Brustkrebs - die 25 häufigsten Fragen

Jedes Jahr werden in Deutschland 50 000 Frauen und ihre Familien mit der beängstigenden Diagnose "Brustkrebs" konfrontiert. Wenn der erste Schock überstanden ist, stehen die betroffenen Frauen vor einem unüberwindbar scheinenden "Berg" offener Fragen: "Was passiert jetzt? Zählt jede Minute oder habe ich genug Zeit, mir eine Klinik auszusuchen? Welche Therapieoptionen gibt es? Kann meine Brust erhalten werden?" Bei vielen von Brustkrebs betroffenen Frauen herrschen Verwirrung und Unsicherheit.
Was sind die Ursachen von Brustkrebs?
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Brustkrebs sind bisher nicht bekannt. Bei den meisten Frauen, die an Brustkrebs erkranken, lässt sich kein bestimmter Risikofaktor als sicherer Auslöser für die Krebserkrankung nachweisen. Bei Brustkrebs handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Brustdrüse. Ein Tumor geht meist von einer einzelnen entarteten Zelle aus. Was diese Zelle verändert, weiß man bis heute nicht.
Gibt es Risikofaktoren?
Wahrscheinlich spielen bei der Entstehung von Brustkrebs mehrere Punkte eine Rolle. Als allgemeine Risikofaktoren gelten z.B. erbliche und hormonelle Komponenten. Sind Mutter oder Schwester an Brustkrebs erkrankt, erhöht sich das Risiko, ebenfalls an Brustkrebs zu erkranken, um das 2-3-fache. Darüber hinaus gelten eine frühe erste Monatsblutung (vor dem 12. Lebensjahr) und eine späte Menopause (nach dem 55. Lebensjahr) sowie eine späte (ab dem 30. Lebensjahr) oder gar keine Schwangerschaft als mögliche Risikofaktoren. Auch die persönliche Lebensweise (Alkohol, Rauchen, Übergewicht) kann eine Rolle spielen. Das mögliche Vorhandensein mehrerer dieser Faktoren muss Sie jedoch nicht verunsichern. Das sorgfältige Beobachten des eigenen Körpers sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind die beste Möglichkeit, Veränderungen in der Brust früh zu erkennen und abklären oder gegebenenfalls behandeln zu lassen.
Was kann ich zur Vorsorge tun?
Einmal im Monat (am besten direkt nach der Regelblutung, wenn das Brustgewebe weich ist) sollte jede Frau ihre Brust sorgfältig selbst untersuchen. Dabei stellen Sie sich vor einen Spiegel und schauen sich Ihre Brust von allen Seiten an, auch mit erhobenen Armen. Achten Sie dabei auf eventuelle Veränderungen. Danach werden beide Brüste mit den Fingern der flachen Hand im Uhrzeigersinn abgetastet. Drücken Sie dann beide Brustwarzen vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger, um zu sehen, ob Flüssigkeit austritt. Danach wird die Brust im Liegen erneut wie oben beschrieben abgetastet. Schließlich sollten auch die Achselhöhlen auf möglicherweise geschwollene Lymphknoten untersucht werden. Wichtig ist, dass Sie das Angebot der regelmäßigen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen. Auch der Arzt wird Ihre Brust einer Tastuntersuchung unterziehen und unter Umständen eine ergänzende Mammographie empfehlen.
Welche Symptome gibt es?
Folgende Symptome können auf Brustkrebs hindeuten: ein getasteter unscharf begrenzter Knoten, Verhärtungen oder eine derbe Stelle an der Brust, eine Brust ist plötzlich größer oder ande rs geformt als die andere, eine plötzlich auftretende Rötung, die nicht abklingt, Hauteinziehungen oder "Orangenhaut", Knoten in der Achselhöhle, Absonderungen aus der Brustwarze. Wenn Sie eine oder mehrere dieser Veränderungen an sich bemerken, sollten Sie Ihren Gynäkologen aufsuchen.
Wie läuft die Diagnosestellung ab?
