Knochen und Gelenke - das Gerüst unseres Körpers

Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln: Sie halten uns aufrecht, bringen uns von einem Ort zum anderen und lassen uns die verschiedensten Bewegungen ausführen. Doch die Abnutzungsformen unseres Knochengerüsts sind vielfältig, meist schmerzhaft und folgenschwer für Beruf und Freizeit.

Aufbau und Funktion

Das menschliche Skelett besteht aus über 200 Knochen, die meist durch Gelenke miteinander verbunden sind. Die Gelenkflächen sind mit Knorpel und Gelenkschmiere überzogen – das macht Bewegung möglich. Sehnen und Muskeln unterstützen die Gelenkverbindungen und ermöglichen die Bewegung von Knochen im Gelenk. Das Skelett mitsamt den Muskeln hält uns aufrecht und lässt uns die verschiedensten Bewegungen ausführen – für uns selbstverständlich, bis uns Beschwerden zwingen, unsere Bewegungsmuster zu überdenken.

Gelenkbeschwerden

Am häufigsten treten Schmerzen am Bewegungsapparat auf. Ob Nacken-, Rücken- oder Knieschmerz, Schmerzen bei Bewegung oder nach einem Sturz, muskelkaterartige Schmerzen oder eingeschlafene Gliedmaße – Schmerzen gibt es in vielen Formen. Rückenschmerzen können auch schon bei Kindern auftreten, denn das Gewicht des Schulranzens liegt oft über dem Erlaubten. Der Hexenschuss (auch Lumbago genannt) ist häufig und kann neben Bandscheibenproblemen auch durch eine verspannte Rückenmuskulatur ausgelöst werden.

Neben den Schmerzen ist eine Bewegungseinschränkung ein weiteres wichtiges Symptom dafür, dass irgendwas mit Muskeln oder Gelenken nicht stimmt. Gelenkverschleiß (Arthrose) oder eine Gelenkentzündung wie bei der rheumatischen Arthritis können ebenso wie Narben oder ein Knochenbruch, wie er gerne bei osteoporotischen Knochen oder im Kindesalter auftritt, zu einer Bewegungseinschränkung führen.

Schmerzen und Bewegungseinschränkung sind bei einer rheumatischen Entzündung häufig mit einer Schwellung und Überwärmung des betroffenen Bereichs verbunden. Daneben kann ein auffälliger Größenverlust eintreten – dabei ist nicht der normale Größenunterschied gemeint, der bei jedem Menschen im Laufe des Tages auftritt, sondern ein Größenverlust wie beim Morbus Bechterew.

Anamnese, Inspektion und Perkussion

Anamnese (Krankheitsgeschichte erfragen):
Alle Beschwerden können durch gezieltes Fragen weiter eingegrenzt werden. Gerade Dauer der Schmerzen und Abhängigkeit des Auftretens von der Tageszeit oder der Tätigkeit ermöglichen oft eine erste Abgrenzung zwischen Verschleißerkrankung oder rheumatischer Entzündung.

Inspektion (Betrachten) und Perkussion (Abklopfen):
Bei Gicht und fortgeschrittener Rheuma-Erkrankung sind die Finger- und Großzehengelenke oft charakteristisch verformt. Vorsichtiges Abklopfen der Wirbelsäule kann bei Lumbago anzeigen, ob Hals-, Brust- oder Lendenwirbel in das Schmerzgeschehen einbezogen sind.

Funktionstests:
Jedes Gelenk kann in einem bestimmten Winkel gebeugt oder gestreckt werden. Das behutsame Bewegen aller Gelenke zeigt an, wie stark der Bewegungsumfang gemindert ist. Gerade im Krankheitsverlauf sind diese Werte wichtig, um zu prüfen, ob sich die Krankheit fortsetzt oder ob die Therapie Erfolg hat.

Osteodensitometrie, Ultraschall und MRT

Osteodensitometrie:
Mit dieser Methode wird die Knochendichte geprüft – bei Osteoporose besonders wichtig. Blut- und Hormonuntersuchungen helfen dann, der Ursache für den vermehrten Knochenabbau auf den Grund zu gehen. Blutuntersuchungen helfen bei rheumatischen Erkrankungen auch, körpereigene Substanzen zu finden, mit denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift (Autoimmunantikörper).

Röntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT):
Im Röntgenbild sind viele Erkrankungen des Knochenskeletts zu erkennen (Knochenbrüche, An- und Umbauten in gelenknahen Knochenzonen, Wirbelsäulenfehlhaltungen). Mit der Magnetresonanztomographie (MRT) sind Bandscheibenschäden sehr gut aufzudecken. Im Ultraschall sind Gelenk- und Muskelveränderungen sichtbar. Manchmal muss auch in ein Gelenk hineingeschaut werden – dazu benötigt man dann ein Arthroskop.

