Milzbrand (Anthrax)

Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York und den Milzbrand-Fällen in Florida ist die Angst vor biologischen Kampfstoffen gestiegen. Der Milzbrand-
erreger Bacillus anthracis gilt als potenzielle biologische Waffe. Ursprünglich ist der Milzbrand eine Erkrankung aus dem veterinärmedizinischen Bereich, die speziell bei Huf-
tieren auftritt. Erkrankte Tiere haben eine vergrößerte Milz mit schwarzroter brandiger Verfärbung. Auf diesen Um-
stand ist die Bezeichnung Milzbrand zurückzuführen.
Milzbrand
Milzbrand oder auch Anthrax, (Anthrax = Kohle, wegen der Schwarzverfärbung der Milz oder der betroffenen Hautstelle) ist eine weltweit vorkommende, bakterielle Infektionskrankheit, die vom Tier, insbesondere Rind, Schaf, Pferd und Schwein auf den Mensch übertragen werden kann (Zoonose). Die Gefahr der Ansteckung von Mensch zu Mensch ist gering.
Erreger: Bacillus anthracis
Der Milzbranderreger wurde 1855 erstmals von dem deutscher Arzt Aloys Pollender (1800 - 1879) entdeckt. Es handelt sich um ein grampositives, bekapseltes, aerob lebendes, sporenbildendes Stäbchen, das zur Familie der Bacillaceae gehört. Robert Koch, der Begründer der modernen Bakteriologie, gelang es 1876 den Erreger zu züchten und die erste künstliche Infektion vorzunehmen. Louis Pasteur gelang es 1883 einen Impfstoff gegen Milzbrand zu entwickeln.
Für die Aggressivität des Erregers entscheidend ist seine Fähigkeit zur Toxin (Gift)- und zur Kapselbildung. Bekapselt entgeht er den Abwehrmechanismen von Tier und Mensch.
Die Überlebenszeit des Bakteriums in der Umwelt ist gering. Jedoch ist es zur Bildung äußert resistenter Sporen in der Lage, die unter Umständen jahrzehntelang überdauern können. Sporen sind praktisch "inaktive" Lebensformen der Bakterien. Gelangen diese in ein günstiges Umfeld werden sie wieder aktiv und beginnen sich zu vermehren.
Während des zweiten Weltkriegs ist in Großbritannien bei Forschungsexperimenten mit präparierten Granaten die vor Schottland liegende Insel Gruinard mit dem Bacillus für Jahrzehnte verseucht worden.Je nach Infektionsweg führt der Erreger zu einem unterschiedlichen Krankheitsbild. Abhängig von Intensität und Einwirkungszeit des Bakteriums kann es zwischen ein bis 14 Tage dauern, bis die ersten Krankheitszeichen auftreten.
In ca. 95 Prozent der Fälle gelangen Sporen des Erregers über die Hautoberfläche in den menschlichen Organismus. Kleinste Hautverletzungen dienen dem Bacillus als Eintrittspforte. Typisch für diese Form ist eine Rötung an der Aufnahmestelle, in der sich eine Blase mit schwarzem Zentrum bildet. Beginnend mit kleinen Pusteln bis hin zu Geschwüren, entzündlichen Wassereinlagerungen (Ödemen) und Eiterungen kommt es schnell zur Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Fieber, Erbrechen, Desorientierung und Herz- Kreislaufstörungen. Der Übertritt der Erreger in die Lymphbahn mit anschließender Blutvergiftung endet meist tödlich. Wird rechtzeitig mit der Therapie begonnen, sind die Heilungschancen gut.
Der Lungenmilzbrand entsteht nach Einatmen der Sporen. Nach grippeähnlichem Anfangsstadium entwickelt sich eine schwere Lungenentzündung mit zunehmender Atemnot. Die Prognose ist hier wesentlich schlechter. Der Tod tritt ca. 3 - 5 Tage nach Ausbruch der Krankheit ein. Über infizierte Nahrungsmittel oder Trinkwasser entwickelt sich der Darmmilzbrand. Es kommt zu Fieber mit starken Bauchschmerzen und blutigen Durchfällen. Auch diese Form endet in der Regel nach kurzer Zeit tödlich. Lungen- und Darmmilzbrand treten nur in sehr seltenen Fällen auf.
Therapie: Penicillin
Erfolgreich wird der Milzbrand mit der rechtzeitigen Gabe von hochdosiertem Penicillin über mehrere Wochen behandelt. Für Personen mit Penicillinallergie eignen sich die Antibiotika Erythromycin und Tetracyclin.
Die Forschung geht weiter
Wissenschaftler sind weiterhin auf der Suche nach effektiven Maßnahmen gegen den Milzbrand-Erreger.
Die Forschergruppe um Watters veröffentlichte in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Current Biology eine Studie über ein Protein, dessen Produktion für die Resistenzfähigkeit von Mäusen auf eine Milzbrand Infektion verantwortlich gemacht wird. Genauere Zusammenhänge sind noch unklar, weitere Studien werden folgen.
In der neusten Ausgabe der Zeitschrift Nature Biotechnology zeigen der Wissenschaftler Mourez und seine Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse zu einem von ihnen entwickelten Hemmstoff gegen das Milzbrandgift. Die Untersuchungen an Ratten zeigten keine Nebenwirkungen. Mit Hilfe dieses Hemmstoffes würde sowohl eine prophylaktische Maßnahme bestehen, als auch ein Medikament zur Behandlung der Erkrankung geschaffen werden.
Autor/Quelle: gesundheit.de
