Eierstockkrebs: Anzeichen erkennen

Eierstockkrebs Anzeichen

Unter dem Begriff Eierstockkrebs werden alle bösartigen Tumore des Eierstocks (Ovar) zusammengefasst. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ein sogenanntes Ovarialkarzinom, seltener finden sich Streuherde (Metastasen) anderer Krebserkrankungen in den Eierstöcken.

Diagnose Eierstockkrebs

Eierstockkrebs ist nach Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom) die zweithäufigste Krebserkrankung der Geschlechtsorgane bei Frauen. Da zu Beginn meist keine Symptome auftreten, wird die Diagnose häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt.

Daher ist die Prognose bei Eierstockkrebs verglichen mit anderen Krebserkrankungen eher ungünstig, denn in vielen Fällen kann der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits nicht mehr vollständig durch eine Operation entfernt werden.

Frühstadium: Unspezifische Anzeichen

Normalerweise verursacht Eierstockkrebs im Anfangsstadium keine charakteristischen Beschwerden. Möglicherweise auftretende Frühsymptome können auch eine Vielzahl andere – oft harmlose – Ursachen haben. Zu den unspezifischen Symptomen von Eierstockkrebs zählen beispielsweise:

  • Störungen des Monatszyklus: Zwischenblutungen, zu häufige, zu seltene oder ausfallende Monatsblutung
  • neu auftretende oder ungewöhnlich starke Schmerzen bei der Monatsblutung oder im Zeitraum des Eisprunges
  • ungewöhnlich starke oder verlängerte Monatsblutung
  • Blutungen nach den Wechseljahren
  • Unterbauchschmerzen
  • Völlegefühl oder Druckgefühl im Unterbauch
  • unerklärliche Gewichtsabnahme
  • Fieber
  • nächtliches starkes Schwitzen

Symptome im Spätstadium

Als typisches Anzeichen von fortgeschrittenem Eierstockkrebs tritt häufig eine sogenannte Bauchwassersucht (Aszites) auf. Grund hierfür sind Krebszellen, die sich innerhalb der Bauchhöhle ansiedeln und unter anderem durch eine Behinderung des Lymphabflusses zu einer Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum führen. Den Patientinnen fällt dies meist zunächst als ein Wachstum des Bauchumfanges auf.

Breiten sich die Krebszellen über die Lymphgefäße bis zum Brustfell aus, kann es auch dort zu einer Flüssigkeitsansammlung (Pleuraerguss) kommen. Dies kann sich dann durch Beschwerden beim Atmen äußern.

Ist der Tumor so groß, dass er auf die umliegenden Organe drückt, können folgende Symptome auftreten:

Vermännlichung bei hormonproduzierenden Tumoren

Seltene Untergruppen von Eierstock-Tumoren können Sexualhormone produzieren und dadurch zu speziellen Symptomen führen: Bildet der Tumor das männliche Geschlechtshormon Testosteron, führt dies zu einer Vermännlichung (Virilisierung oder Androgenisierung),was sich durch verstärktes Körperhaarwachstum, Haarausfall am Kopf und einer tieferen Stimme äußeren kann.

Eine andere Tumorart bildet das weibliche Geschlechtshormon Östrogen und verursacht dadurch eine Verdickung der Gebärmutterschleimhaut. Als Folge können unregelmäßige, ausbleibende oder verstärkte Monatsblutungen sowie Unfruchtbarkeit auftreten.

Differentialdiagnose: Andere Ursachen der Symptome

Viele der Anzeichen von Eierstockkrebs sind unspezifisch – das bedeutet, dass auch eine Vielzahl anderer Ursachen die Beschwerden verursachen können. Zyklusstörungen werden beispielsweise deutlich häufiger durch ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt oder durch Eierstockzysten verursacht. Auch Endometriose – eine Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter befindet – ist ein häufiger Grund von Beschwerden bei der Monatsblutung.

