Hirnhautentzündung (Meningitis)

Kopfschmerzen und hohes Fieber gehen oft Hand in Hand. Doch gelegentlich entpuppt sich ein einfacher Infekt als heimtückische Erkrankung. Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die durch Bakterien oder Viren hervorgerufen wird. Erfahren Sie hier mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung einer Hirnhautentzündung.

Hirnhautentzündung (Meningitis)

Das Gehirn wird von drei Hirnhäuten (Meningen) umgeben und geschützt. Zwischen der inneren und mittleren Hirnhaut befindet sich ein Spalt, der mit einer wässerigen Flüssigkeit gefüllt ist und die graue Masse gegen Erschütterungen schützt. Viren oder Bakterien können zu einer Entzündung der Hirnhäute führen. Dabei wird das Gewebe angegriffen und die Funktion des Gehirns beeinträchtigt.

Die Infektion verursacht Schwellungen des Gehirngewebes und beeinträchtigt die Durchblutung, so dass Lähmungen ähnlich wie bei einem Schlaganfall auftreten können. Die lebensgefährliche Erkrankung beginnt plötzlich mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und Nackensteife. In einigen Fällen ist es sogar unmöglich, den Kopf auf die Brust zu legen.

Auch Krämpfe, Lähmungen und Erbrechen können auftreten. Punktförmige Hautblutungen, Bewusstseinstrübung und Kreislaufkollaps sind Hinweise auf einen lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf. In schweren Fällen kann die Erkrankung innerhalb von Stunden zum Tod führen.

Drei Bakterienarten sind die Haupt-Übeltäter

Mehr als 80 Prozent aller Hirnhautentzündungen werden von drei Bakterienarten ausgelöst: Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae, das vor allem bei Kindern unter 4 Jahren für die schwere Erkrankung verantwortlich ist. Alle drei Erreger sind auch bei gesunden Menschen vorhanden, ohne irgendwelche Schäden anzurichten. Doch gelegentlich infizieren sie ohne erkennbaren Grund das Gehirn. Kleinkinder bis zu zwei Jahren und Personen mit Immunstörungen sind wesentlich anfälliger für Hirnhautentzündungen.

Bei Patienten mit chronischen Ohren- und Nasenentzündungen besteht die Gefahr, dass die Bakterien ins Gehirn gelangen und so eine Entzündung verursachen. Auch nach Operationen an Gehirn oder Rückenmark besteht ein erhöhtes Risiko für eine Hirnhautentzündung.

Typische Symptome

Bei Kindern bis zu zwei Jahren macht sich eine Meningitis durch hohes Fieber, Schwierigkeiten beim Füttern, Erbrechen, Reizbarkeit und schrilles Schreien bemerkbar. Säuglinge unter einem Jahr müssen daher bei Fieber immer dem Arzt vorgestellt werden, damit eine Hirnhautentzündung ausgeschlossen wird. Anders als bei Erwachsenen und älteren Kindern ist die Nackensteifigkeit nicht unbedingt vorhanden.

Ältere Kinder und Erwachsene reagieren oft gereizt und verwirrt und werden zunehmend benommener. Koma und Tod können folgen. Bei der Meningokokken-Meningitis kommt es schnell zu Hautblutungen (Petechien) am Oberkörper und Händen und Füssen. Eine blaue und fleckige Haut gehört ebenfalls zu den typischen Erkennungszeichen.

Lumbalpunktion bringt Klarheit

Meningitis wird mit Hilfe einer Lumbalpunktion diagnostiziert. Dazu wird Flüssigkeit aus dem Rückmark entnommen. In den unteren Teil des Rückmarkkanals, meistens zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel unterhalb der Stelle, an der das Rückenmark endet, wird eine dünne Hohlnadel eingeführt. Die Rückenmarkflüssigkeit kann so entnommen und untersucht werden. Ein Teil des Punktates wird direkt unter dem Mikroskop auf Bakterien untersucht. Der Rest wird genutzt, um Bakterienkulturen anzulegen und so den Erreger genau zu bestimmen.

Sofortige Behandlung mit Antibiotika

Eine eitrige, also bakterielle Meningitis, muss sofort mit Antibiotika behandelt werden. Eventuell wird Kortison gegeben, um den Allgemeinzustand des Patienten zu verbessern. Daneben muss der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden, den der Patient durch Fieber, Schweiß, Erbrechen und Appetitlosigkeit erlitten hat. Eine Hirnhautentzündung durch Meningokokken kann durch einen starken Blutdruckabfall kompliziert werden, der ebenfalls mit zusätzlicher Flüssigkeitsgabe oder Medikamenten behandelt wird.

