Stottern - Therapie

Therapien bei Kindern spielerisch

Erst wenn ein Kind nicht mehr gerne spricht, Sprechen vermeidet, wenn gar auffällige Körperbewegungen oder Grimassen und Atemstörungen beim Sprechen hinzukommen, sollten die Eltern unbedingt Hilfe suchen. "Auch Eltern, die sich unsicher sind, ob es sich bei den Sprachproblemen ihres Kindes um beginnende Stottersymptomatik handelt, können natürlich gerne zu uns kommen", betont Professor Schade.
Mit Hilfe einer entsprechenden Therapie lernen diese Kinder, spielerisch mit dem Stottern besser umzugehen. Wichtig: ein offener Umgang mit dem Stottern, wobei auch negative Gefühle wie Angst und Scham angesprochen werden sollen. "Betroffene Kinder sollen lernen, angstfrei mit den Redeunflüssigkeiten umzugehen. Gute Erfahrungen in der Therapie, entspannte Eltern, immer weniger Angst und mehr Selbstvertrauen führen dann zu flüssigerem Sprechen", erklärt die Logopädin Hanna Engelmann, die gemeinsam mit Professor Schade an der Uni Bonn die Therapien durchführt.
Für Schulkinder, das wissen nicht alle Eltern, bedeutet Stottern eine Behinderung im rechtlichen Sinne. Das bedeutet im konkreten Fall einen "Nachteilsausgleich", zum Beispiel Alternativen zu mündlichen Prüfungen - die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. berät bei entsprechenden Problemen in der Schule.

Therapien für Erwachsene

Anders ist das bei Erwachsenen, die meist ein Leben lang kontinuierlich ihr Stottern therapieren müssen. Grundsätzlich, dies ist bei der Orientierung über mögliche Therapien besonders wichtig, unterscheidet man zwei Ansätze: Das sogenannte "Fluency Shaping", zu deutsch "Formen des flüssigen Sprechens". Hier werden spezielle Techniken erlernt, die das Sprechen an sich verändern, indem es zunächst stark verfremdet wird. Die Vokale etwa werden stark gedehnt, die Atmung kontrolliert, Sprechbewegungen werden ohne allzu starken Muskeleinsatz durchgeführt. Allmählich wird das Sprechen wieder natürlicher, bleibt aber ein sehr bewusster weil kontrollierter Vorgang.
Die zweite Therapie ist eine Stottermodifikation, auch unter dem Namen Nichtvermeidungsansatz oder Van-Riper-Therapie bekannt. Wörter, bei denen das Stottern einsetzt, werden nicht umgangen, sondern mit Hilfe von Sprechtechniken bewusst und kontrolliert ausgesprochen. Diese Methode setzt voraus, dass eigene Ängste und negative Erwartungen vorher abgebaut werden. Beide Ansätze gelten als wirksam, nur welche die richtige ist, muss der Therapeut individuell bestimmen.
Interessant ist, dass Stotterer viel flüssiger sprechen, wenn sie flüstern, im Takt oder im Chor reden oder wenn sie singen. Entsteht aber kommunikativer Druck auf wie bei Telefonaten oder Vorstellungsgesprächen, dann tritt das Stottern verstärkt auf. Hypnose oder Psychotherapie sind, wenn überhaupt, nur für kurzfristige Besserungen und begleitend zu den Sprechtherapien sinnvoll. Medikamente, in der Regel zur Muskelentspannung, wirken nur, solange sie eingenommen werden und sind nicht ohne Nebenwirkungen.
Die Krankenkassen zahlen solche Therapien, natürlich auch die für Kinder. Wenn sie seriös sind, sollten sie grundsätzlich auf einen längeren Zeitraum angelegt sein; sie sollten Übungen auch außerhalb des Therapieraumes - auf der Straße, in konkreten Situationen - anbieten. Wichtig sind eine Nachsorge und ein Rückfallprogramm - und sie dürfen keine Heilung versprechen, denn die gibt es nicht. Aber eine gute und auf lange Sicht angelegte Therapie führt zur einer deutlichen Verbessert bis hin zur Symptomfreiheit.

 
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