Krebstherapie mit Nebenwirkung: müde, antriebslos, allein

In Deutschland erkranken jährlich 350.000 Menschen an einem Tumor. Das sind etwa 1.000 am Tag. Mit modernen Methoden können Tumoren heute schon früh entdeckt, wirksam behandelt und oft dauerhaft in Schach gehalten werden. Doch leider haben diese Behandlungsmethoden zum Teil gravierende Nebenwirkungen.
Viele Tumorpatienten leiden unter Fatigue
Zu den Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie gehören neben Schmerzen und Übelkeit auch chronische Erschöpfung, die selbst nach einer erfolgreichen Behandlung bestehen bleiben kann. Müdigkeit und Erschöpfung können auch unmittelbare Folgen der Erkrankung selbst sein. In der Medizin werden diese Symptome zu dem Krankheitsbild "Fatigue" (sprich: fatieg) zusammengefasst. Rund 60 bis 90 Prozent aller Krebspatienten sind betroffen. Manche krebskranke Menschen fühlen sich schon während der Therapie oft so müde und schwach, dass die Behandlung unterbrochen werden muss. Zu dem Gefühl körperlicher Ermattung kommen nicht selten ausgeprägte Stimmungsschwankungen und psychische Störungen wie Depressionen. Wann, wie lange und wie schlimm diese Nebenwirkungen auftreten, ist bei jedem Menschen unterschiedlich und zudem von der jeweiligen Therapie abhängig.
Grund der chronischen Erschöpfung ist meist eine Blutarmut, medizinisch Anämie genannt. Die Anzahl der roten Blutkörperchen, die zusammen mit dem Blutfarbstoff - dem Hämoglobin - für den Transport des Sauerstoffs im Blut verantwortlich sind, ist im Vergleich zum gesunden Menschen zu niedrig. Wie kommt es dazu? Die Anämie wird in manchen Fällen durch den Tumor selbst hervorgerufen. Aber auch die Chemo- oder Strahlentherapie, deren Aufgabe es ist, die Tumorzellen in ihrer Teilungsaktivität einzuschränken, kann zu Blutarmut führen, denn normale Zellen reagieren dann ebenfalls mit verlangsamter Teilung. Zu diesen gehören die für die Blutbildung wichtigen Zellen des roten Knochenmarks. Wenn die Blutbildung gestört ist, reicht das körpereigene, die Ausreifung der Zellen stimulierende Nierenhormon Erythropoetin für die Blutbildung nicht aus; die entsprechenden Zellen im Knochenmark reifen nicht in ausreichender Menge zu roten Blutkörperchen heran.
Es gibt Möglichkeiten, die Fatigue durch medikamentöse Maßnahmen und Verhaltensänderungen zu lindern und möglicherweise sogar zu überwinden. Für die Behandlung der Blutarmut und damit die Wiederherstellung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit wird heute das körpereigene Hormon Erythropoetin eingesetzt. Dieses Nierenhormon kurbelt im Knochenmark die Bildung von roten Blutkörperchen an. Nach nur kurzer Zeit verbessern sich die Blutwerte und damit die Sauerstoffversorgung im Körper, und die Symptome werden gelindert. Ältere Methoden wie die Bluttransfusion können damit in der Regel ersetzt werden. Klinische Studien zeigen, dass bei Patienten, die regelmäßig Erythropoetin als Medikament erhielten, der Hämoglobinwert anstieg und sich die Lebensqualität deutlich verbesserte. Für die Therapie der Blutarmut können auch Vitamin- und Eisenpräparate gegeben werden.
Quelle: Deutsches Grünes Kreuz
