Prävention und Aufklärung von Aids und HIV
Seit fast zwei Jahrzehnten ist der Erreger bekannt, der HIV und Aids verursacht. Mittlerweile gehen Forscher davon aus, dass das HI-Virus bereits seit Anfang des 20. Jahrhundert sein Unwesen treibt, entstanden aus einer von Affen auf den Menschen übertragenen Virusart.
Übersicht
Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts häufen sich die Berichte über Patienten mit ähnlichen Symptomen: Sie leiden an vielerlei Krankheiten, die vom Immunsystem gesunder Menschen normalerweise abgewehrt werden. So treten schwere Lungenentzündungen oder ungewöhnliche Krebsformen wie das Kaposi-Sarkom auf. Im Jahr 1982 bekommt die Krankheit ihren Namen: Aids, die Abkürzung für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ (erworbenes Immunschwäche-Syndrom). Zu diesem Zeitpunkt ist sie bereits in 14 Ländern diagnostiziert worden.
Drei Jahre später gelingt es, das auslösende Virus zu finden, ein Jahr später wird es auf den Namen „Humanes Immunschwächevirus“ (HIV) getauft. Zu diesem Zeitpunkt sind weltweit bereits Tausende Infizierte bekannt und etliche davon schon verstorben. Mit der Entdeckung des Virus ist die Hoffnung groß, bald eine Behandlung gefunden zu haben. Doch erst Mitte der 90er Jahre wird eine Kombitherapie entwickelt – die hilft, jedoch nicht heilt. Seitdem hat die Forschung große Fortschritte gemacht; allerdings ist bis heute kein Heilmittel gefunden worden. Doch zumindest ist die Lebensqualität und -erwartung von an HIV Erkrankten um ein Vielfaches besser als in den Anfangszeiten.
Ursachen
Das HI-Virus ist, so vermuten die Forscher, ein Verwandter des „Simian Immunodeficiency"-Virus (SIV), der Schimpansen und Affen befällt, durch den Verzehr von Affenfleisch auf den Menschen übertragen wurde und sich dort zum HIV gewandelt hat. Übertragen wird das Retro-Virus von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute durch den Austausch von Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, Muttermilch), insbesondere beim ungeschützten Sexualkontakt, durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen oder (vor allem in der Anfangszeit) durch verunreinigte Blutkonserven.
Theoretisch besteht auch beim Oralverkehr oder beim Zungenkuss eine Ansteckungsgefahr, wird aber heute von den Wissenschaftlern praktisch als nahezu Null eingeschätzt. Händeschütteln, Umarmen, das gemeinsame Benutzen von Geschirr, Bad oder Toilette sind dagegen ungefährlich. Das Virus überlebt außerhalb des menschlichen Körpers nur für kurze Zeit.
Symptome und Beschwerden
Das HI-Virus dockt an ein Eiweiß (CD4-Protein) bestimmter Körperzellen an, schleust sich in die Zelle ein und versteckt sich dort in der DNA, dem „Speicher“ für das menschliche Erbgut – dieser Vorgang wird auch als „ReverseTranskription“ bezeichnet. In der Wirts-DNA kann es lange unentdeckt verweilen. Dies ist auch der Grund, warum viele Infizierte monate- oder sogar jahrelange nicht von ihrer Krankheit wissen. HIV benutzt die Wirtszelle dazu, um die eigenen Erbinformation immer wieder zu kopieren, neue Eiweiße zu produzieren und so zusammenzuscheiden, dass ein neues Virus entsteht. Dieses kann sich von der Wirtszelle abschnüren und zu neuen Zellen aufbrechen, diese ebenfalls infizieren und so den beschriebenen Kreislauf potenzieren.
Da vor allem bestimmte körpereigenen Abwehrzellen das Eiweiß CD4 besitzen, an dem das Virus andockt, sind vor allem diese Helfer-Lymphozyten von der Vireninvasion betroffen. Das wiederum führt zu den typischen Zeichen beim Ausbruch von Aids, dem Vollbild der HIV-Infektion: Symptome durch Krankheiten, die dadurch entstehen, dass das Immunsystem nicht richtig arbeitet. Die befallenen Abwehrzellen werden nämlich zerstört oder können nicht mehr ihre Aufgaben erfüllen, da ihre Kraftwerke von den Viren zu deren Reproduktion missbraucht werden.
Der Verlauf einer HIV-Infektion gliedert sich in drei Abschnitte mit unterschiedlichen Symptomen:
- Primäre Phase (Akutinfektion): Die Symptome nach der Erstinfektion treten einige Tage bis Wochen nach Übertragung des Virus auf und dauern bis zu 2 Wochen an. Sie werden oft mit einer Grippe verwechselt, da allgemeine Abgeschlagenheit, Fieber, Nachtschweiß, Appetitverlust sowie Lymphknotenschwellungen und Hautausschlag auftreten. In dieser Phase vermehren sich die Viren im Blut extrem schnell, das heißt, dass der Infizierte sehr ansteckend ist.
