Gesund bleiben nach Krebs: Welche Ernährung hilft - was schadet?

Krebspatienten, die ihre medizinische Therapie abgeschlossen haben, suchen gezielt Wege, um einen erneuten Ausbruch zu verhindern. Mit einer ausgewogenen Ernährung können sie den Körper stärken und vor einer weiteren Krebserkrankung schützen.
Sind Chemo-, Strahlen- beziehungsweise Hormontherapie beendet, fallen viele Betroffene in ein so genanntes Therapieloch. Von ihrem Arzt erhalten sie meist nur den Rat ‚ganz normal weiterzuleben’. Diese Aussage erfüllt die meisten Betroffenen eher mit Skepsis und Unbehagen, als dass sie ihnen wirklich weiterhilft. Es ist also kein Wunder, dass Patienten Tipps von Angehörigen, Freunden oder auch selbst ernannten Spezialisten annehmen. Die Erkrankung ruft viele zweifelhafte Helfer auf den Plan, die Betroffene mit haltlosen Versprechen finanziell auszunehmen versuchen. Gesundes Misstrauen ist also angesagt.
Krebsdiät: Ein Irrglaube!
Selbsternannte Ernährungsexperten empfehlen immer wieder so genannte Krebsdiäten. Zuweilen hört man von der Möglichkeit, den Tumor füttern oder aushungern zu können. Aus wissenschaftlicher Sicht sind beide Ansichten bislang vollkommen unbegründet und können im Falle des vermeintlichen "Aushungerns des Krebses" auch lebensgefährlich sein. Die Krebszellen holen sich ihre notwenigen Nährstoffe völlig unabhängig von der Ernährung der Betroffenen.
Richtige Ernährung schützt und stärkt
Sowohl der Krebs selbst als auch die Therapie haben den Körper stark geschwächt. Jetzt muss er sich erholen und neue Reserven aufbauen. Mit einer ausgewogenen Ernährung geben Krebspatienten ihrem Körper alles, was er für die Wiederaufbauphase benötigt. Obwohl es keine Ernährungsform gibt, die Krebs mit Sicherheit verhindern kann, lassen sich Empfehlungen aufstellen, die das Risiko für eine Krebserkrankung zumindest senken. Als Schutzfaktoren werden eine Reihe von Substanzen diskutiert, die in Nahrungsmitteln vorkommen. Antioxidanzien beispielsweise schützen unsere Körperzellen vor den so genannten freien Radikalen oder hemmen deren Entstehung. Freie Radikale können durch ihre schädigende Wirkung die Entwicklung von Krebs begünstigen.
Bei einer ausgewogenen Ernährung werden nach Meinung internationaler Fachgesellschaften ausreichende Mengen an Vitaminen und Antioxidanzien aufgenommen.
Eine solche Ernährung sieht folgendermaßen aus:
- Täglich rund fünfmal Obst und Gemüse.
- Täglich 600 bis 800 Gramm an Getreideprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten oder anderen Lebensmitteln.
- Alkohol ist nicht zu empfehlen.
- Auf eine ausreichende Trinkmenge achten: Mindestens zwei Liter kalorienarme Getränke sollten es sein.
- Den Fleischverzehr an rotem Fleisch (Rind, Lamm, Schwein) am besten auf höchstens dreimal pro Woche beschränken.
- Den Verzehr fetthaltiger Lebensmittel möglichst beschränken. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle.
- Stark gesalzene Lebensmittel meiden.
- Nahrungsergänzungsmittel wie beispielsweise Vitaminpräparate sind in der Krebsnachsorge in aller Regel nicht notwendig. Unkontrollierte Hochdosierungen beziehungsweise bestimmte Inhaltsstoffe wie beispielsweise Eisen können unter Umständen sogar gesundheitsschädlich und krebsförderlich sein.
Mangelernährung unbedingt vermeiden
In der Folge von Krebstherapien, insbesondere bei Chemo- und Strahlentherapie, kommt es zuweilen zu länger anhaltender Appetitlosigkeit und zu ausgesprochenen Abneigungen gegen bestimmte Nahrungsmittel. Ein wichtiges Ziel nach abgeschlossenen Krebstherapien ist es, die Betroffenen wieder "aufzupäppeln". Patienten sollten daher immer ihrem individuellen Geschmack folgen und sich ihre Wunschkost zubereiten. Um Gewicht zuzunehmen, können sie auch ruhig zu kalorienreichen Lebensmitteln greifen: Sahnige Milchshakes können in dieser Situation besser sein als Kräutertees und das Gemüse darf ruhig mit Butter verfeinert werden.
Buchtipp: "Gesund bleiben nach Krebs"
Professor Dr. med. Josef Beuth stellt in dem Ratgeber "Gesund bleiben nach Krebs" (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2006) Nachsorge-Verfahren vor und bewertet sie aus wissenschaftlicher Sicht. Er zeigt Patienten wissenschaftlich gesicherte Maßnahmen zur Vorbeugung eines Rückfalls oder einer erneuten Krebserkrankung auf. Neben den anerkannten Maßnahmen stellt Beuth auch die zweifelhaften Diagnostik- und Therapiemaßnahmen vor und begründet, warum diese Methoden aufgrund der medizinisch-wissenschaftlichen Einschätzung nicht oder noch nicht als hilfreiche Maßnahme sinnvoll sind.
In den Kategorien Ernährung, Sport, seelische Balance, Immunsystem, vorbeugende Maßnahmen und Diagnostik- und Therapieangebote informiert der Ratgeber unter anderem über Entspannungstraining, Psychoonkologie, Nahrungsergänzungsmittel, Akupunktur, Mistelprodukte, Enzymtherapie und nicht hinreichend geprüfte Ansätze wie Colon-Hydro-, Magnetfeld- oder Fiebertherapie.
Autor/Quelle: Professor Dr. med. Josef Beuth