Rheuma: Vier Gruppen dieser Erkrankung

Zwischen 200 bis 400 Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems werden als Rheuma zusammengefasst. Die vier wichtigsten Gruppen umfassen:

  • degenerative Erkrankungen wie Arthrose der Hüftgelenke, Beschwerden der Achillessehne, Tennis- oder Mausarm und Bandscheibenschäden
  • entzündlich-rheumatische Krankheiten wie die rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, die Gelenkbeteiligung bei Schuppenflechte oder bei und nach einem Infekt ( Borreliose und Reiter-Krankheit)
  • Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden wie Gicht, Osteoporose – die bei Männern genauso wie bei Frauen auftreten kann – oder Rachitis
  • Weichteilrheumatismus wie die Fibromyalgie


Eine genauere Darstellung finden Sie im Artikel "Rheumatische Erkrankungen". Verletzungen von Knochen, Gelenken und Bändern, die von einer leichten Verstauchung bis zu einem Bruch oder Bänderriss reichen, zählen zu den Erkrankungen des Skelettsystems. Dabei sind sowohl im Kindesalter mit der Grünholzfraktur, dann während der sportaktiven Lebensmitte als auch im Alter typische Gefahren gegeben – sei es durch Überforderung (häufig bei Oberschenkelhalsfraktur nach einem Sturz) oder Überschätzung der eigenen Fähigkeiten (bei Sportverletzungen).

Von Plattfuß bis Rückenschmerzen

Auch Fehlstellungen der Gelenke wie beim Hallux valgus oder von Knochen zueinander, wie sie beim Plattfuß oder Hohl-Senk-Spreizfuß auftreten, sind häufige Erkrankungen. Neben Infektionen von Knochen oder Gelenken tritt auch Knochenkrebs am Skelett auf – oder es entstehen Absiedlungen (Metastasen) von Brust- oder Darmkrebs, die zu starken Schmerzen in der Wirbelsäule führen.

Bei Rückenbeschwerden gibt es eine Fülle von Übungen, die den Rücken stärken. Ob mit Pezziball oder Thera-Band, Rückengymnastik oder Muskeltraining – die Möglichkeiten, etwas für den Schwachpunkt Rücken zu tun, sind groß. Dabei sollte jedoch vor ausgedehnten sportlichen Aktivitäten die körperliche Fitness bestimmt werden, damit keine zusätzlichen Verletzungen auftreten. Nordic Walking oder Radfahren sind Sportarten, die den Rücken schonen. Aber auch hier gilt: Zuviel kann Schaden anrichten – und fitness-süchtig sollte niemand werden.

Sportverletzungen

Bei Sportverletzungen sollten Sie die PECH-Regel anwenden (Pause, Eis, Compression, Hochlagern), auch Enzyme können helfen. Enzyme oder Collagen-Hydrolysat werden auch bei Gelenkverschleiß oder Knieschmerz gegeben, so dass eine OP überflüssig werden kann.

Operationen sind – außer bei Knochenbrüchen – oft die letzte Therapiemöglichkeit, wenn Medikamente und Bewegungstherapie ausgereizt sind: Ob ambulant oder bei ausgedehnten Eingriffen mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden, es gibt viele neuartige Behandlungskonzepte wie beispielsweise eine Bandscheiben-Prothese im Halswirbelbereich. Ausgewählte Kliniken bieten bei Rheuma oder Knieschaden eine computergestützte Heilwasser-Therapie oder die Verbindung TCM, Thermalbaden und Kunsttherapie.

Eine kalziumreiche Ernährung, die auch viel Vitamin D und Vitamin C enthält, kommt den Knochen und dem Bindegewebe zugute. Ebenso hilft Kieselsäure dem Körper bei der Regeneration. Nahrungsergänzungsmittel, wie sie häufig für Sportler angeboten werden, sind jedoch meist überflüssig.

Übergewicht: Belastung für Knochen und Gelenke

Übergewicht belastet Knochen und Gelenke zusätzlich – darum besser jedes Kilo zuviel abbauen. Selbstverständlich gibt es für jede Krankheit ein spezielles Vorgehen mit Medikamenten oder Operationen – nähere Angaben finden Sie bei der jeweiligen Erkrankung. Therapie und Vorbeugung unterscheiden sich wenig voneinander: Bewegung und wenig sitzende Tätigkeiten helfen, Rückenschmerzen vorzubeugen.

Alle Rückenübungen helfen, Muskulatur auf- und Verspannungen abzubauen. Die Krankenkassen fördern über Sportprogramme wie M.O.B.I.L.I.S. die Gesundheit selbst älterer Mitglieder. Selbst für Kinder wird mit dem „ Boney" etwas getan. Fitness – auch am Arbeitsplatz – und das rückenschonende Sitzen in Schule und Büro beugen Rückenschmerzen vor. Und beim nächsten Schuhkauf die Gesundheit der Fußknochen nicht vergessen.

Um Osteoporose vorzubeugen, sollte schon in jungen Jahren eine kalziumreiche Ernährung (viel Milchprodukte) selbstverständlich sein. Gerade Coca-Cola als beliebtes Teenager-Getränk vermindert die Knochendichte nachhaltig.