Lässt sich Schlaf nachholen?

Viele Menschen bekommen auch bei einem vernünftigen Lebensstil nicht genügend oder nur unregelmäßig Schlaf, zum Beispiel weil es ihr Beruf nicht anders ermöglicht. In einer Studie unterbreiten Forscher nun einen neuen Vorschlag: Man kann Schlaf ansparen. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell die Studie vor.
Schlafmangel ist Alltag
Chronischer Schlafentzug zählt für die meisten Amerikaner zum normalen Alltag. Aber Schlafmangel lässt sich nicht einfach ausgleichen, indem man samstags lange ausschläft. Seit Jahren wissen Schlafforscher aus ihren Untersuchungen, dass es eine Woche oder noch länger dauern kann, bis die Spuren verblassen, die Schlafmangel an der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit hinterlässt – sogar dann noch, wenn man wieder mehr geschlafen hat.
Folge von Schlafentzug
Eine Studie von Belenky und Mitarbeitern vom Walter Reed Army Institute of Research in den USA aus dem Jahre 2003 hat beispielsweise die Wirkung untersucht, die eine Woche Schlafmangel auf die Geistesgegenwart hat. Nach dem Schlafentzug konnten die Versuchsteilnehmer zur Erholung drei Tage lang jede Nacht mindestens acht Stunden schlafen. Die Ergebnisse zeigten, dass der „Erholungs”-Schlaf den Leistungsabfall in einem Test für Reaktionszeiten und bei anderen psychomotorischen Aufgaben nicht wieder vollständig rückgängig machte. Besonders sichtbar war dieser Effekt bei Testpersonen, die während der Woche Schlafmangel nur drei oder fünf Stunden pro Nacht schlafen durften.
Schlaf nachholen möglich?
In einer ähnlichen Untersuchung von 2008 gönnten Axelsson und sein Team am Karolinska-Institut in Stockholm Testpersonen fünf Tage lang jede Nacht nur vier Stunden Schlaf. Dann konnten sich die Versuchsteilnehmer eine Woche lang bei acht Stunden Nachtschlaf „erholen”. In Tests, die für längere Zeit Wachsamkeit erfordern, waren ihre Reaktionszeiten auch am Ende der Woche noch nicht wieder normal, sondern schwankten erheblich, obwohl sie sich selbst für nicht mehr schläfrig hielten.
Schlaf ansparen besser als nachholen
Nun fanden Rupp und seine Mitarbeiter in einer Studie heraus, die auch am Walter Reed Army Institute of Research durchgeführt wurde, dass Menschen sich viel schneller von einer Woche Schlafmangel erholten, wenn sie zuvor eine Woche lang Schlaf „angespart“ hatten. Testpersonen, die zur Vorbereitung eine Woche lang nachts zehn Stunden Bettruhe hatten, erholten sich deutlich besser vom Schlafmangel als eine Vergleichsgruppe mit ihrer gewohnten Bettruhe von durchschnittlich sieben Stunden. Wenn Sie also wissen, dass Ihnen eine Woche mit wenig Schaf bevor steht, versuchen Sie auf Vorrat zu schlafen und nicht erst danach. Denn um chronischen Schlafmangel auszugleichen, reicht einmal länger ausschlafen nicht.
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw
