Schuppenflechte alias Psoriasis

Schon vor über 2000 Jahren wurde die chronische, nach wie vor nicht heilbare Hauterkrankung beschrieben, an der heute schätzungsweise zwei Prozent aller Europäer leiden: Psoriasis, auch als Schuppenflechte bekannt. Silbriggraue, trockene Schuppen, darunter gerötete Hautstellen, oft begleitet von Juckreiz kennzeichnen Psoriasis. Männer und Frauen sind zu gleichen Teilen betroffen. Wer an Schuppenflechte erkrankt, bei dem gerät die Zellbildung und das Zellwachstum der Hautzellen durcheinander.
Normalerweise erneuern sich Hautzellen alle 28 Tage, bei Patienten mit Psoriasis ist diese Phase oft auf 4–7 Tage verkürzt. Die Zellen teilen sich viel schneller als eigentlich vorgesehen, entwickeln sich nicht richtig und lagern sich als Schuppen an der Hautoberfläche ab. Besonders häufig sind Menschen im Alter zwischen 14 und 40 Jahren betroffen.
Schuppenflechte kann so harmlos auftreten, dass der Betroffene kaum beeinträchtigt wird. Die entzündliche Erkrankung kann aber auch das Leben wie eine Behinderung einschränken und in besonders schweren Fällen lebensbedrohend sein.
Wie entsteht die Psoriasis?
Die Ursachen der Psoriasis (Schuppenflechte) sind noch immer nicht endgültig erklärt - vermutlich spielt eine Fehlfunktion der Haut ebenso eine Rolle wie eine fehlgeleitete Immunabwehr (vor allem der sogenannten T-Zellen) im Sinn einer Autoimmunkrankheit - so berichten viele Patienten über Psoriasis-Schübe nach bakteriellen Erkrankungen wie zum Beispiel Halsentzündungen.
Die Neigung, eine Psoriasis zu entwickeln, ist wohl vererbt; die Auslöser der Krankheitsschübe variieren individuell: Möglich sind z. B. Infektionen, Verletzungen, Nahrungsmittel, Alkohol, Stress oder Medikamente. Auch der Verlauf der Erkrankung und das Ansprechen auf die Behandlung scheint durch bestimmte Gene beeinflusst zu werden.
Die Schuppenflechte ist nicht ansteckend und sie ist nicht primär psychisch bedingt, wobei seelische Belastungen einen Krankheitsschub auslösen oder das Hautbild verschlimmern können. Das wiederum kann zu einem Teufelskreis führen - schließlich hat die chronische und unheilbare Erkrankung Folgen für Gesundheit, Lebensqualität und Beruf und bedeutet damit oft eine starke psychische Belastung für die Betroffenen.
Sie werden oft aufgrund der unübersehbaren Krankheitsherde ausgegrenzt oder diskriminiert - die psychischen Belastungen und sozialen Beeinträchtigungen sind damit häufig stärker belastend als die Erkrankung selber. So ist bei Psoriatikern z. B. die Rate an Depressionen und Alkoholabhängigkeit erhöht.
Diagnose Psoriasis
In den meisten Fällen reicht eine gründliche Anamnese (Patientenbefragung) und eine körperliche Untersuchung, um Schuppenflechte zweifelsfrei zu diagnostizieren oder auszuschließen. Selten ähneln die Befunde denen anderer Hautkrankheiten. Im Zweifelsfall bringen mikroskopische Untersuchungen kleiner Hautproben Klarheit.
Bei Verdacht auf eine Gelenkbeteiligung (Psoriasis-Arthritis) sollten Rheumatologen hinzugezogen werden. In diesen Fällen können Röntgenuntersuchungen, Computertomographie und auch Szintigraphie, bei der krankhafte Veränderungen mit Hilfe von radioaktiven Substanzen sichtbar gemacht werden, für die Diagnosesicherung eingesetzt werden.
Formen von Schuppenflechte
Je nach Verlauf, Ausprägung der Hautveränderungen und Begleiterscheinungen werden verschiedene Arten der Schuppenflechte unterschieden:
- Die Plaque-Psoriasis (Psoriasis vulgaris) ist eine häufige Form der Schuppenflechte und findet sich bei 80–90 %Prozent aller Psoriasis-Patienten. Bei dieser stehen die beschriebenen Hautveränderungen im Vordergrund.
- Seltener ist die Psoriasis guttata. Sie tritt vor allem nach Infektionen auf und erscheint in Form zahlreicher kleiner Flecken, begleitet von Juckreiz. Die Psoriasis guttata kann in eine chronische Form der Schuppenflechte übergehen.
- Bei 30–40 Prozent der an Schuppenflechte erkrankten Menschen entwickelt sich langfristig in verschiedenen Gelenken die Psoriasis-Arthritis. Sie betrifft am häufigsten Finger- und Zehen-Gelenke.
- Psoriasis pustulosa ist eine recht seltene Sonderform der Schuppenflechte. Hier bilden sich mit Eiter gefüllte Bläschen (Pusteln) auf geröteter Haut. Befallen sind entweder nur Hände und Füße oder bei der "generalisierten Form" der ganze Körper (Erythrodermia psoriatica).
Schwerere Verläufe und Begleiterkrankungen nehmen mit dem Alter zu. Außerdem scheint bei Psoriasiskranken das Risiko für Verkalkungen der Blutgefäße, insbesondere der Herzkranzgefäße und damit für einen Herzinfarkt erhöht zu sein; außerdem entwickeln sie häufiger eine Crohn-Krankheit.
Autor/Quelle: Dagmar Reiche

