Wahrnehmung - Im Blick der Wissenschaften
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Sobald sich das Gehirn einen Reim auf das Wahrgenommene gemacht hat, entscheidet es blitzschnell, ob Aktionen notwendig sind. Ein lautes Hupen auf der Straße führt zu einem Sprung auf den rettenden Fußweg, ein Zischen im Gras dazu, dass ich mich zur Geräuschquelle drehe und ausweiche, um nicht von der Schlange gebissen zu werden. Ein Hupen im Fußballstadium wird dagegen kaum eine spezielle Reaktion bei mir auslösen, das Zischen beim Öffnen einer Sprudelflasche ruft vermutlich eher Aufmerksamkeit hervor, wenn es fehlt.
Hält die Schaltzentrale Aktionen für nötig, schickt es die entsprechende Aufforderung an die jeweiligen Körperstellen – die Füße hüpfen, die Hand zuckt weg oder hin, die Augen öffnen sich oder werden zusammen gekniffen. Ob eine Reaktion erfolgreich ist und was danach passiert, darüber wird das Gehirn dann wieder durch die entsprechenden Sinnesorgane informiert.
Im Blick der Wissenschaften
Was Wahrnehmung ist, wie sie funktioniert, warum und wie sie gestört sein oder getäuscht werden kann, welche Rolle sie für uns oder für andere Bereiche (z.B. Werbung) spielt – diese Aspekte werden in vielen Gebieten beleuchtet, so in der Psychologie, Medizin (insbesondere Sinnes- und Neurophysiologie), Physik und Chemie, aber auch der Philosophie und Soziologie. In der Psychologie existieren dabei eine Vielzahl verschiedener Fachdisziplinen und Denkansätze – hier eine Auswahl:
- Psychophysik: sucht nach mathematisch beschreibbaren Zusammenhängen zwischen den physikalischen Eigenschaften eines Reizes und der dadurch ausgelösten subjektiven Empfindung.
- Gestaltpsychologie: versucht Gesetzmäßigkeiten zu finden, nach denen Reize vom Gehirn ausgewählt und organisiert werden; diese Gesetze liegen z.B. vielen optischen Täuschungen zugrunde.
- Kognitive Wahrnehmungspsychologie: untersucht experimentell die wechselseitigen Einflüsse von Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken und Aktionssteuerung; der computationale Ansatz benutzt dafür Computermodelle, die versuchen, die Leistungen des Wahrnehmungssystems nachzubilden.
- Entwicklungspsychologie: beschäftigt sich mit der Entwicklung des Verhaltens; ein Teilaspekt dabei ist auch, wie sich die (kindliche) Wahrnehmung entwickelt.
- Ökologische Theorie der Wahrnehmung: geht davon aus, dass die Wahrnehmung darauf zielt, in einem Objekt den Nutzen zu erkennen, den es für das konkrete Handeln hat.
- Neuropsychologie: recht junges Arbeitsfeld, das mittels apparativer Techniken Hirnaktivitäten misst, die mit Wahrnehmungsprozessen verbunden sind.
Autor/Quelle: Dagmar Reiche


