Hals, Nase und Ohren

Wenn eine Erkrankung von Hals, Nase oder Ohren vorleigt, werden die drei Körperteile meist zusammen behandelt. Dies ist auf die vielen Verbindungen, die es zwischen diesen wichtigen Sinnesorganen, mit denen wir hören, schmecken und riechen, gibt, zurückzuführen.

Aufbau und Funktion von Ohren, Nase und Hals

Die Funktion unserer Ohren ist bekannt: Wir hören mit ihnen alle Geräusche, die uns umgeben – oder die wir gerne um uns hätten, wie das Rauschen in der Muschel. So können wir uns orientieren, informieren und verständigen – ohne Gehör ist es fast nicht möglich, sprechen zu lernen. Die Bedeutung des Hörens zeigt sich auch in der Werbung – die Berücksichtigung des Sounddesigns ist für Autohersteller selbstverständlich.

Mit dem Ohr verbunden ist das Gleichgewichtsorgan, ohne das wir Probleme mit dem aufrechten Gang hätten. Das Mittelohr ist über die Eustachische Röhre mit dem hinteren Bereich der Nasenhöhle verbunden – so kann man Änderungen des Luftdrucks im Mittelohr durch Schlucken, Gähnen oder Kieferbewegungen ausgleichen (was beim Fliegen wichtig ist).

Die Nase ist zum Riechen da – aber nicht nur: Bevor die Atemluft in die Lunge gelangt, wird die Luft hier angefeuchtet und gereinigt. Geruchs- und Geschmackssinn sind eng miteinander verbunden – was man merkt, wenn beispielsweise bei Schnupfen das Riechen ausfällt und man auf einmal nichts mehr schmeckt! Wie eng die Sinne miteinander verbunden sind, ist uns normalerweise nicht bewusst – für Synästhetiker ist es jedoch normal, dass sie Geräusche z.B. farbig "sehen".

Zum Bereich "Hals" gehört außer der Mundhöhle auch der Rachenbereich, in dem die Atemluft von oben über die Nase Richtung Lunge strömt und andererseits alles an Nahrung Richtung Magen fließt. Dass so eine "Verkehrkreuzung" störungsanfällig ist, liegt auf der Hand – ein Hustenanfall beim Verschlucken ist quasi ein "Verkehrsunfall".

 

Beschwerden an Ohren, Nase und Hals

Ohren: Jucken und Schmerzen sind häufige Beschwerden an den Ohren, wobei die Ursache manchmal nur der falsche Gebrauch von Wattestäbchen sein kann – natürlich müssen Entzündungen ausgeschlossen werden. Schwer wiegender ist die Verschlechterung des Gehörsinns – oder wenn man gar nicht mehr hören kann. Dass der Einfluss von Lärm dabei eine Rolle spielt, ist bekannt, doch auch bei Lernschwierigkeiten und Schulproblemen sollte eine leichte Hörminderung abgeklärt werden.

Ein plötzlicher Hörverlust (Hörsturz) und Ohrgeräusche (Tinnitus) treten in dem Maße häufiger auf, in dem Stress als Auslöser zunimmt. Schwindel zeigt eine Störung des Gleichgewichtsorgans an – bei starkem Seegang darf es einem "schwindeln", da Augen und Gleichgewichtsorgan verschiedene Sinneseindrücke ans Gehirn liefern.

Nase: Bei der Nase tritt am häufigsten Schnupfen auf, der auch die Nasennebenhöhlen beeinträchtigen kann. Gerade nachts stehen aber andere Beschwerden – eher akustischer Art – im Vordergrund: Schnarchen ist nicht nur störend, sondern auch eine gesundheitsschädigende Geräuschkulisse, die mit Atemstillständen einhergehen kann.

Hals: Mundgeruch kennt jeder – gerade nach dem Genuss von Zwiebel, Knoblauch oder Alkohol. Wenn das Schmecken oder Riechen nicht funktioniert, ist der Mensch verunsichert: Der Duft von frischem Kaffee als positiver Sinneseindruck fehlt genauso als wichtige Information wie das Signal "diese Nahrung ist verdorben". Stottern ist eine Fehlfunktion des Sprechapparates, die Betroffene unter großen psychischen Druck setzt.

 

Untersuchungsmethoden

Anamnese (Krankheitsgeschichte erfragen): Alle Beschwerden können durch gezieltes Fragen weiter eingegrenzt werden. So wird bei Schwerhörigkeit zwischen akutem Hörverlust und langsam zunehmender Hörminderung unterschieden.

Inspektion (Betrachten) und Perkussion (Abklopfen): Der Inspektion kommt bei der HNO-Untersuchung eine besondere Rolle zu – Otoskop, Rhinoskop und Laryngoskop sind dabei wichtige Instrumente, die der Arzt für die Sicht in Ohr, Nase und Rachen benötigt. Eine verschnupfte Nase erkennt man leicht an den geröteten, geschwollenen Schleimhäuten – doch warum klopft der Arzt auf Stirn oder Wangenknochen?

Stirn- und Kieferhöhlen sind wie die Nase mit Schleimhaut ausgekleidet und haben eine Verbindung zur Nase, durch die Schleim und Fremdstoffe abtransportiert werden. Wenn die Schleimhäute zuschwellen, verstopfen diese Verbindungen und die Nebenhöhlen können sich nicht mehr reinigen – eine Entzündung entsteht, es schmerzt beim Klopfen.

Funktionstests: Hören, Riechen und Schmecken werden durch verschiedene Tests geprüft. So testet man mit einer Stimmgabel die Schallleitung in beiden Ohren; man kann prüfen, wie weit man hören kann und welche Töne wie gut wahrgenommen werden.

