Rückenschmerzen wirksam vorbeugen

Um die 1.000 Aktionspartner bieten jährlich am 15. März zum Tag der Rückengesundheit vielfältige Aktionen zum Mitmachen, zur Be-
ratung und Information an. Der Tag der Rückengesundheit fand 2009 bereits zum achten Mal statt.
Rückenschmerzen - ein Problem, das jeder kennt, wenn man den Statistiken glaubt. Über 80 Prozent der Deutschen haben diese Erfahrung schon einmal gemacht. Schon zum 7. Tag der Rückengesundheit am 15. März 2008 führte das Deutsche Grüne Kreuz ein Gespräch mit Prof. Dr. med. Annette Becker, Universität Marburg und Mitautorin der Europäischen Leitlinie zur Therapie von Rückenschmerzen. Obwohl schon fast zwei Jahre alt, sind die Fakten und In-
formationen zum Thema immer noch aktuell.
Was sind die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen?
Becker: Es lässt sich nicht immer sagen, warum Rückenschmerzen bei einem Menschen immer wiederkehren und beim anderen nur einmalig auftreten. Sicher ist aber, dass unsere Lebensweise einen wichtigen Einfluss hat. Unser Bewegungsapparat aus Muskeln, Sehnen, Bändern und Knochen – und dazu gehört auch der Rücken – ist so konstruiert, dass wir uns viel bewegen sollten. Statt ihn aber zu nutzen, ist unser Leben geprägt von Bewegungsarmut, indem wir Distanzen sitzend im Auto oder Bus zurücklegen, häufig eine sitzende berufliche Tätigkeit ausführen und auch in der Freizeit nicht für den nötigen Aktivitätsausgleich sorgen. Das führt zu Rückenschmerzen und anderen "Wohlstandskrankheiten".
Wie werden Betroffene ihre Beschwerden schnell wieder los?
Becker: Die meisten Rückenschmerzen sind harmlos und verschwinden so plötzlich wie sie aufgetreten sind. Gut ist, den Beschwerden kein allzu großes Gewicht beizumessen und so früh wie möglich wieder seinem normalen Tagesablauf nachzugehen. Wenn nötig kann ein einfaches Schmerzmittel helfen. Bettruhe oder Schonung sind nicht notwendig, sondern können sogar dazu führen, dass die Beschwerden länger andauern oder häufiger wieder auftreten.
Warum kommen Rückenschmerzen immer wieder?
Becker: In der Tat ist es so, dass zwar die meisten Rückenschmerzen von selbst verschwinden, aber viele auch irgendwann wieder auftauchen. Zu einem großen Teil hängt das mit der fehlenden Bewegung im Alltag zusammen. Wir wissen aber auch, dass die Psyche eine wichtige Rolle spielt. So können z.B. dauerhafte private und berufliche Belastungen, die mit anhaltendem Kummer oder Unzufriedenheit einhergehen, das Widerauftreten der Beschwerden fördern.
Was ist zu tun, damit man keine Rückenschmerzen bekommt?
Becker: Zu verhindern, dass überhaupt Rückenschmerzen auftreten, ist gar nicht so entscheidend. Wichtiger ist, wie man mit den Rückenschmerzen umgeht, damit sie schnell wieder verschwinden, möglichst wenig beeinträchtigen und nur selten wiederkehren. Hierfür hilft es, sich ausreichend im Alltag zu bewegen und möglichst sogar Sport zu treiben. Es ist nicht schlimm, wenn viele von uns einseitige Tätigkeiten bei der Arbeit haben, beruflich viel sitzen oder auch schwer heben müssen, wir müssen nur für den notwendigen Ausgleich sorgen. Das fördert einerseits den Muskelaufbau des Rückens, hält den Kreislauf fit und hilft andererseits auch beim Abbau von Stress und negativen Gefühlen oder Gedanken.
Wann sollten Betroffene den Arzt aufsuchen?
Becker: Bekannte Rückenschmerzen sind meist unkompliziert und verschwinden von selbst wieder. In jedem Fall sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn die Beschwerden anders sind als sonst, nicht verschwinden, schlimmer werden oder mit untypischen Symptomen wie einer Muskelschwäche in den Beinen, Gefühlsstörungen, Fieber oder starkem Unwohlsein einhergehen. Auch wenn Rückenschmerzen nach einem schweren Sturz auftreten, in höherem Alter (über 50 Jahre) erstmalig oder in untypischer Form auftreten, ist es sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen.
Autor/Quelle: Quelle: Deutsches Grünes Kreuz / Überarbeitung: Nathalie Blanck
