MS: Multiple Sklerose

Schätzungsweise eine halbe Million Menschen in Deutschland leiden an der heimtückischen Krankheit Multiple Sklerose (MS). Der Krankheitsverlauf kann sich von Patient zu Patient dramatisch unterscheiden; darüber hinaus kann die Verlaufsform sich über die Zeit teilweise erheblich ändern. Mit dem nicht kalkulierbaren Verlauf dieser chronischen Erkrankung ist eine erhebliche psychische Belastung der Patienten verbunden. Die Verbreitung der MS ähnelt derjenigen einer Infektionskrankheit, die vor allem in den gemäßigten Klimazonen anzutreffen ist. Meist sind Frauen mittleren Alters (35-40 Jahre) von der Erkrankung betroffen, sie erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Männer. In anderen Weltgegenden (z.B. Südostasien) hingegen ist MS so gut wie unbekannt.

Ursachen und Auslöser

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, deren Auslöser bis heute nicht bekannt sind. Allerdings werden harmlose Infektionskrankheiten wie Röteln oder Masern als MS Ursachen heiß diskutiert – die Verbreitung der Erkrankungsfälle in Mitteleuropa könnte darauf hindeuten. Was auch immer der Auslöser sein mag – die Folgen sind schwerwiegend: Die Zellen des Immunsystems greifen irrtümlicherweise körpereigenes Gewebe an, schädigen und zerstören es; man spricht in diesem Zusammenhang von einer Autoimmunerkrankung. Genauer gesagt werden die fetthaltigen Umhüllungen der Nervenzellen des Gehirns (die so genannten Myelinscheiden) geschädigt und zerstört. Die Myelinscheiden legen sich als Isolierschicht um die langen Ausläufer der Nervenzellen; ihre Aufgabe ist die schnelle Reizleitung innerhalb des Gehirns. Sind die Myelinscheiden zerstört, sind Ausfälle von Motorik und Sensorik die Folge – abhängig davon, wo genau im Gehirn der infektiöse Herd lokalisiert ist. Der Krankheitsverlauf ist von Patient zu Patient unterschiedlich und kann nicht vorhergesagt werden. So kann sich der Verlauf innerhalb von wenigen Monaten oder Jahren mehrmals verändern – vom Stillstand hin zu fortschreitender Behinderung im progressiven Verlaufsfalle.

Symptome und Diagnose

Zu den eher typischen Anfangssymptomen zählen Sehstörungen wie z. B. das Sehen von Doppelbildern sowie Blasenschwäche. Die eher unspezifischen MS Symptome müssen im Rahmen der Diagnose z.B. von der häufig vorkommenden, von Zecken übertragenen Borreliose unterschieden werden; bei beiden Erkrankungen können Schädigungen des zentralen Nervensystems nachgewiesen werden. Aber auch zerebrale und spinale Tumoren und Autoimmunerkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Bei rund 85% der Patienten treten schubartige Verschlechterungen des Krankheitsbildes auf; die Schubhäufigkeit hängt vom Lebensalter der Patienten ab und ist in jüngeren Jahren häufiger zu beobachten. Der gesundheitliche Zustand des Patienten ist 1-2 Monate nach Ende des Schubes meist wieder deutlich verbessert. Die Rückbildung der akuten Symptome hängt allerdings vom Krankheitsverlauf ab, der schwer vorhersagbar ist. Etwa zwei Drittel der Patienten weisen einen Übergang in einen so genannten sekundär-progredienten Verlauf auf, bei dem eine fortschreitende Verschlechterung nachzuweisen ist. Nur 5% der Patienten leiden unter schweren Behinderungen.

Behandlung und Therapie

Derzeit gibt es leider noch keine ursächliche MS Therapie. Da Multiple Sklerose nicht heilbar ist, kommt der symptomatischen Behandlung der MS eine große Bedeutung zu. Mit den auf dem Markt befindlichen Medikamenten wird die Immunabwehr generell geschwächt und damit auch die irrtümliche Zerstörung der körpereigenen Myelinscheiden verlangsamt. Die medikamentöse Behandlung der verschiedenen Symptome lindert die Beschwerden und erhöht dadurch die Lebensqualität. Für die MS Therapie hat sich eine Stufentherapie bewährt: 1. Basistherapie Intramuskulär oder intracutan injizierte Immunmodulatoren (Interferon- beta oder Glatiraminacetat) verringern die Schubhäufigkeit und auch die Schwere der Schübe. 2. Zytostatika Schreitet die Erkrankung trotzdem fort, werden niedrig dosierte Zytostatika verwendet, wie sie auch in der Krebstherapie zum Einsatz kommen. 3. Behandlung akuter Krankheitsschübe Im Falle eines akuten Schubes (Verschlechterung des Gesundheitszustandes über 24 Stunden hinweg) werden intravenös hochdosierte Glucokorticoide (Cortison) verabreicht. Hiermit wird die Schwere des Schubes verringert und der Schub insgesamt verkürzt. Abhängig vom Zustand des Patienten sind Krankengymnastik sowie Bewegungstherapie weitere Eckpfeiler der Behandlung. Die krankengymnastischen Übungen helfen Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.