Wirbelkörperbruch – eine verkannte Volkskrankheit

Wirbelkörper können brechen und zwar nicht nur bei starker Gewalteinwirkung, sondern auch ohne äußere Kraft bei kleinen Bewegungen. Dadurch leidet die Stabilität der Wirbelsäule. Jedes Jahr erleiden etwa 227.000 Menschen einen Wirbelbruch. Frauen und Männer sind im Verhältnis 10:6 betroffen.
Die möglichen Symptome
Plötzliche Rückenschmerzen können ebenso wie ein mehr oder weniger starker Rückenschmerz, Bewegungsschmerzen oder Fehlstellungen, Blutergüsse und Prellmarken ein Hinweis auf einen Wirbelbruch sein. Ist ein Wirbel der Halswirbelsäule gebrochen, sind Kopfbewegungen nur unter Schmerzen möglich oder der Kopf verharrt sogar in einer Zwangshaltung. Wurde das Rückenmark mitverletzt, können Harn- und Stuhlinkontinenz, Lähmungen sowie Gefühlsstörungen und im Extremfall eine Querschnittslähmung auftreten. Bei vorgeschädigter Knochenstruktur aufgrund einer Grunderkrankung bleibt der Wirbelbruch mitunter unbemerkt. Erst der ständige, quälende Rückenschmerz führt zu seiner Entdeckung.
Die Ursachen
Gesunde Wirbelkörper können unter starker Krafteinwirkung, wie sie z.B. bei einem Autounfall mit hohen Aufprallgeschwindigkeiten auftreten, brechen. Auch Stürze aller Art z.B. bei Sportarten wie Reiten, Skifahren, Paragliding bergen ein Frakturrisiko. Mitunter brechen Wirbel aber bereits ohne äußere Krafteinwirkung bei leichten Alltagsbelastungen und manchmal sogar, ohne, dass die Betroffenen es gleich merken. Das ist z.B. bei Osteoporose, deren häufigste Folge der Wirbelbruch ist, bei Knochentumoren, Skelettmetastasen, Knochenentzündung (Osteitis), Knochenerweichung (Osteomalazie) und rheumatischen Erkrankungen der Fall.
Die Diagnose
Je früher ein Wirbelbruch behandelt wird, desto größer ist die Chance, irreparable Folgen zu verhindern. Nach dem Gespräch mit dem Arzt und einer anschließenden körperlichen Untersuchung mit Überprüfung der Nervenfunktionen, wird der verletzte Wirbelsäulenbereich in maximaler Beugung und Streckung geröntgt. Eine weitere computertomografische Untersuchung (CT) zeigt, ob der gebrochene Wirbelkörper den Rückenmarkkanal einengt. Gegebenenfalls wird noch ein zweites bildgebendes Verfahren, die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt. Damit werden Bandscheiben, Bänder und Rückenmark sichtbar.
Die Therapie
Im ersten Schritt geht es um die Schmerzlinderung mit geeigneten Präparaten. Weitere konservative Maßnahmen sind Krankengymnastik zur Wiederherstellung der Beweglichkeit, gelockerte Bettruhe und unter Umständen ein täglich zu tragendes Rückenkorsett bzw. Stützmieder. Eine Behandlung kann aber auch operativ erfolgen: Bei der Ballon-Kyphoplastie werden zwei Kanülen in den Wirbel eingeführt und durch sie zwei Ballons in den Wirbel vorgeschoben. Die Ballons werden vorsichtig aufgeblasen, sodass sich der Wirbel langsam aufrichtet. Der entstehende Hohlraum wird mit Knochenzement aufgefüllt. Bei der Vertebroplastie wird eine große Hohlnadel in den betroffenen Wirbel eingeführt und ohne vorherige Aufrichtung direkt in den Wirbelkörper Knochenzement eingespritzt. Eine etwaige Fehlstellung bleibt erhalten. Hat eine Grunderkrankung wie Osteoporose zum Wirbelbruch geführt, muss diese unbedingt ebenfalls behandelt werden.
Vorbeugen
Gegen äußere Gewalteinwirkung z.B. im Straßenverkehr kann man sich nur durch Gurte, Airbags oder beim Sport durch einen Rückenprotektor schützen. Besteht ein erhöhtes Osteoporose-Risiko sollte eine Knochendichtemessung erfolgen. Körperliche Aktivität wie Muskeltraining z.B. mit Hanteln, Fahrradfahren, Schwimmen und Wirbelsäulengymnastik sind für den Kalziumeinbau in den Knochen wichtig. Weiterhin beugt eine ausgewogene und kalziumreiche (1 -1,3 Gramm täglich) Ernährung, kalziumhaltiges Mineralwasser sowie Vitamin D Zufuhr (1000 Einheiten täglich) vermehrtem Knochenabbau vor. Besteht bereits eine Osteoporose, dann kann der weitere Knochenabbau medikamentös gehemmt werden.
Autor/Quelle: Gerlinde Felix
