Nesselsucht: Wenn die Haut überreagiert

Bei Nesselsucht (Urtikaria) handelt es sich um eine in Deutschland weitverbreitete Überempfindlichkeitsreaktion der Haut. Die Erkrankung zeigt Symptome wie Hautrötungen, Quaddeln sowie einen starken Juckreiz. Die Ursachen und Auslöser der Nesselsucht sind vielfältig: Ausgelöst werden kann sie unter anderem durch bestimmte Medikamente und Nahrungsmittel, aber auch durch Wärme, Kälte und Druck. Bei der Behandlung von Nesselsucht steht die Suche nach der Ursache an erster Stelle. Bis diese gefunden ist, konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Symptome.

Nesselsucht - ein weit verbreiteter Hautausschlag

Die Nesselsucht – auch Nesselfieber genannt – gehört neben Neurodermitis und Schuppenflechte zu den in Mitteleuropa am weitesten verbreiteten Hautkrankheiten. Schätzungen zufolge leiden zwischen 20 und 25 Prozent der Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben an Nesselsucht. Der Name leitet sich vom lateinischen Begriff für Brennnessel (urtica) ab, da die Symptome Hautreaktionen ähneln, die nach dem Kontakt mit einer Brennnessel auftreten.

Die bei Nesselsucht auftretenden Symptome werden durch den Botenstoff Histamin verursacht. Dieser wird durch eine fehlerhafte Reaktion des Immunsystems auf einen eigentlich ungefährlichen Auslöser in großen Mengen freigesetzt. Histamin erhöht im Körper die Durchlässigkeit der Blutgefäße der Haut und es kommt zu Wassereinlagerungen in der Lederhaut – den Quaddeln.

Nesselsucht: Ursachen und Auslöser

Die Ursachen für die Freisetzungen des Histamins sind vielfältig, in etwa zehn Prozent der Fälle steckt eine Allergie hinter den Beschwerden. Diese kann beispielsweise gegen bestimmte Lebensmittel oder aber gegen Medikamente bestehen. Daneben können auch Viruserkrankungen, Infektionen mit Parasiten, innere Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen sowie Infekte im Hals-Nasen-Ohren-Bereich mögliche Ursachen von Nesselsucht sein.

Daneben kann Nesselsucht auch durch die folgenden äußeren Reize ausgelöst werden:

  • Kälte
  • Wärme
  • Licht
  • Reibung
  • Druck

Ebenso sollen psychische Faktoren Einfluss auf die Nesselsucht nehmen können. Dabei gilt es als relativ sicher, dass sich Stress negativ auf eine bereits bestehende Nesselsucht auswirken kann. Ob Stress als alleinige Ursache der Hauterkrankung in Frage kommt, ist aber noch ungewiss.

Ansteckend oder vererbbar ist Nesselsucht übrigens nicht. Lediglich eine spezielle Form der Kälte-Nesselsucht kann an die nächste Generation weitergegeben werden. Allerdings tritt diese Form nur äußerst selten auf.

Nesselsucht: typische Symptome

Typisches Symptom der Nesselsucht ist ein roter Hautausschlag, der meist stark juckt. Der Juckreiz ist für die Betroffenen oft sehr belastend, da sie sich nur noch schwer auf andere Dinge konzentrieren können und folglich auch schlecht schlafen. Charakteristisch ist das Gefühl der Betroffenen, dem Juckreiz durch Kneifen oder Druck mit den Fingernägeln entgegenwirken zu können. Dies unterscheidet Nesselsucht von anderen Hauterkrankungen wie beispielsweise Neurodermitis, wo Betroffene eher versuchen, den Juckreiz durch Kratzen zu lindern.

Neben Juckreiz sind rote Schwellungen auf der Haut – die sogenannten Quaddeln – ein weiteres typisches Symptom von Nesselsucht. Die Quaddeln sind für die Betroffenen teilweise belastend, da sie entstellend wirken können. Sie erscheinen oft zunächst als blassrosa bis rote kleine Erhebungen, die mit der Zeit größer werden.

Die Quaddeln können nur an bestimmten Körperstellen oder aber am gesamten Körper auftreten. Besonders typisch für Nesselsucht ist das Wandern dieser Quaddeln: Sie verschwinden an einer Stelle und treten an einer anderen wieder auf.

Schwellungen im Rache als lebensbedrohliches Symptom

Häufig kommt es bei Nesselsucht auch zu Schwellungen und Wassereinlagerungen im Unterhautgewebe, den sogenannten Angioödemen. Im seltenen Fall können auch Schleimhäute im Mund, im Rachen und am Kehlkopf von den Schwellungen betroffen sein. Dadurch kann es zu lebensbedrohlichen Atemproblemen kommen. Betroffene sollten deswegen immer ein Allergie-Notfallset mit sich führen. Darin sollten ein flüssiges Antihistaminikum, ein flüssiges Kortisonpräparat sowie eine Spritze mit Adrenalin enthalten sein.

Die einzelnen Symptome der Nesselsucht können sehr schnell – innerhalb weniger Minuten nach Kontakt mit dem Auslöser – oder aber erst nach einigen Stunden auftreten. In der Regel klingen die Symptome nach spätestens 24 Stunden wieder ab, in einigen Fällen bilden sich die Quaddeln bereits nach einer halben Stunde zurück. Während eines Nesselsucht-Schubes können die Symptome nach einer kurzen Pause aber immer wieder auftreten. Ein Nesselsucht-Schub kann mehrere Tage oder sogar Wochen andauern.

Nesselsucht bei Kindern

Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder können von Nesselsucht betroffen sein. Allerdings tritt die Hauterkrankung bei Kindern eher seltener auf. Vor allem von chronischer Nesselsucht sind in erster Linie Erwachsene betroffen.

Auch bei Kindern zeigt Nesselsucht die typischen Symptome wie rote Quaddeln und starken Juckreiz. Bei Babys und Kleinkindern hält ein Nesselsucht-Schub häufig nur wenige Tage an, dann verschwindet die Erkrankung von selbst wieder. Ansonsten sollte ein Kinder- oder Hautarzt aufgesucht werden, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln.

Besonders häufig steckt bei kleinen Kindern eine abgelaufene Virus-Infektion hinter der Nesselsucht. Aber auch eine Allergie gegen bestimmte Lebensmittel oder Medikamente sowie große Hitze können die unangenehmen Symptome auslösen.

Nesselsucht und Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft verbessern sich die Nesselsucht-Symptome häufig, da das Immunsystem gedämpft wird. Einige Frauen berichten aber auch von einer Verschlechterung der Erkrankung. Zudem kann durch die starken hormonalen Veränderungen während der Schwangerschaft auch erstmalig eine Nesselsucht ausgelöst werden.

Stärkere Verläufe der Erkrankung bei schwangeren Frauen können problematisch sein, da die Einnahme vieler Medikamente gegen Nesselsucht während einer Schwangerschaft nicht erlaubt ist.

Verschiedene Arten von Nesselsucht

Da Nesselsucht eine äußerst komplexe Erkrankung ist, werden verschiedene Unterformen unterschieden:

  • Spontane Nesselsucht
  • Physikalische Nesselsucht
  • Cholinergische Nesselsucht
  • Kontakt-Nesselsucht

Bei diesen Unterformen wird die Nesselsucht entweder nach ihrer zeitlichen Dauer oder nach dem Auslöser der Erkrankung unterteilt. Mehr zu den einzelnen Nesselsucht-Arten erfahren Sie auf der nächsten Buchseite.