Prostatakrebs - Im Frühstadium heilbar
Diagnose: Prostatakrebs - jedes Jahr werden in Deutschland etwa 32.000 Karzinome der Vorsteherdrüse festgestellt. Ein trauriger Rekord, denn diese Krebsform hat den Lungenkrebs bei Männern als häufigste Krebsursache auf den zweiten Platz verwiesen. Immer noch sterben etwa 12.000 Patienten pro Jahr an Prostatakrebs. Das müsste nicht sein. Denn Prostatakrebs gehört zu den langsam wachsenden Krebsarten, und wenn sie früh genug erkannt wird, liegen die Heilungschancen bei 80 Prozent.
Vorsorge: Wichtig für Männer ab 45
Die Krebsstatistik ist erschreckend, doch sie bewirkt, dass Aufklärung und Vorsorge immer ernster genommen werden. Denn Prostatakrebs gehört zu den langsam wachsenden Krebsarten, d.h. bei Früherkennung liegen die Heilungschancen bei 80 Prozent. Betroffen ist überwiegend die Gruppe der 50- bis 75jährigen. Wer in Deutschland an Prostatakrebs stirbt, ist im Durchschnitt 77,6 Jahre alt geworden. Das sind gut drei Jahre mehr als das statistische männliche Sterbealter. Leider kann der Prostatakrebs gänzlich ohne Beschwerden wachsen. Deshalb ist für den Mann ab 45 die Vorsorgeuntersuchung so wichtig. Gute Aussichten auf eine Heilung hat auch Robert de Niro. Bei dem inzwischen 60-jährigen amerikanischen Schauspieler haben die Ärzte während einer Vorsorgeuntersuchung Prostatakrebs festgestellt, in einem sehr frühen Stadium noch, so dass die Aussichten auf Heilung viel versprechend sind.
Gutartige Vergrößerung oder Krebs?
Die Prostata ist ein etwa kastaniengroßes Organ, das direkt unter der Harnblase liegt und wie ein Ring die Harnröhre umschließt. Sie hat eine wichtige Aufgabe: die Produktion der Flüssigkeit, die für die Beweglichkeit der Samenfäden (Spermien) und somit für ihre Befruchtungsfähigkeit zuständig ist. Ausgelöst wird die Produktion des Sekrets durch männliche Hormone, u.a. Testosteron, das in den Hoden (Testes) entsteht. Bei einer Ejakulation, dem Samenerguss, wird das von der Prostata gebildete Sekret der Samenflüssigkeit beigemengt. Dies geschieht in dem von der Prostata umschlossenen Bereich der Harnröhre. Die Größe einer gesunden Prostata bleibt bis zum 45. Lebensjahr in etwa konstant. Die dann bei den meisten Männern beginnende Vergrößerung der Prostata ist ein normaler Teil des Alterungsprozesses und kann Beschwerden beim Wasserlassen verursachen. Diese gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse heißt BPH - Benigne Prostatahyperplasie. Beim bösartigen Prostatatumor (auch: malignes Prostatakarzinom) entarten zunächst einzelne Zellen, teilen sich, wachsen, bis sie schließlich die verschiedenen Schichten der Prostata durchdringen. Hier breitet sich der Tumor aus und zerstört weiteres Gewebe. Erste Beschwerden bemerkt der Patient erst, wenn die Harnröhre durch den Tumor eingeengt wird und er Probleme beim Wasserlassen bekommt. In einem noch weiter fortgeschrittenen Stadium siedeln sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Knochen an, meist im Bereich der Lendenwirbelsäule.
Vorsorge und Untersuchungsmethoden
Wegen ihrer Lage zum Enddarm kann die Prostata mit dem Finger gut getastet und auf krankhafte Veränderungen abgefühlt werden. Ab dem 45. Lebensjahr erstatten die Krankenkassen diese digitale rektale Untersuchung (DRU). Als zuverlässiger jedoch gilt unter den Medizinern ein Bluttest, der PSA-Test genannt wird, weil im Blut ein Prostata-spezifisches Antigen, ein von der Prostata gebildetes Eiweiß, nachgewiesen werden kann. Ein Wert von vier Nanogramm pro Milliliter (4 ng/ml) gilt als normal, höhere Werte können (müssen aber nicht) auf Prostatakrebs hindeuten. Die Krankenkassen erstatten die Kosten (etwa 15 Euro) für den PSA-Test im Rahmen der Krebsvorsorge nur in Ausnahmefällen. Der Ultraschall ist eine weitere Methode, um Veränderungen an der Vorsteherdrüse zu erkennen. Über den Enddarm wird ein Ultraschallkopf bis über die Prostata geschoben und mit Schall abgetastet. Eine Gewebeprobe, die so genannte Biopsie, entnimmt der Arzt erst bei begründetem Verdacht auf Krebs.
Wie wird behandelt?
Bei der Behandlung von Prostatakrebs gibt es mehrere Möglichkeiten und Kombinationen von Therapien, die sehr individuell auf den Patienten abgestimmt werden können. Manchmal wird die gesamte Prostata operativ herausgenommen, um den Tumor gänzlich zu entfernen. Eine Alternative ist die Bestrahlung, bei der das Tumorgewebe gezielt zerstört wird. Manche Patienten bekommen nur eine Hormontherapie. Sie soll bewirken, dass die Testosteronproduktion in den Hoden eingestellt wird - Testosteron nämlich ist entscheidend an der Entstehung von Prostatakrebs beteiligt. Vor falschen Hoffnungen warnen die Mediziner bei einem Kräuterpräparat namens PC-SPES, ein in Amerika frei verkäufliches Nahrungsergänzungsmittel. Trotz einiger (auch wissenschaftlich) nachgewiesener positiver Resultate, wie Senkung des PSA-Wertes, ist das Präparat nicht in Deutschland zugelassen, denn es werden immer wieder neue Nebenwirkungen bekannt, so z.B. Thrombosen. An der Heidelberger Klinik für Prostatatherapie gibt es inzwischen gute Erfahrungen mit hochintensiv focussiertem Ultraschall: Durch eine in den Enddarm eingeführte Sonde wird ein genau gebündeltes Ultraschallfeld auf die Prostata gelenkt. Durch die starke Fokussierung des Schallfeldes entstehen Temperaturen bis 95°C, die präzise eine Zerstörung des krankhaften Gewebes herbeiführen. Fazit: Einig sind sich alle Ärzte: Würden alle Männer ab 45 und nicht nur etwa jeder sechste Deutsche die Vorsorgeuntersuchungen nutzen, wäre die Sterblichkeitsrate weitaus geringer. Als langsam wachsende Krebsart ist das Prostatakarzinom gerade im Frühstadium sehr gut behandelbar.
