urin zeigt an, wie stark der Bluthochdruck die Niere geschädigt hat.

Röntgen und Ultraschall: Im Röntgenbild kann man Gefäße gut sehen, wenn man sie mit Kontrastmittel füllt. Diese Untersuchung gibt es für Arterien (Angiographie) und für Venen (Phlebographie). Moderne Ultraschallgeräte sind in der Lage, den Blutfluss in den Gefäßen und Ablagerungen an den Gefäßwänden wie Kalk oder Blutgerinnsel sehr genau darzustellen.

Computertomographie und Magnetresonanztomographie: kommen bei einem Schlaganfall oder einer Arterienaussackung zum Einsatz, um beispielsweise die Ausbreitung festzustellen.

Folgen einer Arterienverengung

Zu hoher Blutdruck oder eine ungesunde Veränderung der Blutbestandteile mit zuviel Blutzucker, hohen Blutfetten und Cholesterin oder zu wenig Homocystein führen auf Dauer zur Arterienverkalkung – das ist meist der Grund für eine Arterienverengung. Aber auch ein Blutgerinnsel kann die Blutbahn verstopfen. Verengte Arterien führen zu einer Sauerstoffminderversorgung (Ischämie) und schlimmstenfalls zum Absterben (Infarkt) von Organen. So zeigt sich eine Ischämie der Beine in der Schaufensterkrankheit, eine Ischämie des Herzens (KHK) in einem Angina-pectoris-Anfall.

Ein besonderes Problem stellt der Schlaganfall dar, der durch eine Ischämie im Gehirn ausgelöst wird. Dafür ist meist ein Arterienverschluss verantwortlich, seltener eine Hirnblutung. Ein Schlaganfall kann sich durch Kribbeln oder Taubheit in Armen oder Beinen ankündigen, Lähmungen, Sprach- und Sehschwierigkeiten folgen.

Zu niedriger Blutdruck ist lästig – aber zu hoher Blutdruck führt auf Dauer zu einer massiven Beeinträchtigung der Gefäße und hat schwerwiegende Folgen wie Herzinsuffizienz, hypertone Retinopathie oder ein chronisches Nierenversagen. Ein wichtiger Risikofaktor für Bluthochdruck und Arteriosklerose stellt Diabetes mellitus dar. Bereits während der Vorstufe Insulinresistenz werden die Gefäße durch den hohen Blutzucker geschädigt.

Daneben spielt auch der Risikofaktor Übergewicht – wenn das Fett gefährlich verteilt ist – eine wichtige Rolle bei der Gefäßschädigung. Zu einem Aortenaneurysma kommt es meist dann, wenn die Wand der Aorta durch Verkalkung so geschädigt ist, dass eine Aussackung entstehen kann.

Erkrankungen der Venen

Venenerkrankungen reichen von kosmetisch unschönen Besenreisern bis zu einem offenen Bein – je nachdem wie stark die Venen und Venenklappen geschädigt sind. Wenn der Abfluss der Lymphbahnen gestört wird – bei Verletzung, Bestrahlung (z.B. im Rahmen einer Krebsbehandlung) oder durch Druck auf die Lymphbahnen (z.B. durch enge Kleidung oder einen Tumor) – kommt es zu einer Schwellung des betreffenden Körperteils, dem Lymphödem.

Da Gefäßkrankheiten oft zusammen mit dem "tödlichen Quartett" auftreten, sind Reduktion von Übergewicht, medikamentöse Behandlung einer Fettstoffwechselstörung mit einem Statin, Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes oder einer Insulinresistenz erste Therapiemaßnahmen.

Behandlung von Gefäßerkrankungen

Gängige Medikamente sind Beta-Blocker, um den Blutdruck zu normalisieren, und Acetylsalicylsäure, um das Herzinfarktrisiko zu senken und das Blut zu "verdünnen". Bei der Tabletteneinnahme muss der richtige Einnahmezeitpunkt beachtet werden, sonst wirkt das Medikament nicht ausreichend. Verstopfte Arterien an Hals, Armen und Beinen können heute oft minimalinvasiv mit einem Katheter aufgedehnt werden – ähnlich wie es am Herzen mit einem Herzkatheter üblich ist und wie auch Herzoperationen inzwischen minimalinvasiv durchgeführt werden. Wenn die Durchblutung nicht wiederhergestellt werden kann, stirbt der Körperteil ab – es muss amputiert werden. Dabei entstehen an Beinen und Armen oft Phantomschmerzen.

Nach einem Schlaganfall ist eine optimale Betreuung in einer Stroke-Unit besonders wichtig, um die Gehirnschäden so gering wie möglich zu halten. Dabei scheint Ultraschall eine vielversprechende neue Behandlungsmethode zu sein. Venenerkrankungen werden mit verschiedensten Operationsarten behandelt – dabei sind Verödung, Lasertherapie und Radiowellen nur einige von vielen. Selbstverständlich gibt es für jede Krankheit ein spezielles Vorgehen mit Medikamenten oder Operationen – nähere Angaben finden Sie bei der jeweiligen Erkrankung.

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Vorbeugende Maßnahmen

Um Arteriosklerose und Bluthochdruck vorzubeugen, sollten am besten schon im Jugendalter gesunde Ernährung, ein bewusster Umgang mit Cholesterin, viel Bewegung und Stressabbau selbstverständlich sein. Dabei ist mediterrane Kost mit Olivenöl, Zwiebeln und Knoblauch sowie Rotwein (richtig dosiert) besonders empfehlenswert.

Gerade bei Bluthochdruck ist die Lebensweise entscheidend: Rauchstopp und ein sensibler Umgang mit Salz und Lebensmitteln wie Lakritze sollten selbstverständich sein. Wichtig sind auch die regelmäßigen Gesundheits-Checks wahrzunehmen und bei Verdacht auf eine Herzerkrankungen den Arzt aufzusuchen.

Im Sommer sollten Herz-Kreislauf-Patienten besonders auf sich achten – und wussten Sie schon, dass die Grippeimpfung offenbar das Herzinfarkt-Risiko senkt? Wenn Sie fliegen, denken Sie an das Thrombose-Risiko und helfen Sie Ihrem Körper mit Bewegungsübungen und viel Flüssigkeit. Müden oder kranken Venen kann man gut mit Fitness begegnen – auch Kompressionsstrümpfe und Rosskastanien- oder Weinlaubextrakte wirken Wunder.