Nase: Wichtig für Riechen und Schmecken

Stellen Sie sich vor, Sie stehen morgens neben der Kaffeemaschine und Sie riechen den frisch gebrühten Kaffee nicht mehr. Oder Sie schnuppern an dem frischen Blumenstrauß im Wohnzimmer und nehmen den zarten Rosenduft nicht wahr. Schuld daran ist eine Störung des Geruchssinns.
Wir sind gewohnt, unsere Welt mit den Augen wahrzunehmen. Dabei ist es besonders die Nase, die uns Wohlbefinden verschafft. Wie wichtig der Geruchssinn ist, merken wir jedoch oft erst, wenn er nicht mehr funktioniert.
Wenn der Geruchssinn gestört ist
Eine Störung des Geruchssinns kann in jedem Alter auftreten, besonders häufig kommt sie jedoch bei Senioren vor. Etwa fünf Prozent aller Deutschen leiden unter dem dauerhaften Verlust ihres Riechvermögens, und fast jeder Zweite über 65-Jährige ist von einer Funktionsstörung des Riechorgans betroffen. Sie ist nicht nur lästig, weil man all die angenehmen Düfte in seinem Alltag nicht mehr wahrnimmt, sie kann sogar gefährlich werden. Denn man bemerkt den Rauch eines Feuers nicht mehr rechtzeitig oder erkennt verdorbene Lebensmittel nicht an ihrem üblen Geruch.
Der Hauptauslöser einer Riechstörung ist meist eine sinunasale Erkrankung wie ein grippaler Infekt, eine Entzündung der Nasenschleimhäute oder Polypen. Aber auch Zahnerkrankungen, Störungen des Hormonhaushalts oder Schädelverletzungen durch einen Unfall können dazu führen, dass die feinen Riechzellen in der Nase geschädigt werden oder der Teil des Gehirns, der Gerüche verarbeitet, beeinträchtigt wird.
Therapie bei verlorenem Geruchssinn
Rund 80.000 Menschen begeben sich jährlich wegen einer Riechstörung in ärztliche Behandlung. Die Therapie ist oft langwierig. Ist ein Infekt oder eine Grippe die Ursache, dann kommt das Riechvermögen meist von selbst wieder zurück. Denn keine anderen menschlichen Nervenzellen regenerieren und erneuern sich so gut wie unsere Riechzellen. Manche Erkältungsviren sind jedoch so aggressiv, dass sie die Riechzellen der Nasenschleimhaut dauerhaft schädigen. Die entzündungshemmende Behandlung mit Kortison kann solche Folgen oft verhindern. Manchmal hilft es auch, störende Polypen operativ zu entfernen.
Die Einnahme von einigen Medikamenten wie Blutdrucksenkern, Antibiotika und Schmerzmitteln kann das Geruchsempfinden ebenfalls beeinträchtigen. Hier verschafft meist schon ein Wechsel zu einem anderen Präparat Besserung. Auch Nikotin schwächt den Geruchssinn spürbar. Wer mit dem Rauchen aufhört, schärft somit auch seinen Geruchssinn. Mit zunehmendem Alter lässt die Regenerationsfähigkeit der Riechzellen jedoch leider etwas nach. Ähnlich wie unsere Ohren verliert auch unsere Nase im Alter an Leistungskraft.
Zusammenhang zwischen Riechen und Schmecken
Nimmt der Geruchssinn ab, hat das auch für die Nahrungsaufnahme Konsequenzen: „Ohne den Geruchssinn existieren für uns nur einfache Geschmacksrichtungen: salzig, sauer, süß, bitter und herzhaft“, erklärt die amerikanische Geruchsforscherin Rachel Herz. Unser Riechorgan ist nämlich weit mehr als unsere Zunge dafür verantwortlich, dass wir die vielfältigen Geschmacksnuancen von Speisen wahrnehmen.
Diese Feinarbeit übernimmt die Nase mit ihren Millionen Riechzellen. Aroma-Moleküle dringen über die Mundhöhle in die Nase und lösen dort Impulse aus, die an das Gehirn weitergeleitet werden – wir riechen sozusagen unser Essen. Lassen die Riechzellen nach, beginnt dann ein Teufelskreis: Wem das Essen nicht schmeckt, der isst weniger und oft auch einseitiger. Und versorgt so seinen Körper letztlich nur noch mangelhaft mit Nährstoffen.
Experten empfehlen, einen Tagesplan fürs Essen aufzustellen. Darin trägt man ein, dass man vormittags etwa einen Apfel isst oder abends einen Salat. So hat man sein Essen im Blick und verhindert Mangelernährung.
Den Geruchssinn trainieren
Letztlich lassen sich die Sinneszellen der Riechschleimhaut sogar wie unsere Muskeln gezielt trainieren: Riechen Sie im Alltag regelmäßig an Blumen, Teesorten, Gewürzen, frisch geschnittenem Obst oder anderen duftenden Dingen. Gehen Sie in der Natur spazieren, schließen Sie die Augen, atmen Sie tief durch und verknüpfen Sie die wahrgenommenen Gerüche ganz bewusst mit Worten und Bildern.
Und rufen Sie sich bestimmte Gerüche immer wieder gezielt ins Gedächtnis: Wie duftet es, wenn im Frühjahr das erste Gras gemäht wird? Eine solche „Riechgymnastik“ wirkt dem Abbau der Riechzellen entgegen und hält sie länger fit.
Autor/Quelle: Eva Lehnen
