Wie wir atmen - häufig unvollständig und verkrampft

"Das Kraut des Internisten und das Messer des Chirurgen heilen von außen, der Atem heilt von innen." (Paracelsus). Das Atmen geschieht unbewusst, und gerade deshalb atmen viele Menschen unvollständig und verkrampft. Richtig atmen heißt, die Atemluft ohne Anstrengung ganz in Bauch und Becken hineinströmen zu lassen. So fließt der Atem durch den ganzen Körper, seelische und körperliche Verspannungen können sich lösen. Für Asthmatiker ist die richtige Atmung lebenswichtig.

Einfache Atemübung

Sie atmen langsam durch die Nase ein. Atmen Sie ebenso langsam durch die Nase aus. Denken Sie dabei langsam ein zweisilbiges Wort wie "Ruhe". Wiederholen Sie diese Übung und achten Sie darauf, wo ihr Atem hinfließt, ob eher in den Bauch oder weiter oben in die Brust.

Atemtherapeuten empfehlen die Bauchatmung: Beim Einatmen sollte sich das Zwerchfell zusammenziehen und abwärts bewegen. Die Bauchdecke sollte sich dabei nach vorne wölben. Im Brustraum entsteht so ein Sog. Dadurch entfalten sich die Lungen, man atmet ein. Bei der Brustatmung werden die Rippen nach oben gezogen und voneinander entfernt. Dadurch vergrößert sich der Brustraum und es entsteht wieder Unterdruck, der zur Einatmung führt.

Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell. Damit wird verbrauchte Luft aus den Lungen gepresst. Ein Zusammenziehen der Rippen unterstützt diesen Prozess. Doch ob aus Bewegungsmangel oder durch falsche Haltung – viele Menschen atmen zu sehr in die Brust. Bei der Brustatmung weitet sich zwar der Brustkorb, doch das Zwerchfell bewegt sich kaum.

500 Liter Sauerstoff täglich

Der Blutkreislauf versorgt den Organismus mit allem, was man zum Leben braucht. Die Atmung bringt den Sauerstoff ins Blut: pro Tag 500 Liter, die mit dem Blut zu den Zellen befördert werden. Ruhiges Atmen verhindert Blockaden, die durch starke Emotionen und erhöhte Anspannung entstehen.

Aber unter Stress aber atmet der Mensch automatisch flacher und gepresster. So gelangen nur etwa 7 bis 10 Liter Luft über den Blutkreislauf zu den Organen. Mit einer gezielten Bauchatmung kann man bis zu 75 Liter Luft aufnehmen und somit durch die bewusste Steuerung der Atmung positiven Einfluss auf Körper und Psyche nehmen.

Atemtherapie bei Krankheiten

Zunehmend gewinnt die Atemtherapie in der Medizin an Bedeutung. Sie lindert vor allem chronische Erkrankungen wie Bronchitis oder Lungenemphysem, Verdauungsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Ängste. Erwiesen ist, dass die richtige Atmung die Durchblutung verbessert und so die Sauerstoffversorgung des ganzen Organismus optimiert.

Besonders Asthmatiker trainieren das Atmen in einer bestimmten Körperhaltung – dem Kutschersitz. Hier sind die Beine sind leicht gespreizt, die Füße stehen ganz auf dem Boden, der Oberkörper ist leicht vornüber gebeugt, die Unterarme sind auf den Oberschenkeln abgestützt. So ist der Brustkorb vom Gewicht des Schultergürtels entlastet, man kann tiefer einatmen.

Über die so genannte Lippenbremse, eine spezielle Atemtechnik, werden die Bronchien entkrampft. Man atmet normal durch die Nase ein und langsam durch den Mund aus. Beim Ausatmen sind die Lippen leicht zusammengepresst als würde man gegen einen Widerstand ausatmen. So verlängert sich die Ausatmungsphase, die Bronchien entkrampfen.

Den Atemrhythmus finden

Den Atemrhythmus zu finden trainiert man, indem man durch die Nase in den Bauch hineinatmet und etwa doppelt so lange ausatmet. Ausatmen bringt die eigentliche Entspannung. Nach dem Einatmen nicht die Luft anhalten, sondern gleich ruhig ausatmen. Erst danach eine kurze Atempause einlegen, bis der Körper wieder nach Luft verlangt. Jetzt atmen Sie automatisch tief ein. Beobachten Sie Ihre Atmung.

Wie die meisten Menscher werden Sie vermutlich beim Ausatmen etwas zusammensinken, doch so wird der Energiefluss gehemmt. Das Ausatmen sollte Sie daher im Gegenteil aufrichten. Das Einatmen hilft dabei, dass Sie sich sammeln. Denn beim Einatmen empfangen Sie etwas: Sie lassen etwas zu. Das Ausatmen ist aktiv: Sie tun etwas.

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Hauchatmung

Probieren Sie die Hauchatmung. Damit bekommen Sie einen tiefen und ruhigen Atemrhythmus. Hauchen Sie langsam in die Handfläche, als wollten Sie sie anfeuchten. Nun atmen Sie wieder durch die Nase ein. Diese Übung wiederholen Sie, bis Ihre Hand ganz warm geworden ist.