- Latenzphase: Das Abwehrsystem wird vordergründig zunächst fertig mit der Vireninvasion. Die Anzahl der Viren („Viruslast“) im Blut sinkt massiv. Die Betroffenen leben teilweise Jahre, ohne Beschwerden zu spüren. Allerdings ist das HIV nicht untätig, sondern vermehrt sich kontinuierlich. Deshalb sinkt nach und nach die Anzahl der CD4-Helferzellen, sodass die Leistungsfähigkeit des Immunsystem stetig abnimmt. Wird die Infektion nicht erkannt und das Virus nicht mit Medikamenten eingedämmt, geht die HIV-Infektion in das Aids-Stadium über.
- Aids-Stadium: Dieses ist gekennzeichnet durch „opportunistische Infektionen“, also Infektionen durch Bakterien, Pilze oder Viren, die beim Gesunden kaum Krankheiten hervorrufen. Typisch sind zum Beispiel die Lungenentzündung durch Pneumocystis-Carinii (PCP) oder eine Toxoplasmose des Gehirns. Im Blut zeigt sich dieses Stadium der Immunschwäche durch den Abfall der CD4-Zellen und dem Anstieg der Virenzahl.
Therapie und Behandlung
Auch wenn die HIV-Infektion nach wie vor nicht geheilt werden kann, kann mit einer frühzeitig begonnenen Therapie der Ausbruch des Aids-Stadiums verhindert oder zumindest über Jahre herausgezögert werden. Deshalb ist bereits bei dem geringsten Verdacht auf eine mögliche Infektion ein Test sinnvoll – auch wenn keinerlei Symptome bestehen.
Die Therapie (ART) erfolgt mit antiretroviralen Medikamenten, eine Impfung ist nach wie vor nicht in Sicht. Die medikamentöse Therapie kann an verschiedenen Punkte des viralen Zyklus eingreifen; für eine optimale Wirkung werden verschiedene Wirkstoffe (meist mindestens drei) miteinander kombiniert. So wird das Virus am Eindringen in die Zelle gehindert, sein Einbau in die Wirts-DNS mittels der Reverse-Transkriptase auf verschiedene Arten behindert und die Eiweißproduktion für das Kopieren und Zusammenschneiden des Virus-Erbguts gehemmt. Weitere Angriffpunkte sind in der Erprobung.
Ziel ist, die Virusvermehrung zu minimieren, also das Virus so weit in Schach zu halten, dass es die Funktion der Abwehrzellen nicht beeinträchtigt. Das HI-Virus vollständig aus dem Körper zu entfernen, ist derzeit nicht möglich. Deshalb muss nach heutigem Wissenstand die Therapie lebenslang aufrechterhalten werden. Wichtig ist die regelmäßige und genaue Einnahme der Tabletten nach Vorgabe, da ansonsten das HIV resistent und damit die Medikamente wirkungslos werden können. Der Therapiebeginn richtet sich nach der Zahl der Viren und der CD4-Helferzellen im Blut.
Nebenwirkungen der Kombinationstherapie sind vielfältig und vom Wirkstoff und von der individuellen Reaktion der Betroffenen abhängig. Oft nur vorübergehend und gut behandelbar sind Durchfälle und Kopfschmerzen. Als typische Langzeitfolgen treten schmerzhafte Nervenentzündungen (Neuropathien) an Armen und Beinen sowie Störungen des Fettstoffwechsels und der Fettverteilung auf. Dabei bildet sich im Gesicht, an den Armen und Beinen Unterhautfettgewebe zurück, während es sich am Bauch und im Nacken vermehrt einlagert. Daneben kann es auch zu Organschädigungen, z. B. der Leber kommen. Um die Therapiewirksamkeit durch einen Abbruch nicht zu gefährden, muss der Arzt deshalb die Kombinationen oft umstellen.
Vorbeugen
HIV ist eine Erkrankung, vor der man sich schützen kann. Da bei uns das Virus überwiegend über Sexualkontakte übertragen wird, kann nur immer wieder betont werden, wie wichtig der Schutz beim Geschlechtsverkehr mittels Kondom ist. Man sieht niemanden an, ob er mit dem HI-Virus infiziert ist, oftmals wissen es die Betroffenen selbst nicht. Deshalb: Gerade bei neuen Sexualpartnern nicht auf das Kondom verzichten!
Autor/Quelle: Dagmar Reiche