Bleibt die Monatsblutung ganz aus, sollte auch an eine Extrauteringravidität – eine Schwangerschaft, bei der sich die Eizelle außerhalb der Gebärmutterhöhle einnistet – gedacht werden. Hinter Unterbauchschmerzen in Verbindung mit Fieber kann hingegen auch eine Eierstockentzündung stecken.

Meigs-Syndrom bei gutartigem Eierstocktumor

Bauchwassersucht und ein Pleuraerguss können auf Erkrankungen von Lunge, Leber und Herz sowie auf verschiedene Krebserkrankungen hindeuten. In seltenen Fällen kann auch ein gutartiger Eierstocktumor (Ovarialfibrom) die Ursache sein – die Symptomkombination wird dann Meigs-Syndrom genannt.

Alter und Genmutationen als Risikofaktoren

Etwa ein bis zwei Prozent aller Frauen erkranken in ihrem Leben an Eierstockkrebs. Betroffen sind meist Frauen nach dem 45. Lebensjahr – bei jüngeren Patientinnen liegt häufig eine Mutation in einem Gen (BRCA1 oder BRCA2) vor, was das Risiko für Eierstockkrebs deutlich erhöht. Da diese mutierten Gene vererbbar sind, kann es zu einer Häufung von Eierstockkrebs und anderen Krebserkrankungen – beispielsweise Brustkrebs – in der Familie kommen.

Zudem können folgende Risikofaktoren das Auftreten von Eierstockkrebs begünstigen:

  • Frühe erste Monatsblutung (vor dem 12. Lebensjahr)
  • Späte letzte Monatsblutung (nach dem 50. Lebensjahr)
  • Wenige oder keine Schwangerschaften
  • Medikamentöse Stimulation des Eisprungs – beispielsweise im Rahmen einer künstlichen Befruchtung
  • Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCO-Syndrom)
  • Lynch-Syndrom (HNPCC-Syndrom)
  • Nikotinkonsum
  • Unfruchtbarkeit

Da das Auftreten vieler Eisprünge im Leben (etwa, wenn eine Frau 40 Jahre lang ihre Periode hat) das Risiko für Eierstockkrebs erhöhen kann, haben hormonelle Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille durch das Unterdrücken des Eisprungs möglicherweise einen schützenden Effekt.

Diagnostik durch Ultraschall

Besteht der Verdacht auf Eierstockkrebs, wird der Frauenarzt nach der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) zunächst eine körperliche Untersuchung mit Abtasten des Bauches durchführen. Anschließend wird in der Regel eine Ultraschall-Untersuchung durch die Scheide durchgeführt.

Ein CT oder MRT wird hingegen meist nur nach gesicherter Diagnose zur Planung einer Operation oder zur Bestimmung des Tumorstadiums durchgeführt.

Operatives Staging: Probenentnahme und Therapie

Kann ein bösartiger Tumor des Eierstocks durch Ultraschall nicht sicher ausgeschlossen werden, muss eine Probe entnommen werden. Dies geschieht in der Regel durch eine Operation. Die Probe wird noch während der Operation zu einem Pathologen geschickt, der eine mikroskopische Untersuchung durchführt und dem Operationsteam das Ergebnis innerhalb kurzer Zeit mitteilt (Schnellschnitt).

Liegt tatsächlich Eierstockkrebs vor, wird in derselben Operation untersucht, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat und ob bereits andere Organe befallen sind (Staging). In vielen Fällen kann dann sogar schon der erste Behandlungsschritt erfolgen und der Tumor ganz oder teilweise herausgeschnitten werden.

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Blutuntersuchung wenig aussagekräftig

Eine Blutuntersuchung mit Bestimmung von Tumormarkern – etwa CA-125 oder CA 15-3 – spielt bei der ersten Diagnostik eine eher geringe Rolle. Denn diese Substanzen können bei verschiedenen Erkrankungen im Blut erhöht sein und weisen daher nicht speziell auf Eierstockkrebs hin.

Diese Blutwerte können jedoch bei Kontrolluntersuchungen nach begonnener oder abgeschlossener Therapie hilfreich sein, indem sie einen Anhaltspunkt für das Ansprechen auf eine Therapie oder einen möglichen Rückfall darstellen.

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