Zuerst wird der Gynäkologe die Brust sorgfältig abtasten. Wird ein Knoten ertastet, folgt in der Regel die so genannte Mammographie. Hierbei handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung der Brust, bei der die Brust zur besseren Durchleuchtung vorsichtig zusammengedrückt wird. Dies wird häufig als unangenehm empfunden, ist aber für die Qualität der Röntgenaufnahme, auf der ein erfahrener Arzt auch kleinste Veränderungen erkennen kann, ausschlaggebend. Ergänzend zur Mammographie kann eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Diese ersetzt die Mammographie jedoch nicht. Eher selten wird bei einem Verdacht auf Brustkrebs eine Kernspintomographie durchgeführt. Zur endgültigen Diagnosesicherung wird im Krankenhaus eine Gewebeprobe entnommen. Hierzu stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung.
Kann Brustkrebs heute geheilt werden?
Ja, Brustkrebs kann dann geheilt werden, wenn er rechtzeitig entdeckt wird, bevor er metastasiert, d.h. abgesiedelte Tumorzellen in andere Teile des Körpers gelangen.
Was passiert nach der Diagnose? Wie ist das übliche Vorgehen?
Nach der gesicherten Diagnose wird der Arzt seine Patientin in ein Krankenhaus einweisen, um in der Regel mit der Operation als erstem Behandlungsschritt zu beginnen. Zumeist erfolgt die Operation zeitnah zur Diagnosestellung. Aber: Wenn Sie das Gefühl haben, dass alles zu schnell geht, lassen Sie sich Zeit. Holen Sie eine Zweitmeinung ein, wenn Sie sich unsicher sind. Auch wenn zwischen der Diagnose und dem Beginn der Therapie einige Wochen liegen, ist dies für den weiteren Verlauf nicht entscheidend.
Wie finde ich die richtige Klinik? Worauf muss ich bei der Klinikwahl achten?
Natürlich ist es angenehm, in einem nahe gelegenen Krankenhaus Patientin zu sein. Wichtiger ist es jedoch, auf die Qualifikation der Klinik und der Ärzte zu achten. Generell gelten Universitätskliniken, Tumorzentren oder Brustzentren als die besten Adressen. Hier sind die Ärzte auf die Erkrankung Brustkrebs spezialisiert und nehmen an aktuellen Therapiestudien teil.
Gibt es verschiedene Therapieformen?
Der Stand der Wissenschaft ermöglicht es heute, für jede Patientin eine "maßgeschneiderte Therapie" bereitzustellen. Der erste Therapie-Schritt ist in der Regel die Operation zur Entfernung des Tumorgewebes aus der Brust. Dabei werden auch die Lymphknoten unter der Achsel entfernt und dann auf das Vorhandensein von Krebszellen untersucht. Nach dem so genannten Lymphknotenstatus richtet sich dann die weitere Therapie. Auf die Operation folgt die Bestrahlung der betroffenen Brust. Bei Patientinnen, deren Lymphknoten tumorfrei waren, wird entweder nicht weiter therapiert oder eine Hormon- bzw. Chemotherapie empfohlen. Weisen die Lymphknoten Krebszellen auf und lassen sich im Tumorgewebe Hormonrezeptoren nachweisen (Hormonabhängigkeit), wird zu einer Kombination aus Chemo- und Hormontherapie geraten. Ohne das Vorhandensein von Hormonrezeptoren ist nur eine Chemotherapie empfehlenswert.
Was ist eine Therapiestudie?
Studien zu neuen Therapiemöglichkeiten bei Brustkrebs sind sehr wichtig für den medizinischen Fortschritt. An so genannten Studienzentren werden verschiedene Therapien miteinander verglichen. Dabei teilt man die Patientinnen häufig in zwei Gruppen ein, von denen eine die jeweils wirksamste Standardtherapie, die andere eine neue, viel versprechende Therapie erhält.
Bringt mir eine Studienteilnahme Vorteile?
Auf jeden Fall! Studien werden an spezialisierten Kliniken durchgeführt und bieten Betroffenen verbesserte Heilungs- und Überlebenschancen. Schon im Vorfeld wird überprüft, ob die Studientherapie für die Patientin geeignet ist. Es werden neue, durch klinische Prüfungen bereits bestätigte Medikamente mit bewährten Standardtherapien verglichen. So ist davon auszugehen, dass jede Patientin eine der derzeit besten verfügbaren Behandlungen bekommt. In anderen Worten: Patientinnen erhalten in Studien höchste Qualität in der Betreuung sowie in der Behandlung - überzeugende Gründe für eine Studienteilnahme.
