Gebärmutterhalskrebs

Das "Zervixkarzinom" steht an neunter Stelle der weiblichen Tumorerkrankungen, etwa 6.500 Frauen erkranken in Deutschland jährlich daran. Ermutigend ist, dass die Zahl der Neuerkrankungen und die Sterberaten seit den 70er Jahren rückläufig sind, mehr Tumoren im Frühstadium erkannt werden und damit eine bessere Prognose haben. Diese Tatsache ist umso erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, dass die Zahl der Vorstufen (Präkanzerosen), aus denen sich ein Krebs entwickeln kann, um ein Vielfaches angestiegen ist. Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung, die den Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zukommt. Der statistische Altersdurchschnitt bei Diagnosestellung weist zwei Gipfel auf: zwischen 35 und 39 und zwischen 60 und 64 Jahren.

Welche Krebsformen gibt es?

Es werden drei Grade von Krebsvorstufen (CIN I–III) unterschieden, bei denen die Zellen bereits verändert sind, aber noch kein Krebswachstum aufweisen. Diese können mit gewisser Wahrscheinlichkeit nach einiger Zeit in einen Krebs übergehen. Das Karzinom selbst geht meist von den Deckzellen der Schleimhaut aus (Plattenepithelkarzinom), andere Tumortypen sind selten, haben aber oft eine schlechtere Prognose. Der Krebstyp wird je nach Größe, Ausbreitung, mikroskopischem Befund und anderen Kriterien weiter eingeteilt.

Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs?

Mittlerweile weiß man, dass den humanen Papillomviren (HPV) eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs zufällt. Wahrscheinlich kommt es nur durch eine Infektion mit bestimmten "High-Risk"-HPV-Typen überhaupt zu einer Tumorentstehung, wobei nicht jede Infektion zwangsläufig in eine solche mündet. Ungeschützter und früh aufgenommener Geschlechtsverkehr, eine große Zahl verschiedener Geschlechtspartner und mangelnde Sexualhygiene erhöhen das Infektionsrisiko – in Ländern, in denen viele Männer beschnitten sind, tritt der Tumor weniger häufig auf. Faktoren, die eine Krebsentstehung begünstigen, sind die Einnahme der "Pille" über einen langen Zeitraum, eine hohe Zahl von Geburten sowie genetische Veränderungen und Immunschwächen. Über den Einfluss des Rauchens, eines schlechten Ernährungszustandes und von Genitalinfektionen mit anderen Erregern wie Herpes oder Chlamydien wird zurzeit noch diskutiert.

Symptome von Gebärmutterhalskrebs

Oft treten bei Gebärmutterhalskrebs kaum Symptome auf. Erste Anzeichen sind wässriger Ausfluss und Zwischenblutungen. Ist der Tumor fortgeschritten, können Allgemeinsymptome wie Gewichtsverlust und Nachtschweiß hinzukommen sowie Beschwerden der umliegenden Organe wie Blase und Niere. Da sich die meisten Symptome von Gebärmutterhalskrebs erst sehr spät zeigen, ist es enorm wichtig, regelmäßig die Krebsvorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Zunächst wird der Arzt die Krankengeschichte erheben. Anschließend erfolgt eine gynäkologische Untersuchung, bei der Vagina und Gebärmutterhals inspiziert und abgetastet werden. Im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchung wird dann ein Abstrich vom Gebärmutterhals bzw. Muttermund entnommen, der auf Zellveränderungen untersucht wird ("PAP"). Je nach Befund können der Muttermund und die Scheidenschleimhaut auch unter Lupenvergrößerung angeschaut (Kolposkopie) und Veränderungen durch Anfärben der Schleimhaut sichtbar gemacht werden. Ist ein Bezirk auffällig verändert, wird gezielt ein Stück Gewebe aus der Zervix (und evtl. umliegenden Lymphknoten) entnommen und unter dem Mikroskop begutachtet. Ist der Gebärmutterhalskrebs fortgeschritten, können bildgebende Verfahren wie Sonographie, Kernspin- oder Computertomographie angezeigt sein, um die Tumorausbreitung zu bestimmen und Tochtergeschwülste aufzuspüren.

Gebärmutterhalskrebs: Prognose und Therapie

Die Behandlung richtet sich vor allem nach Stadium und Art des Krebses, aber auch nach dem Allgemeinzustand und der Lebenssituation der Patientin. Bei vielen Vorstufen reicht es, den Befund in 3-monatigen Abständen zu kontrollieren. Operative Maßnahmen reichen von der kegelförmigen Ausschneidung des betroffenen Gewebestückes (Konisation) bis hin zur "Radikaloperation", also der Gebärmutterentfernung (möglichst unter Belassen der Eierstöcke). Hat sich der Tumor ausgebreitet, müssen evtl. auch umliegende Gewebe entfernt werden. Zusätzlich oder als Alternative wird die Bestrahlung (Radiotherapie) eingesetzt, häufig in Kombination mit einer Chemotherapie. Derzeit wird in Studien untersucht, ob eine vorbeugende Impfung gegen HPV sinnvoll ist. Die Prognose ist bei einem früh entdeckten Zervixkarzinom bzw. seinen Vorstufen sehr gut. Ist der Krebs voll entwickelt und bereits in umliegendes Gewebe eingewachsen, überleben durchschnittlich 65 % der Patientinnen die ersten 5 Jahre nach der Diagnosestellung.