Herzinfarkt - und was kommt dann?

Etwa 280.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Herzinfarkt, nur knapp zwei Drittel davon überleben die ersten 4 Wochen danach. Doch selbst wenn die akute Gefahr gebannt ist, bleibt die Angst davor, wie es weitergeht. Durchaus begründet – etwa ein Drittel der Überlebenden wird erneut eine Herzattacke erleiden.
Die Sorge vor körperlicher Beeinträchtigung, die Frage, wie sich der Alltag in Beruf und Familie ändert, die Furcht, erneut einen Herzinfarkt zu erleiden und diesem beim nächsten Mal zu erliegen – schnell weicht die anfängliche Erleichterung, es überlebt zu haben, der Angst vor der Zukunft. Doch Vieles kann der Betroffene selbst beeinflussen, vorausgesetzt er ist bereit – mit professioneller Hilfe und Unterstützung seiner Familie – seinen Lebensstil der neuen Situation anzupassen.
Die ersten Schritte stationär
Bereits in der Akutklinik greifen die ersten Maßnahmen. Zunächst wird die lebensbedrohliche Situation unter Kontrolle gebracht und der Patient die ersten Tage auf Intensivstation betreut. Um Komplikationen vorzubeugen, wird eine Frühmobilisation angestrebt. So ist – je nach Schweregrad des Infarkts –bereits am 1. oder 2. Tag der Patient gefordert: Am Anfang wird er bei der Körperpflege mithelfen und leichte Übungen durchführen, die nach und nach gesteigert werden. Bereits nach 1–2 Wochen sollte er wieder fähig sein, kurze Strecken zu gehen oder sogar Treppen zu steigen. Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Mobilisation stimmen die Fachkräfte individuell auf den Betroffenen ab.
Nach der Zeit im Krankenhaus schließt sich optimalerweise direkt ein etwa 3-wöchentlicher Aufenthalt in einer stationären Rehabilitationseinrichtung an (Anschlussheilbehandlung = AHB); der Antrag dazu wird am besten schon während des Krankenhausaufenthalts gestellt. Die AHB dient dazu, die körperliche Leistung zu steigern, bei der Krankheitsbewältigung zu helfen, den Betroffenen über die Ursachen, Risikofaktoren und Folgen seiner Erkrankung aufzuklären und ihm Wege aufzuzeigen, diese positiv zu beeinflussen.
Hilfe bei der Umstellung
Um diese Zeit optimal zu nutzen, ist es wichtig, am Anfang eine genaue Diagnose des aktuellen Zustandes zu erstellen und die optimale Medikamentendosierung zu finden. Erst wenn der Herzkranke stabilisiert ist, kann es richtig losgehen mit Bewegungs- und Entspannungstraining, Ernährungsseminaren und psychosozialer Beratung. Dazu steht ein Stab an entsprechend ausgebildeten Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Diätassistenten, Psychologen und Sozialarbeitern zur Verfügung. Diese sorgen dafür, dass der Betroffenen nicht nur die Zeit während der Rehabilitation optimal nutzt, sondern er auch auf das Leben danach vorbereitet wird. So werden auch den Themen Arbeitsplatz, Umschulungen, Familie und der Vermittlung von Herzsport- oder Selbsthilfegruppen ausreichend Platz eingeräumt.
Für Patienten, die diese Zeit nicht ohne ihre Familie verbringen möchten, gibt es auch ambulante Rehabilitationsangebote in "Tageskliniken".
Weiter geht es ambulant
Nachdem der Betroffene wieder zu Hause ist, fängt die Arbeit erst richtig an. Nur wenn die eingeleiteten Maßnahmen dauerhaft fortgeführt werden, können sie ihre positive Wirkung entfalten und das Risiko für einen erneuten Infarkt senken. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Praxis leider oft anders aussieht – bereits nach wenigen Wochen waren viele Patienten wieder in ihre alten Verhaltensmuster gefallen. Sie nahmen ihre Medikamente nicht regelmäßig ein, rauchten erneut, aßen wieder so ungesund und unregelmäßig wie vorher, hatten Stress am Arbeitsplatz und verbrachten ihre Abende vor dem Fernseher statt bei einem Spaziergang. Kein Wunder, dass die Waage wieder mehr Pfunde zeigte, der Blutdruck erneut in die Höhe schoss und die Cholesterinwerte in gefährliche Höhen kletterte. Und damit auch nicht erstaunlich, dass sich etliche Betroffene mit einem zweiten oder dritten Herzinfarkt in der Klinik wiederfanden.
Eigenverantwortung ist notwendig
Um das zu vermeiden, ist Eigenverantwortung und Selbstdisziplin gefragt. Kürzer treten und Grenzen erkennen, Stress zu reduzieren, geduldig und behutsam mit sich umzugehen und die Lebensgewohnheiten konsequent umzustellen, sind lebenswichtige Voraussetzungen für Herzinfarktpatienten. Der regelmäßige Kontrollbesuch beim Hausarzt zunächst halbjährlich, dann jährlich sollte genauso selbstverständlich sein wie regelmäßige Bewegung. Geeignet sind vor allem Ausdauersportarten wie schnelles Gehen oder langsames Laufen, Radfahren, Wandern und Skilanglauf. Besonders hilfreich ist ein individuell zugeschnittenes und kontrolliertes Training unter medizinischer und physiotherapeutischer Aufsicht. Dazu dienen "Koronarsportgruppen", die außerdem den Kontakt zu anderen Betroffenen ermöglichen. Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige geben v.a. durch Erfahrungsaustausch zusätzlich Unterstützung und Ermutigung.
Dagmar Reiche
