Wahrnehmung - Täuschungen und Störungen
Täuschungen und Störungen
Da unsere Wahrnehmung nie 100%ig mit der Realität übereinstimmt, ist die Grenze zu Wahrnehmungstäuschungen oder -störungen fließend. So nehmen wir Farben wahr, obwohl das Licht selbst nicht farbig ist, sondern nur verschiedene Wellenlängen hat, die vom Sehorgan und Gehirn entsprechend interpretiert werden; viele Tiere nehmen z.B. Farben anders wahr als der Mensch.
- Optische Täuschungen als – normale – Seheindrücke die den objektiven Reizgegebenheiten widersprechen, kennt wohl jeder. Sie resultieren aus der Bau- und Funktionsweise der Augen, Fehldeutungen oder -einschätzungen. Platziert man z.B. einen Punkt jeweils in die Mitte von 6 kleinen und von 6 großen Punkten und betrachtet diese beiden Bilder nebeneinander, erscheint der Punkt in der Mitte der kleinen Punkte größer als im anderen Bild. Ein anderes Beispiel sind zwei parallele Linien, die gekrümmt erscheinen, wenn man zwischen sie ein Strahlengitter platziert.
- Wahrnehmungsstörungen sind dagegen Ursache einer – vorübergehend oder dauerhaft – eingeschränkten oder fehlerhaften Funktion des Sinnesorgans selber, der Leitungsbahn oder des Gehirns. Typisches Beispiel sind Halluzinationen – Wahrnehmungen, bei denen kein äußerer Reiz vorliegt –, z.B. als Folge von Gifteinwirkung (Alkohol, Drogen), bei körperlichen Erkrankungen (z.B. Epilepsie) oder psychischen Krankheiten (z.B. Schizophrenie). Dem Betroffenen erscheint diese Wahrnehmung real. Bei Pseudohalluzinationen, wie sie z.B. bei Schlafentzug vorkommen, merkt der Betroffene dagegen, dass er halluziniert. Bei Wahnwahrnehmungen liegen reale Reize vor, diese werden jedoch krankhaft uminterpretiert (z.B. ein zufälliges Autohupen wird als persönliches Signal wahrgenommen).
Im Verhältnis zur kontinuierlichen Reizeinwirkung aus der Umwelt treten Wahrnehmungsstörungen eher selten auf – ein Zeichen dafür, welche Meisterleistung unser Organismus ständig vollbringt.
Aktualisiert: 07.05.2012
Autor/Quelle: Dagmar Reiche
Autor/Quelle: Dagmar Reiche