Elektrophysiologische Untersuchungen: Die Aktivitäten von Hörnerv, Gleichgewichtsorgan oder zuständigem Gehirngebiet sind messbar – dazu werden kleine Elektroden im Gehörgang, am Trommelfell oder auf dem Kopf befestigt.

Röntgen, Ultraschall, Computertomographie und Magnetresonanztomographie: Die bildgebenden Verfahren werden eingesetzt, wenn der Verdacht besteht, dass sich eine Entzündung oder ein Tumor nicht nur auf Ohr oder Nase beschränkt, sondern auch Knochen oder das Gehirn mitbetroffen sein könnten.

 

Erkrankungen von Ohren, Nase und Hals

Ohren: Häufig sind Ohrentzündungen, wie sie beim Baden auftreten können – diese Erkrankungen sind meist schnell kuriert. Langwieriger sind Hörverluste, die vom akuten Hörsturz – mit oder ohne Begleitgeräuschen (Tinnitus) – bis zu chronischer, sich verschlechternder Schwerhörigkeit reichen können. Dabei kann die Hörminderung bereits im Kindesalter auftreten oder erst als Altersschwerhörigkeit im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Lärm und der Besuch von lautstarken Konzerten kann die Entstehung von Schwerhörigkeit beschleunigen.

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen können einen "normalen" Hintergrund haben – wie im Karussell oder an Bord eines Schiffes – oder auf eine Erkrankung des Innenohres hinweisen wie beim Morbus Menière. Auch bei Tumoren wie einem Akustikusneurinom kommt es zu Schwerhörigkeit und Schwindel.

Nase: Schnupfen gibt es bei jeder Erkältung oder Grippe. Auch bei vielen Kinderkrankheiten – die man sogar im Erwachsenenalter bekommen kann – und Keuchhusten oder Pfeiffer-Drüsenfieber treten grippeähnliche Symptome auf. Bei chronischem Schnupfen sollten Sie auch an Heuschnupfen als allergische Reaktion oder eine Nasennebenhöhlenentzündung denken. Schnarchen kann durch Nasenpolyen entstehen und zur Schlafapnoe führen, einer ernst zunehmenden Erkrankung, die zum Herzinfarkt führen kann!

Hals: Neben Mundgeruch (Halitosis) als Krankheitssymptom bei Diabetes, Lebererkankungen oder Zahnproblemen sind Krebserkrankungen der Mundhöhle, der Zunge und des Rachens besonders gefährlich und treten bei chronischem Alkohol- und Tabakmissbrauch gehäuft auf.

 

Therapeutische Maßnahmen

Ohren: Bei einer Hörminderung kommt ein Hörgerät, das oft Hörsystem genannt wird, zum Einsatz. Ab wann ein Hörgerät benötigt wird und wie es ausgestattet sein sollte, hängt von der Art der Schwerhörigkeit, dem jeweiligen Patienten und seiner Lebensweise ab. So gibt es Cochlea-Implantate und Hinter-dem-Ohr-Geräte – individuell anpassbar. Bei Tinnitus kann man sich selbst behelfen, sonst stellen Musiktherapie und Low-level-Laser-Therapie zwei der vielfältigen Therapiemöglichkeiten dar.

Nase: Neben den bekannten Erkältungmitteln kann auch die Aromatherapie Linderung verschaffen und mit Teebaumöl zum Gurgeln oder im Badewasser hat der Schnupfen keine Chance! Für Schnarcher gibt es einen neuartigen Therapieansatz – dabei verändern Betroffene nach kurzer Übungsphase ihre Zungenposition so, dass Schnarchen unmöglich wird.

Hals: Gegen Stottern helfen verschiedene Sprechtherapien – die Kasseler Stottertherapie ist neu und erfolgversprechend. Bei allen Krebsarten des Mund- und Rachenraums ist neben der ärztlichen Therapie besonders wichtig, Rauchen und Alkoholtrinken aufzugeben – dabei gibt es viele Ansätze, die von den Krankenkassen mitfinanziert werden. Selbstverständlich gibt es für jede Krankheit ein spezielles Vorgehen mit Medikamenten oder Operationen – nähere Angaben finden Sie bei der jeweiligen Erkrankung.

 

Vorbeugende Maßnahmen

Ohren: Gut hören kann man trainieren, denn das Gehirn wird durch ständige Hörerlebnisse angeregt. Ein rechtzeitiger Hörtest beim HNO-Arzt oder Hörakustiker trägt dazu bei, einer Schwerhörigkeit vorbeugen. Da Kinder nur bei rascher Diagnose die Möglichkeit haben, ohne Verzögerung sprechen zu lernen, wäre ein bundesweites Hörscreening für Neugeborene sinnvoll. Gerade für das empfindliche Gehör von Kindern ist Lärmschutz besonders wichtig, denn Hintergrundgeräusche führen zu Konzentrationsproblemen – auch bei Erwachsenen, deren Büros häufig zu laut sind.

Nase: Schützen Sie Ihre Nase vor Austrocknung, sonst kann sie die Luft nicht mehr reinigen und befeuchten. Denken Sie zum Beispiel daran, wenn Sie in den Urlaub fliegen, Mund- und Nasenschleimhäute mit Feuchtigkeit zu versorgen – sonst drohen trockene Nase, Halsschmerzen und Heiserkeit.

Hals: Die Kontrolle von Zähnen und Mundschleimhaut hilft zur Vermeidung von Mundgeruch, Entzündungen und Krebs – nutzen Sie den halbjährlichen Zahnarztbesuch zur Früherkennung.