Asthma und Schwangerschaft

Viele Frauen, die unter Asthma leiden, machen sich Gedanken, wie sich ihre Krankheit auf die Schwangerschaft auswirkt. In erster Linie befürchten die meisten dabei bleibende Schäden beim Kind.
Eine Frage der Einstellung
Die gute Nachricht gleich vorweg: Wissenschaftler konnten diese Bedenken weitgehend ausräumen. Studien belegen, dass Asthmatikerinnen im Vergleich zu Nicht-Asthmatikerinnen kein erhöhtes Komplikationsrisiko während der Schwangerschaft haben. Allerdings nur dann, wenn die Erkrankung gut mit Medikamenten eingestellt ist.
Kein Grund also, seine Erkrankung vor oder während der Schwangerschaft auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn was auch ansonst gesunden Frauen während der neun Monate zu schaffen macht – Gewichtszunahme, Kurzatmigkeit und Sodbrennen zum Beispiel – das macht sich bei Asthmatikerinnen besonders unangenehm bemerkbar.
Asthma-Medikamente während der Schwangerschaft
Die Grundvoraussetzung für eine komplikationslose Schwangerschaft mit Asthma ist eine optimale medikamentöse Einstellung und die Vermeidung von Asthmaanfällen. Dazu müssen alle bekannten Auslöser konsequent vermieden werden. Schlecht behandeltes Asthma bewirkt einen Abfall des Sauerstoffgehaltes im Blut der Mutter. Weil auch das ungeborene Kind mit mütterlichem Blut versorgt wird, ist der Sauerstoffgehalt auch hier geringer. Da aber der Fötus zum gesunden Wachsen und Überleben einen konstanten Sauerstoffspiegel braucht, können asthma-bedingte Schwankungen in der Sauerstoffversorgung das Geburtsgewicht des Babys erheblich verringern.
In zahlreichen Studien konnte das Risiko von vermehrten Missbildungen nach Asthmamedikamenten nicht nachgewiesen werden. Das gilt auch für Kortison, das bei Fachleuten in vielen Fällen nach wie vor als unverzichtbar gilt. Das Risiko durch unkontrolliertes Asthma ist um ein Vielfaches höher als das Risiko durch eine gezielte und kontrollierte Asthmatherapie. Allerdings werden die Medikamente während der Schwangerschaft bevorzugt als Aerosole und Sprays gegeben, um den Übergang des Wirkstoffs in die Blutbahn des Kindes weitestgehend zu vermeiden.
Schlimmer oder besser?
Die Frage, ob sich das Asthma selbst während der Schwangerschaft verschlechtert oder verbessert lässt am besten mit "sowohl – als auch" beantworten. Ausführliche Studien haben gezeigt, dass sich die Beschwerden bei 37% aller Patientinnen verschlimmerten, bei 29% verbesserten und bei rund 34% konstant blieben. Erfahrungswerte belegen, dass eine Verschlechterung häufig zum Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Trimesters einstellt. In den letzten vier Wochen der Schwangerschaft dagegen verbessert sich die Situation häufig.
Ein Grund für Verschlechterung des Asthma-Leidens während der Schwangerschaft liegt offenbar im Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre. Das verursacht Sodbrennen und löst bei einigen Frauen Asthma-Schübe aus. Eine Verbesserung des Asthmas dagegen wird auf eine erhöhte eigene Kortisonproduktion zurückgeführt.
Vorsorge ist besser
Während der Schwangerschaft müssen Asthmatikerinnen nicht nur die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, sondern auch ihre Grunderkrankung konsequent kontrollieren. Dazu gehören Lungenfunktionstests zu Beginn und – wenn die Lungenfunktion eingeschränkt ist – mindestens alle vier Wochen während der Schwangerschaft. Ist das Asthma besonders schwer, sollten die Intervalle deutlich kürzer sein. Der Peak-Flow sollte täglich gemessen und protokolliert werden.
Eine arterielle Blutgasanalyse wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen empfohlen, um eine eventuelle Gefährdung von Mutter und Kind frühzeitig zu erkennen. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen während der gesamten Schwangerschaft beim Kind geben Aufschluss über Wachstum und Entwicklung des Kindes.
Asthma: Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt?
Grundsätzlich bedeutet Asthma nicht das Ende einer natürlichen Geburt. Die Frage, ob das Kind per Kaiserschnitt oder vaginal auf die Welt kommen soll, ist auch in diesem Fall eher eine persönliche Entscheidung als eine medizinische Notwendigkeit. Selbst wenn sich die Erkrankung während der Schwangerschaft verschlimmert, so erhöht sich das Risiko für Fehl- oder Frühgeburten nicht. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung, an der insgesamt 873 Schwangere mit mildem Asthma, 866 mit moderatem bis schwerem Asthma und 881 ohne Asthma teilnahmen. Auch hier war die Komplikationsrate in allen drei Gruppen vergleichbar. Frauen mit schwerem Asthma entbanden allerdings häufiger per Kaiserschnitt.
Ein epidurales Schmerzmittel während einer vaginalen Geburt reduziert Sauerstoffverbrauch und Atemminutenvolumen, was das Anfallrisiko mindert. Vereinfacht wird die Geburt außerdem durch ausreichende Flüssigkeit und eine angemessene Schmerzbekämpfung. Dabei müssen alle Medikamente, die Histamin freisetzen, vermieden werden. Auch während der Geburt sollen die regelmäßigen Medikamente weiter eingenommen werden. Bei einer Sauerstoffsättigung unter 95% wird der Mutter Sauerstoff gegeben.
Beschwerdefreie Mutter, gesundes Kind
Ziel aller Maßnahmen ist es, ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen und alle Komplikationen für die Mutter zu vermeiden. Deshalb gehört zur regelmäßigen Asthma-Kontrolle auch ein schriftlicher Therapieplan, aus dem deutlich wird, wie die Medikamente im Ernstfall verändert werden können und welche Maßnahmen bei einem Asthma-Anfall ergriffen werden können. Die Notfallmaßnahmen, die bereits vor der Schwangerschaft in Kraft waren, gelten jetzt in besonderem Maße. Patientinnen sollten in jedem Fall sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen, wenn
- die Behandlung überhaupt nicht wirkt,
- die Behandlung nur kurz anhält,
- die Beschwerden zunehmen,
- das Kind sich weniger als sonst oder gar nicht bewegt.
Damit Mutter und Kind gesund bleiben, wird konstant geforscht. Zu den neuesten Erkenntnissen gehört, dass Allergikerinnen offensichtlich leichter schwanger werden können als gesunde Frauen. Der Grund dafür liegt in einem veränderten Verhältnis bestimmter Immunzellen zueinander. Dadurch wird das Einnisten des Embryos in der Gebärmutter vereinfacht – auch bei Frauen mit Asthma.
Autor/Quelle: Susanne Köhler
