Trigeminusneuralgie
Ein entspanntes Frühstück am Sonntagmorgen. Beim Kauen des leckeren Brötchens schießt blitzartig in einer Gesichtshälfte ein stechender Schmerz ein. Dieser ist zwar nach wenigen Sekunden vorbei, aber so heftig, dass die Tränen kommen. Der Name ist Programm: Trigeminus, der Drillingsnerv, ist die Bezeichnung für den fünften Hirnnerven, Neuralgie meint Nervenschmerzen. Bei der Trigeminusneuralgie schmerzt also meist einer, seltener zwei der drei Äste einer der beiden Trigeminusnerven, die symmetrisch große Teile des Gesichtes versorgen: der 1., selten betroffene, Ast vermittelt Empfindungen aus Tränendrüse, Augenhöhle und Stirn, der 2. (am häufigsten betroffene) Ast versorgt Gesichtshaut, Nasenschleimhaut, Oberlippe und Oberkieferzähne, der 3. Ast vermittelt Empfindungen im Unterkieferbereich und versorgt die Kau- und Mundbodenmuskeln. In Deutschland ist etwa jeder 3.000ste von einer Trigeminusneuralgie betroffen; vorwiegend Menschen im Alter von 50–70, Frauen etwas häufiger.
Wie entsteht diese Krankheit?
Je nach Ursache wird die weitaus häufigere klassische Trigeminusneuralgie unterschieden von der sekundären Trigeminusneuralgie, die auf dem Boden anderer Störungen entsteht. Bei der ersten Form wird der Nerv durch eine eng anliegende Blutgefäßschlinge jahrelang gereizt und schließlich seine Schutzhülle geschädigt. Dadurch kommt es zu einem "Kurzschluss“ zwischen sonst getrennt verlaufenden Nervenfasern, so dass normale Reize wie Berührungen als Schmerzempfindung wahrgenommen werden.
Bei der sekundären Trigeminusneuralgie kommt es zu Nervenschädigungen z.B. durch Druck eines Tumors, durch Herpesviren oder im Rahmen einer Multiplen Sklerose. Da die Ursache der klassischen Form lange unbekannt war, spricht man auch von der idiopathischen ("mit ungeklärter Ursache") und der nicht-idiopathischen Form.
Wie äußert sich die Krankheit?
Primäre Kopf- und Gesichtsschmerzen können sich durch eine breite Palette an Beschwerden äußern, die Schmerzen können von wenigen Sekunden bis Jahre reichen. Für die klassische Trigeminusneuralgie typisch sind die extrem kurzen, maximal 2 Minuten dauernden Attacken, die dafür aber bis zu hundert Mal am Tag auftreten können und extrem schmerzhaft sind – nicht verwunderlich, versorgt der Drillingsnerv doch den auch normalerweise schon sehr empfindlichen Gesichtsbereich. Die Schmerzen schießen blitzartig ein, werden als stechend oder brennend beschrieben und sind genau in dem Versorgungsbereich des betroffenen Trigeminus-Astes lokalisiert.
Ebenfalls typisch ist, dass die Attacken häufig durch Berührungen des Areals oder bestimmte Tätigkeiten ausgelöst werden: Kauen, Sprechen, Zähneputzen, Rasieren usw. Manchmal treten in der betroffenen Gesichtshälfte zusätzlich Tränen- oder Speichelfluss, Hautrötungen oder Muskelzuckungen auf.
Die Schmerzen sind meist so unerträglich, verlieren sie über Monate stark an Gewicht, da sie Angst haben zu kauen, und sie sind nicht selten selbstmordgefährdet. Wird der Trigeminus durch eine andere Grunderkrankung oder z.B. eine Zahnwurzelbehandlung gereizt, können die Symptome auch untypisch sein: So dauern die Schmerzen länger an, fallen dafür aber weniger stark aus, oder im Versorgungsgebiet des Nervs ist die Haut taub.