Wie geht man heute bei der Operation vor? Kann die Brust dabei erhalten werden?
Die Operation erfolgt meist direkt nach der Diagnosestellung und wird so schonend wie möglich durchgeführt. Der gesamte Tumor sowie ein "Sicherheitssaum" von etwa einem Zentimeter um das befallene Gewebe herum werden entfernt. Häufig ist die Operation auch brusterhaltend möglich. Dies hängt u.a. von Art und Ausdehnung des Tumors und von der Größe der Brust ab.
Was ist eine Chemotherapie? Wann wird sie eingesetzt?
Bei einer Chemotherapie kommen Medikamente zum Einsatz, die die Zellteilung hemmen (sog. Zytostatika). Es handelt sich um eine systemische Behandlung, also eine, die auf den gesamten Körper wirkt. Ob eine Chemotherapie sinnvoll ist, hängt von der Art und dem Stadium der Tumorerkrankung und vom Allgemeinzustand der Patientin ab. Die Therapie wird in bestimmten Intervallen, so genannten Zyklen, durchgeführt. Auf eine Behandlungsphase folgt jeweils eine Pause. Der frühest mögliche Einsatz einer Chemotherapie ist der so genannte primär-systemische Einsatz (früher auch als "neoadjuvant" bezeichnet). Er dient dazu, den Knoten schon vor der Operation zu verkleinern, um eine brusterhaltende Operation möglich zu machen. Darüber hinaus kann man bei diesem frühen Einsatz überprüfen, ob die Therapie anschlägt und der Tumor schrumpft. Ziel ist die Heilung des Brustkrebses. In Deutschland wird eine so genannte adjuvante, d.h. einem Rückfall vorbeugende, Chemotherapie schon seit vielen Jahren standardmäßig durchgeführt. Es stehen dazu mehrere Medikamente zur Verfügung. Die adjuvante Chemotherapie soll verhindern, dass sich Metastasen bilden oder die Patientin einen Rückfall erleidet. Ziel dieser Therapie ist ebenfalls Heilung. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass Frauen, die mit dem modernen Krebsmedikament Taxotere (Wirkstoff Docetaxel) behandelt wurden, um 32 Prozent seltener einen Rückfall erlitten als Patientinnen, die eine Standardtherapie mit herkömmlichen Medikamenten erhielten. Bei Frauen, die einen nur geringen Befall der Lymphknoten hatten, stieg die Überlebenschance um mehr als 50 Prozent an. Wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist, d.h. der Tumor bereits Metastasen gebildet hat, wird eine so genannte palliative Chemotherapie eingesetzt, um ein weiteres Voranschreiten der Erkrankung aufzuhalten und eine rasche Linderung möglicher Symptome herbeizuführen. Die Lebensqualität der Patientin steht bei dieser Therapie im Vordergrund.
Was ist eine Hormontherapie?
Bei einem großen Teil aller Brustkrebse finden sich Hormonrezeptoren, d.h. über weibliche Sexualhormone kann das Wachstum des Tumors zusätzlich angeregt werden. In diesen Fällen lässt sich das Tumorwachstum durch einen Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau aufhalten bzw. bremsen. Bei der Hormontherapie stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Bisher besteht die Standard- Therapie aus der Gabe von Tamoxifen. Es handelt sich dabei um ein so genanntes Antiöstrogen, das die Hormonrezeptoren besetzt und somit das körpereigene Östrogen verdrängt, dass das Tumorwachstum anregen würde. Tamoxifen wird in der Regel fünf Jahre lang eingenommen. Als Therapieoption für Frauen vor den Wechseljahren stehen so genannte GnRH-Analoga zur Verfügung. Dies sind Hormone, die die körpereigene Hormonproduktion in den Eierstöcken hemmen. Eine Entfernung der Eierstöcke wird damit überflüssig.