Hirnhautentzündungen, die durch Viren hervorgerufen werden, können mit Antibiotika nicht behandelt werden. Viren sprechen aufgrund ihres Aufbaus und Stoffwechsels nicht auf Antibiotika an. Die Symptome der Erkrankung sind jedoch sehr ähnlich und lassen eine Unterscheidung ohne mikrobiologische Untersuchungen nicht zu. Zu den Viren, die eine Meningitis verursachen können, gehören unter anderem Herpes- und Mumpsviren. Das Herpes-Virus löst im frühen Stadium der Erkrankung oft Krampfanfälle aus.

Mit Hilfe einer Kernspintomographie lassen sich bei einer Herpes-bedingten Meningitis schon früh Schwellungen der Schläfenlappen erkennen. Ist ein Herpes-Virus der Verursacher der Entzündung, so kann mit dem Herpes-spezifischen Wirkstoff Aciclovir behandelt werden, der aber nicht bei anderen Viren hilft.

Schwere Hirnschäden können zurückbleiben

Virusbedingte Hirnhautentzündungen verlaufen oft auch ohne Symptome und verursachen ebenso häufig keine Schäden. Die Schwere der Erkrankung hängt nach neuesten Forschungsergebnissen offensichtlich von der Art des Virus ab, die aber nicht in jedem Fall mit immunologischen Tests ermittelt werden kann.

Bei Säuglingen treten schwere Schäden mit größerer Wahrscheinlichkeit auf als bei ältern Kindern und Erwachsenen. Zu den Spätfolgen einer bakteriellen Meningitis können Krampfanfälle und bleibende Hirnschäden wie geistige Beeinträchtigung und Lähmungen gehören.

Impfung gegen Meningitis

Gegen bestimmte bakterielle Erreger, vor allem verschiedene Meningokokken-Arten, ist eine Impfung möglich. Dabei stehen drei Impfstoffe zur Verfügung, die im wesentlichen Bruchstücke des Bakteriums enthalten. Der Impfschutz hält in der Regel drei Jahre an und kann in der Regel schon bei Kindern ab 2 Jahren eingesetzt werden kann. Seit einiger Zeit gibt es auch einen Impfstoff, der bei Kindern ab 2 Monaten eingesetzt werden.

Grundsätzlich ist die Impfung gegen das Haemophilus-Bakterium (HiB) Teil des Impfplanes, der von der ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) aufgestellt wurde. Die HiB-Impfung wird bei der Vorsorge-Untersuchung ab dem dritten Lebensmonat durch zwei Injektionen im Abstand von mindestens 6 Wochen gegeben. Sie kann einzeln oder zusammen mit der Kombinations-Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus gegeben werden.

Meningitis-Impfung vor Reisen

Meningitis-Impfungen sind auch für Reisende wichtig. Grundsätzlich kann jedes Land mit schwierigen Hygiene-Verhältnissen als mögliches Meningitis-Gebiet betrachtet werden. Gleichzeitig gibt es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Jahreszeit und globaler Ausbreitung der Erkrankung. So treten zwischen Dezember und Juni Meningokokken-Epidemien gehäuft südlich der Sahara vom Sudan bis Sambia auf. Von November bis Mai ist die Gefahr einer Erkrankung auch in Nordindien und Nepal besonders hoch.

In England, Irland und Spanien gehört die Impfung gegen Meningokokken C seit längerem zum Impfplan: Der Erreger kommt dort außerordentlich häufig vor. Austauschschüler, Au-Pairs und alle, die dort länger leben möchten, sollten dies bedenken. Aber auch wer in den Bayerischen Wald fährt, sollte sich gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis impfen lassen, die als Virus-Variante durch Zeckenbisse übertragen werden kann.

Antibiotika bei Meningitis-Ausbruch

In Deutschland kommt es ebenfalls immer wieder zu Fällen von Meningitis-Erkrankungen, die oft an bestimmten Orten gehäuft auftreten. Gerade Schulen und Kindergarten sind Ansteckungsherde, weil die Bakterien durch Husten und Niesen als so genannte "Tröpfchen-Infektion" weitergegeben werden. In diesem Fall werden die Menschen mit engem Kontakt zum Erkrankten vorsorglich mit Antibiotika behandelt und beobachtet.

Um solchen Ausbrüchen vorzubeugen ist es besonders wichtig, einfache Grundregeln der Hygiene zu beachten. Die Hand vor dem Mund beim Husten, das Abwenden vom Gegenüber beim Husten und Niesen sollte ebenso selbstverständlich sein wie das häufige Händewaschen. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 750 Menschen an einer schweren Meningokokken-Infektion und für ca. 10% endet sie tödlich.