Legionärskrankheit: Die Lungenentzündung aus der Dusche

Der Name der Krankheit stammt von einem Treffen ehemaliger US-Berufssoldaten (American Legion) in Philadelphia im Jahr 1976. Dort erkrankten mehrere Teilnehmer an einer untypischen Lungenentzündung, die sich mit Penicillin nicht erfolgreich behandeln ließ. Erst etwa ein halbes Jahr später, im Jahr 1977, wurde der Erreger dieser mysteriösen Erkrankung diagnostiziert. Es handelt sich um das Bakterium Legionella pneumophila.
Stäbchenförmige Bakterien lösen die Krankheit aus
Diese schwere Lungenentzündung, die durch die Infektion mit Legionella pneumophila ausgelöst wird, kann tödliche Folgen haben. Legionellen gibt es überall im Süßwasser, aber nicht im Meer. Es sind stäbchenförmige Bakterien mit kleinen Geißeln, mit denen sie sich fortbewegen. Zum Leben und Vermehren im Wasser benötigen sie eine Temperatur zwischen 25 und 50 Grad Celsius, bei höheren Temperaturen sterben sie ab.
Die im Wasser vorkommenden Legionellen machen nicht direkt krank. Wird aber legionellenverseuchtes Wasser zum Beispiel beim Duschen oder auch in Whirlpools benutzt, können die Bakterien über den feinen Nebel der Wassertröpfchen eingeatmet werden. Dann kann es zur Erkrankung kommen. Die Gefahrenquelle für den Ausbruch der Legionärskrankheit liegt in alten und schlecht gewarteten Rohrleitungssystemen und sanitären Anlagen, aber auch in allen Sprüh- und Klimaanlagen.
Die üblichen Krankheitserreger fehlen
Etwa 2 bis 10 Tage nach der Ansteckung bricht die Krankheit mit Unwohlsein, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und einem Reizhusten aus. Innerhalb weniger Stunden danach kann sich das Krankheitsbild dann schon drastisch verändert haben: jetzt kommen hohes Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen im Brustraum dazu. Gelegentlich klagen die Patienten auch über Bauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen. Das Krankheitsbild entspricht dem einer auffällig schweren Lungenentzündung, ohne dass die üblichen Erreger einer Lungenentzündung gefunden werden. Bei Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr, also oft bei älteren Menschen, Patienten mit Diabetes, Krebs oder HIV beispielsweise, kann die Erkrankung schnell tödlich enden, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird.
Antigene im Urin, Antibiotika als Therapie
Der Nachweis von Legionellen ist notwendig, um die Diagnose zu bestätigen. Antigene lassen sich z. B. im Urin mit Hilfe eines Fluoreszenz-Verfahrens feststellen. Patienten mit einer bestätigten Legionellen-Erkrankung werden mindestens 10-12 Tage mit einem Antibiotikum behandelt, immungeschwächte Patienten drei Wochen lang. In schweren Fällen werden die Patienten im Krankenhaus behandelt. Besondere Vorsichtsmaßnahmen bei der Behandlung zuhause müssen nicht getroffen werden, da die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird und daher keine Ansteckungsgefahr besteht.
Europaweites Meldesystem
Bestätigte Fälle von Legionärskrankheit müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Der Krankheitsverdacht an sich ist nicht meldepflichtig. Das jeweilige Gesundheitsamt gibt die Daten dann unter anderem an das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin weiter, wo sie gesammelt und ausgewertet werden. Das RKI rechnet mit 6.000 bis 10.000 Lungenentzündungen durch Legionellen in Deutschland jährlich. In den letzten Jahren sind gehäuft Legionellen-Erkrankungen bekannt geworden, die mehrere Teilnehmer jeweils einer Reisegruppe betrafen. In diesen Fällen müssen die Infektionsquellen vor Ort über die nationalen Gesundheitsbehörden ermittelt werden. Die Koordination der Datenerhebung hat die European Working Group on Legionella Infections (EWGLI) übernommen, die in der Vergangenheit bereits Ausbrüche der Krankheit aufklären und Gegenmaßnahmen vor Ort bewirken konnte.
Vorbeugende Maßnahmen: Sanierung alter Rohrleitungen
Gegen Legionellen kann man nicht geimpft werden. Um Legionellen-Ausbrüche zu verhindern, müssen sanitäre Anlagen, Klima- und Sprühanlagen frei von den Keimen gehalten werden. Dazu gibt es eine Reihe von Anweisungen und Anleitungen, die von der Badewasserkommission des Umweltbundesamtes herausgegeben werden. Bei neuen oder geplanten Trinkwassererwärmungs- und Leitungsanlagen dürfen zum Beispiel an keiner Stelle in Verteilungssystem Wassertemperaturen unter 55 Grad Celsius herrschen. Dabei wird kein Unterschied zwischen Krankenhäusern, Hotels oder anderen öffentlichen Gebäuden gemacht. Besondere Auflagen gelten allerdings für Intensivstationen.
Die hygienischen Anforderungen zur Vermeidung von Legionellenbefall gelten ebenso für Zahnarztpraxen und Kosmetikstudios wie für den privaten Bereich, wenn Luftbefeuchter oder Inhalatoren benutzt werden. Diese Geräte müssen regelmäßig und gründlich gereinigt und getrocknet werden. Für den Urlaub empfiehlt es sich, die Dusche einige Minuten lang warm laufen zu lassen und dabei das Bad zu verlassen, damit der feine Nebel nicht eingeatmet werden kann.
