Demenz: Früherkennung

Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland, so schätzt man, leiden unter einer Demenzerkrankung. Betroffen sind vor allem Menschen, die älter sind als 65 Jahre. Demenzkranke vergessen Dinge, die für ihr tägliches Leben von Bedeutung sind und können den Alltag ab dem mittelschweren Stadium der Erkrankung nicht mehr allein bewältigen. "Die Früherkennung von Demenzerkrankungen ist ganz wichtig, damit die Betroffenen rechtzeitig Hilfe bekommen", erklärt Privatdozent Dr. Elmar Gräßel, Arzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen und Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Mittelfranken e.V. "Die Kranken brauchen ärztliche Betreuung und häufig auch Medikamente. Sie benötigen außerdem die Unterstützung ihrer Angehörigen, Nachbarn oder professioneller Dienste."

Aus eigenem Antrieb gehen Betroffene wegen einer Demenzsymptomatik eher nicht zum Arzt. Um jedoch gut helfen zu können, ist eine rechtzeitige Diagnosestellung notwendig. Angehörige sollten deshalb bei Verdacht auf eine Demenzerkrankung den Betroffenen begleiten: Sie können dem Arzt schildern, was sie beobachtet haben. Neben der Erhebung der Vorgeschichte wird der Arzt eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen.

Erinnerungsvermögen lässt nach

Bei Demenzkranken lässt nicht nur das Erinnerungsvermögen nach, sondern auch die Fähigkeit, klar zu denken und Zusammenhänge zu erkennen. Ähnliche Anzeichen wie bei Demenz können aber auch durch eine starke emotionale Belastung entstehen oder ihren Grund in einer depressiven Erkrankung haben. Zwar können die meisten Demenzerkrankungen nicht geheilt werden, es gibt aber einige behandelbare Ursachen. Dr. Gräßel: "Das sind zum Beispiel Demenzen, die durch vermehrte Hirnwasserbildung, Medikamente, Schilddrüsenerkrankungen oder Vitaminmangel bedingt sind." Auch Depressionen können in der Regel gut behandelt werden.

Frühe Hinweise auf eine beginnende Demenzerkrankung sind

  • Gehäuftes Auftreten von Vergesslichkeit mit Auswirkungen auf die Arbeit, unerklärliche Verwirrtheitszustände.
  • Schwierigkeiten mit gewohnten Handlungen, zum Beispiel vergessen Menschen mit Demenz, wie man telefoniert.
  • Sprachprobleme: Demenzkranke vergessen Worte und benutzen unpassende Füllwörter, wodurch die Sätze schwer verständlich werden.
  • Räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme: Die Betroffenen erkennen ihre gewohnte Umgebung nicht mehr und finden plötzlich den Weg nach Hause nicht mehr.
  • Eingeschränkte Urteilsfähigkeit kann sich darin äußern, dass die Menschen sich völlig unangebracht kleiden und zum Beispiel im Bademantel einkaufen gehen.
  • Probleme mit abstraktem Denken: Menschen mit Demenz haben Schwierigkeiten, Zahlen einzuordnen oder einfache Rechnungen durchzuführen.
  • Gegenstände werden liegengelassen oder an falschen Plätzen einsortiert, wie etwa eine Uhr in die Zuckerdose.
  • Die Stimmung der Menschen schwankt abrupt ohne erkennbaren Grund.
  • Die Persönlichkeit verändert sich: Jemand, der sonst immer freundlich ist, wird plötzlich ärgerlich, ängstlich oder eifersüchtig.
  • Demenzkranke verlieren den Schwung bei der Arbeit und das Interesse an ihren Hobbys, ohne Freude an neuen Aufgaben zu finden.

Steht die Diagnose fest, können außer der medizinischen Betreuung weitere Hilfsmaßnahmen organisiert werden. "Da nicht nur die Betroffenen selbst unter ihrer Erkrankung leiden, sondern auch die nahen Angehörigen, sollten sie sich frühzeitig über die Erkrankung informieren. Bei Angehörigengruppen und Beratungsstellen finden sie Unterstützung", rät Dr. Elmar Gräßel. (psg)